Die Ukraine griff an, was ihr Militär als das Halbleiterwerk Woronesch identifizierte – eine Anlage, die nach Kiewer Angaben Elektronik für Iskander- und Ch-101-Raketen sowie das Luftabwehrsystem Pantsir S-1 produziert [4]. Der Gouverneur von Woronesch, Alexander Gusev, bestätigte, dass fünf Menschen getötet und Dutzende verletzt wurden; zehn Wohnhäuser und sechs Privathäuser wurden beschädigt [3]. BBC Russian berichtete, die Zahl der Todesopfer sei zunächst mit null angegeben und später auf fünf Tote und drei Verwundete korrigiert worden, was von den früheren Aussagen des Gouverneurs abweicht [19]. Der Angriff fiel mit einer breiteren Kampagne zusammen, die auch den zivilen Treibstoffverkauf auf der russisch besetzten Krim zum Erliegen brachte und Kiew veranlasste, Belarus ein Ultimatum wegen der Drohnen-Relais-Infrastruktur zu stellen [1][10].

Der ukrainische Generalstab erklärte, die Produkte des Werks in Woronesch würden "are directly used by the enemy to manufacture high-precision guided weapons, with which the Russian occupiers strike the territory of Ukraine and kill civilians" [vom Feind unmittelbar zur Herstellung hochpräziser Lenkwaffen verwendet, mit denen die russischen Besatzer das Territorium der Ukraine angreifen und Zivilisten töten] [4]. Der Kommandeur der ukrainischen Drohnenstreitkräfte, Robert Brovdi, sagte, seine Einheiten hätten gemeinsam mit anderen Teilstreitkräften an der Operation teilgenommen [3]. Präsident Wolodymyr Selenskyj beschrieb die Kampagne in deutlichen Worten: "Si arde Ucrania, va a arder Moscú" [Wenn die Ukraine brennt, wird Moskau brennen] und nannte die Drohnenangriffe auf die russische Hauptstadt "absolutely just" [absolut gerechtfertigt] [21]. In einer gesonderten Erklärung sagte er, die ukrainische Rüstungsindustrie und die Streitkräfte hätten "have begun the process of bringing the war back to Russia" [damit begonnen, den Krieg nach Russland zurückzutragen] [1].

Der russische Präsident Wladimir Putin bewertete die ukrainischen Angriffe anders und erklärte, "their goal is to create a split in Russian society, sow confusion and inflict economic damage" [ihr Ziel sei es, einen Riss in der russischen Gesellschaft zu erzeugen, Verwirrung zu stiften und wirtschaftlichen Schaden zuzufügen] [5]. Der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin meldete, die Luftabwehr habe rund 80 ukrainische Drohnen über der Hauptstadt zerstört, und das russische Verteidigungsministerium gab an, landesweit seien etwa 300 Drohnen abgeschossen worden [6]. TASS berichtete, fünf auf Moskau zusteuernde Drohnen seien in weniger als einer Stunde abgefangen worden, und stellte den Vorfall als Beleg für die hohe Wirksamkeit der Luftabwehr dar [18]. Vier Moskauer Flughäfen wurden während des Angriffs vorübergehend geschlossen [23].

Unabhängige Analysten legten eine zurückhaltendere Bewertung der russischen Verteidigung vor. Samuel Bendett, Drohnenexperte am Center for Naval Analyses, sagte, die Kampagne "is bringing the war home in a way that it hasn't been brought home before" [trage den Krieg auf eine Weise ins eigene Land, wie es zuvor nicht geschehen sei], und verwies auf Lücken in der russischen Luftabwehr [5]. Pasi Paroinen von der finnischen Black Bird Group sagte, der entscheidende Faktor sei die schiere Menge: "Every night or every other night there is some sort of an attack somewhere in Russia. The intensity means that these sites are getting struck repeatedly" [Jede Nacht oder jede zweite Nacht gibt es irgendeine Art von Angriff irgendwo in Russland. Die Intensität führt dazu, dass diese Ziele immer wieder getroffen werden] [5]. Die Moscow Times berichtete, die ukrainischen Tiefenschläge hätten sich im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt und reichten inzwischen bis nach Jekaterinburg [5].

Die logistische Dimension der Kampagne hat auf der Krim sichtbare Auswirkungen gezeitigt. Der von Russland eingesetzte Gouverneur der Krim, Sergei Aksjonow, kündigte die Aussetzung aller zivilen Treibstoffverkäufe an und erklärte, Treibstoff werde "only to government agencies that ensure the functioning and security of the Republic of Crimea" [nur für Regierungsstellen reserviert, die das Funktionieren und die Sicherheit der Republik Krim gewährleisten] [1]. NPR berichtete über die Einführung von Couponsystemen, wöchentliche Höchstmengen von 20 Litern, lange Warteschlangen und Schwarzmarkttreibstoff zum doppelten Preis [15]. Die New York Times dokumentierte die systematischen ukrainischen Angriffe auf Treibstofflaster, Depots, Nachschubwege und beide großen Brücken zur Halbinsel, mit achtstündigen Wartezeiten an Tankstellen [16]. Le Monde analysierte die Strategie als logistische Strangulierung der Rolle der Krim in der russischen Marineprojektion im Schwarzen Meer [22]. Auch die Kinder-Sommerlager auf der gesamten Krim wurden ausgesetzt [4].

Die zivilen Opferzahlen in der Ukraine stiegen unterdessen weiter. Russische Angriffe töteten an einem einzigen Tag mindestens 10 Menschen und verletzten 48 in der gesamten Ukraine, darunter ein Drohnenangriff in der Oblast Sumy, bei dem ein 13-jähriger Junge, sein Vater und seine Großmutter getötet wurden [9]. Der Gouverneur der Oblast Dnipropetrowsk, Oleksandr Hanzha, meldete mehr als 50 russische Angriffe auf seine Region, bei denen eine 77-jährige Frau getötet und neun weitere Personen verletzt wurden; beschädigt wurden ein College, Postämter und eine Tankstelle [11]. Der Gemeindevorsteher von Bohoduchiw, Wolodymyr Bilyi, sagte, der Feind habe "deliberately targeted fuel stations, trying to completely paralyze our logistics" [gezielt Tankstellen angegriffen, um unsere Logistik vollständig lahmzulegen], sodass in der Gemeinde keine Tankstelle mehr in Betrieb sei [14]. Russland griff auch eine Produktionsstätte von General Cherry an, einem der größten Drohnenhersteller der Ukraine; der Gründer Jaroslaw Gryschyn erklärte, alle Mitarbeiter seien unverletzt geblieben, und schrieb: "This is war. We were prepared for such events. The enemy will not succeed in stopping us" [Das ist Krieg. Wir waren auf solche Ereignisse vorbereitet. Der Feind wird uns nicht aufhalten können] [12].

Eine weitere Front eröffnete sich über Belarus. Selenskyj stellte dem belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko ein öffentliches Ultimatum und forderte den Abbau von vier Signal-Relaisstationen in den Regionen Homel und Brest innerhalb einer Woche und warnte: «Если он этого не сделает, это сделаем мы» [Wenn er es nicht tut, werden wir es tun] [10]. Der ukrainische Militäranalyst Pavel Lakiychuk erklärte, die Relaisstationen übermittelten Steuersignale für russische Drohnen, die entlang der Nordgrenze der Ukraine tief in deren Territorium fliegen [10]. Alexander Kovalenko von der Gruppe Information Resistance sagte, die Ausrüstung, die sich typischerweise innerhalb von 20 Kilometern zur Grenze befinde, könne von FPV-Drohnen zerstört werden, ohne Zivilisten zu gefährden [10]. Der amtierende Leiter des ukrainischen Auslandsnachrichtendienstes, Oleg Lugovsky, erklärte, mehr als 80 Prozent der belarussischen Unternehmen seien mit der Erfüllung von Aufträgen für die russische Rüstungsindustrie verbunden [10].

Das Schwarze Meer wurde zu einem weiteren umkämpften Raum. Ein russischer Drohnenangriff tötete einen 58-jährigen ägyptischen Koch an Bord eines türkischen Frachtschiffs in der Nähe von Tschornomorsk, und acht weitere Besatzungsmitglieder wurden in einer ukrainischen Rettungsaktion evakuiert [4]. Ein separater Angriff auf ein türkisches, unter panamaischer Flagge fahrendes Schiff verletzte zwei türkische Besatzungsmitglieder, was das türkische Außenministerium veranlasste, alle Parteien zur Deeskalation aufzurufen: "Karadeniz'de sivil gemilerin seyrüsefer emniyetinin sağlanması, ülkemizin temel öncelikleri arasında yer almaktadır" [Die Gewährleistung der navigatorischen Sicherheit ziviler Schiffe im Schwarzen Meer gehört zu den grundlegenden Prioritäten unseres Landes] [2]. Der ukrainische Außenminister Andrii Sybiha bezeichnete die Angriffe als "a clear demonstration that Russia's words cannot be trusted" [eine klare Demonstration, dass Russlands Worten nicht zu trauen ist] [4].

Bei den Vereinten Nationen warnte der Beigeordnete Generalsekretär Mohamed Khaled Khiari den Sicherheitsrat vor einem "dangerous cycle of escalation" [gefährlichen Kreislauf der Eskalation] [7]. Edem Wosornu, Direktorin für Krisenreaktion bei OCHA, sagte in derselben Sitzung, dass "the choices made here can mean the difference between lives saved or lives lost" [die hier getroffenen Entscheidungen den Unterschied zwischen geretteten und verlorenen Leben bedeuten können] [7]. Unabhängige Militäranalysten bewerteten die Lage so, dass Russlands derzeitiger Ansatz nicht über die Mittel für einen strategischen Durchbruch verfügt; Emil Kastehelmi von der Black Bird Group sagte, Russlands Taktik "do not provide means for more significant successes" [biete keine Mittel für bedeutendere Erfolge], während Konrad Muzyka von Rochan Consulting erklärte, nur eine neue Mobilmachung oder ein nuklearer Schlag könnten substanzielle Veränderungen bringen [13].