Die Angriffe vom 29. Juni ereigneten sich vor dem Hintergrund monatelanger grenzüberschreitender Feindseligkeiten. Pakistanische Sicherheitskräfte führten Luftangriffe und eine Bodenoperation entlang der afghanischen Grenze durch, wobei Informationsminister Attaullah Tarar erklärte, dass 29 Kämpfer getötet wurden — eine Zahl, die in einigen Medien als 25 angegeben wurde, was unterschiedliche Stadien der offiziellen Stellungnahmen widerspiegelt [1][5][6] — und drei Ziele in den Provinzen Paktia, Paktika und Kunar bei "precision strikes" [Präzisionsschlägen] zerstört wurden [2][3][4]. Die Taliban-Regierung gab eine gleichzeitige Verurteilung heraus, wobei Sprecher Zabihullah Mujahid die Operationen als "cowardly act of aggression" [feigen Akt der Aggression] bezeichnete, bei dem Dutzende afghanische Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, getötet oder verwundet wurden [3][7][10].
Der unmittelbare Auslöser war nach Angaben pakistanischer Beamter und mehrerer internationaler Medien ein Bomben- und Schusswaffenangriff auf das Hauptquartier der paramilitärischen Rangers in Karatschi, bei dem drei Soldaten getötet wurden [2][7][9]. Die TTP-Abspaltung Jamaat-ul-Ahrar bekannte sich zu dem Anschlag in Karatschi [2][3][9]. Ein festgenommener Angreifer, der als Usman Ali identifiziert wurde, sagte den Ermittlern Berichten zufolge, er sei etwa eine Woche vor dem Anschlag aus Dschalalabad, Afghanistan, nach Pakistan gereist [4].
Attaullah Tarar erklärte, die grenzüberschreitenden Operationen hätten Verstecken von Jamaat-ul-Ahrar und dem, was das pakistanische Militär als "Fitna al Khawarij" [Fitna al Khawarij] bezeichnet, gegolten, und ein hochrangiger Kommandeur sei unter den Getöteten [4][9]. "Pakistan has always strived for maintaining peace and stability in the region, but at the same time shall not compromise on the safety and security of our citizens, which remains our top priority" [Pakistan hat stets nach Frieden und Stabilität in der Region gestrebt, wird aber gleichzeitig keine Kompromisse bei der Sicherheit unserer Bürger eingehen, die für uns oberste Priorität hat], sagte Tarar [4][9]. Der pakistanische Armeechef Asim Munir erklärte, Frieden könne nur herrschen, wenn das Taliban-Regime "renounced their support for terrorism and terrorist organisations" [ihre Unterstützung für Terrorismus und terroristische Organisationen aufgäbe] [4].
Die Darstellung der Taliban-Regierung weicht in jedem wesentlichen Punkt davon ab, wer getroffen wurde. Der stellvertretende Sprecher Hamdulá Fitrat erklärte, dass "el Ejército paquistaní, en su papel de agresor, ha llevado a cabo ataque aéreos contra la población civil" [die pakistanische Armee habe in ihrer Rolle als Aggressor Luftangriffe gegen die Zivilbevölkerung durchgeführt] in den Bezirken Giyan, Chamkani und Manogai, wo "decenas de civiles, entre ellos mujeres y niños, han perdido la vida o resultado heridos" [Dutzende Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, getötet oder verwundet wurden] [8]. Independent Urdu berichtete von der Taliban-Zahl von 46 zivilen Todesopfern, während pakistanische Sicherheitsquellen darauf beharrten, die Bombardierung habe terroristischen Verstecken gegolten [13]. Der Spiegel zitierte lokale Medien, die von über 30 Toten und mehr als 100 Verletzten berichteten [5]. Die Diskrepanz zwischen der pakistanischen Zählung von 29 getöteten Kämpfern und den zivilen Opferzahlen der Taliban bleibt ungeklärt, da keine unabhängige Überprüfung aus den Angriffsgebieten vorliegt.
Die Angriffe vom 29. Juni ereigneten sich vor dem Hintergrund monatelanger grenzüberschreitender Feindseligkeiten. Bereits Anfang 2026 dokumentierten UN-Organisationen bestätigte zivile Opfer früherer pakistanischer Luftangriffe. Die Unterstützungsmission der Vereinten Nationen in Afghanistan bestätigte 13 zivile Todesopfer, überwiegend Frauen und Kinder, bei einer Angriffsrunde im Juni [12]. Le Monde berichtete über UNAMA-Zahlen von Ende Februar bis Anfang März, die mindestens 42 getötete und 104 verwundete afghanische Zivilisten zeigten [23]. Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, nannte eine Zahl von 56 getöteten afghanischen Zivilisten seit Beginn des umfassenderen Konflikts, fast die Hälfte davon Kinder, sowie 129 Verwundete [21][22]. UN News forderte eine sofortige Einstellung der Feindseligkeiten [21].
Human Rights Watch verurteilte einen pakistanischen Luftangriff vom 16. März auf das Omid Addiction Treatment Hospital in Kabul als rechtswidrigen Angriff und mögliches Kriegsverbrechen und wies darauf hin, dass internationale Organisationen von mindestens 143 Toten berichteten [19]. BBC News berichtete unter Berufung auf Quellen aus forensischen Labors von mehr als 100 Todesopfern bei diesem einzelnen Angriff, während Vertreter der Taliban eine Opferzahl von bis zu 400 behaupteten [20], und UNAMA bezeichnete ihn als möglichen Verstoß gegen internationales Recht [20].
UN-Menschenrechtsexperten stellten die Rechtmäßigkeit der grenzüberschreitenden Operationen Pakistans grundsätzlicher infrage und argumentierten, dass sie wahrscheinlich gegen Artikel 2(4) der UN-Charta verstoßen, der die Anwendung von Gewalt gegen die territoriale Unversehrtheit eines anderen Staates verbietet, und wiesen darauf hin, dass Pakistan es versäumt habe, den UN-Sicherheitsrat zu benachrichtigen, als es sich auf Selbstverteidigung berief [17]. Eine von South Asian Voices veröffentlichte Analyse untersuchte die rechtlichen Widersprüche in der Position Pakistans und stellte fest, dass Islamabad zuvor ähnliche grenzüberschreitende Angriffe anderer Staaten verurteilt hatte [16]. Indiens Außenministerium verurteilte die Luftangriffe durch seinen Sprecher Randhir Jaiswal als Verletzung der Souveränität Afghanistans und beschuldigte Pakistan, "blaming external actors for its internal failures" [externe Akteure für sein internes Versagen verantwortlich zu machen] [15].
Die pakistanische Direktion für inter-services public relations beschrieb die Angreifer von Karatschi als "belonging to Indian proxy, Jamaatul Ahrar" [einer indischen Stellvertretergruppe, Jamaatul Ahrar, zugehörig] [4]. Das Long War Journal veröffentlichte eine Analyse, die argumentiert, dass Pakistans Charakterisierung von TTP-Fraktionen als indische Stellvertreter keine vorgelegten Beweise enthalte und einen Versuch darstelle, die Verantwortung für das Versagen bei der innerstaatlichen Terrorismusbekämpfung abzuwälzen [24]. Die Erklärung des indischen Außenministeriums, die die Stellvertreter-Rahmung zurückweist, und die Erklärung des pakistanischen Militärs, die diese behauptet, besetzen entgegengesetzte Enden dieses Streits [15][4].
Diplomatische Bemühungen haben keine dauerhaften Ergebnisse gebracht. Al Jazeera und The Guardian berichteten, dass chinesische Vermittlung und andere Friedensgespräche die Spannungen Anfang 2026 kurzzeitig verringerten, aber wiederkehrende Militäroperationen nicht verhindern konnten [2][7]. RFI berichtete, dass die Taliban Pakistan kurz nach der Ankündigung der chinesischen Vermittlung beschuldigten, Kabul und Kandahar bombardiert zu haben, was zu erneuten Feindseligkeiten führte [18]. War on the Rocks veröffentlichte eine Einschätzung, die untersuchte, ob Pakistans militärischer Zwangsdruck eine Änderung des Verhaltens der Taliban erzwingen kann, und stellte fest, dass Pakistan im Februar den "open war" [offenen Krieg] erklärte und die Grenze seit Oktober weitgehend geschlossen ist [25][6].
Die Grenze zwischen Pakistan und Afghanistan bleibt geschlossen, und es wurde weder eine Waffenruhe noch eine neue Vermittlungsinitiative angekündigt [6][25]. In der verfügbaren Berichterstattung werden keine afghanischen Zivilisten, lokalen Ältesten oder humanitären Helfer aus den angegriffenen Gebieten zitiert, sodass die zentrale Frage, wer am 29. Juni getötet wurde, zwischen zwei Regierungen umstritten bleibt, ohne unabhängige Bestätigung vom Boden.