Ein kombinierter russischer Angriff mit mehr als 70 Raketen – fast die Hälfte davon ballistisch – und fast 500 Kampfdrohnen traf Kiew in der Nacht zum 2. Juli und tötete mindestens 27 Menschen und verletzte 91 bei dem, was Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko als den "most massive attack" [massivsten Angriff] auf die ukrainische Hauptstadt seit Beginn der groß angelegten Invasion bezeichnete [1][3][8]. Schäden wurden an mehr als 30 Orten in sieben Bezirken verzeichnet, darunter Wohnhochhäuser, ein Hotel, eine Rettungsstation, ein Verlagslager und ein biochemisches Labor [5][8][11]. Während des Angriffs suchten rekordverdächtige 52.500 Menschen Schutz in den U-Bahn-Stationen Kiews [1][3]. Klitschko erklärte eine stadtweite Trauer [2][7].
Ukrainische Beamte und westliche Regierungen bezeichneten die Angriffe als gezielte Angriffe auf Zivilisten und Wohngebiete. Timur Tkachenko, Leiter der Kiewer Militärverwaltung, sagte, die Schäden konzentrierten sich auf Wohngebäude und zivile Infrastruktur [15]. Der ukrainische Innenminister Ihor Klimenko nannte den Angriff "simplemente un ataque terrorista" [einfach einen Terroranschlag] und forderte die Europäische Union auf, den Krieg zu beenden [4]. Der ukrainische Außenminister Andriy Sybiha sagte, es wäre "immoral" [unmoralisch], die Angriffe als Reaktion auf Kiews Langstreckenangriffe zu rechtfertigen: "In this war there is an aggressor and a country defending itself. Russia has no right to make any strikes against Ukraine" [In diesem Krieg gibt es einen Aggressor und ein Land, das sich verteidigt. Russland hat kein Recht, irgendwelche Angriffe gegen die Ukraine durchzuführen] [5]. Der britische Premierminister Keir Starmer verurteilte, was er Russlands "barbaric assault" [barbarischen Angriff] nannte, und bezeichnete ihn als "a stark reminder that while Ukraine continues to pursue peace, Putin continues to inflict suffering and violence on the Ukrainian people" [eine deutliche Mahnung, dass Putin, während die Ukraine weiterhin Frieden anstrebt, dem ukrainischen Volk weiterhin Leid und Gewalt zufügt] [5][15]. Der rumänische Präsident Nicușor Dan sagte, Russland habe "demonstrated once again that it does not want peace" [erneut demonstriert, dass es keinen Frieden will] [15].
Kremlsprecher Dmitry Peskow erklärte, dass russische Streitkräfte nur "military or quasi-military targets" [militärische oder quasi-militärische Ziele] angegriffen hätten und dass der Generalstabschef Waleri Gerassimow Präsident Wladimir Putin über die Ergebnisse des Angriffs unterrichtet habe [8][12][21]. Das russische Verteidigungsministerium beschrieb die Operation als Vergeltungsmaßnahme für ukrainische Drohnenangriffe auf russische zivile Infrastruktur und erklärte, sie habe militärisch-industrielle und Treibstoff-Energie-Anlagen getroffen [2][9][17]. Peskow fügte hinzu, Russland werde "continue to increase pressure on the Kyiv regime in order to achieve our set goals" [den Druck auf das Kiewer Regime weiter erhöhen, um unsere gesetzten Ziele zu erreichen] [1][24].
Bewohner Kiews wiesen die Darstellung als Vergeltung zurück. Oleksiy, ein Bewohner des Bezirks Darnytskyi, in dem ein neunstöckiges Wohnhaus zerstört wurde, sagte: "This is not retaliation by Russia for Ukrainian strikes. They started this war. This is a residential area. And they targeted it" [Das ist keine Vergeltung Russlands für ukrainische Angriffe. Sie haben diesen Krieg begonnen. Dies ist ein Wohngebiet. Und sie haben es gezielt angegriffen] [1]. Hanna Polishchuk beschrieb, wie sie aus einer Tiefgarage trat, als eine ballistische Rakete einschlug: "There was complete panic. There was such an enormous explosion. It felt as though the whole parking garage was about to collapse" [Es herrschte völlige Panik. Es gab eine so gewaltige Explosion. Es fühlte sich an, als würde die ganze Tiefgarage einstürzen] [8]. Die Medizinstudentin Oleksandra Voloshyna sagte, die Angriffe würden schlimmer und dass sie zum ersten Mal in all den Kriegsjahren beschlossen habe, dass es sicherer sein könnte, die Nacht nicht zu Hause zu verbringen [5].
Präsident Wolodymyr Selenskyj brach einen Besuch in Irland ab und kehrte nach Kiew zurück, wo er den Ort eines zerstörten Wohnhauses im Bezirk Darnytskyi besuchte [2][23]. Er sagte: "Putin is losing this war. That's what's happening. He understands that the only thing he can do is intimidate people and simply kill civilians with missile strikes" [Putin verliert diesen Krieg. Das ist es, was passiert. Er versteht, dass das Einzige, was er tun kann, ist, Menschen einzuschüchtern und einfach Zivilisten mit Raketenangriffen zu töten] [8]. Selenskyj erklärte, die Ukraine benötige mindestens 140 Patriot-Abfangraketen, um einem Angriff mit rund 70 ballistischen Raketen entgegenzuwirken, und dass verzögerte Militärhilfe ukrainische Menschenleben gekostet habe: "Si nuestros socios hubieran cumplido sus promesas a tiempo, creo que hoy podríamos haber salvado más hogares y vidas" [Wenn unsere Partner ihre Versprechen rechtzeitig erfüllt hätten, glaube ich, dass wir heute mehr Häuser und Leben hätten retten können] [4][7][8]. Er forderte die Vereinigten Staaten außerdem auf, Lizenzen für die Patriot-Produktion zu erteilen [3]. Der ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow appellierte an fast 40 Partnerländer, im Juli dringend Patriot-Raketen aus ihren Beständen zu übergeben, im Austausch gegen künftige Lieferungen, die bereits für die Ukraine vertraglich vereinbart sind [8].
Der Sprecher der ukrainischen Luftwaffe, Juri Ihnat, sagte, die Zahl der auf Kiew abgefeuerten ballistischen Raketen – 28 bei einem einzigen Angriff – sei ein Rekord gewesen und die Abfangrate für ballistische Raketen bleibe niedrig [2][8]. Der Luftfahrtexperte Bohdan Dolintsew erklärte, dass der gleichzeitige Einsatz von Marschflugkörpern, ballistischen Raketen, Hyperschallraketen und Hunderten von Drohnen innerhalb desselben Zeitfensters eine außergewöhnlich komplexe Herausforderung für die Luftabwehrsysteme darstelle [1]. DW News zitierte eine CSIS-Analyse, die schätzt, dass über 90 Prozent der russischen Verluste im Krieg auf Drohnenangriffe zurückgehen, und nannte vergleichende Verlustzahlen von über zwei Millionen für beide Seiten zusammen [3].
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas schlug neue Sanktionen gegen Einrichtungen vor, die den militärisch-industriellen Komplex Russlands unterstützen: „Heute werde ich als Reaktion auf die Angriffe vorschlagen, weitere Einrichtungen und Unternehmen zu sanktionieren, die den russischen militärisch-industriellen Komplex unterstützen" [12]. Sie fügte hinzu, je mehr Moskau Zivilisten angreife, desto mehr Sanktionen müssten verhängt werden [15].
Über die menschlichen Verluste hinaus zerstörte der Angriff rund 800.000 Bücher in einem Lager des Verlags BookChef [8][16]. Der Biologe Yurii Danylovych bezeichnete die Zerstörung des Labors des Nationalen Instituts für Biochemie als „a catastrophe for medical and biological science of Ukraine" [eine Katastrophe für die medizinische und biologische Wissenschaft der Ukraine] [7]. Das Ukrainische Rote Kreuz verlor humanitäre Hilfsgüter im Wert von über 1,3 Millionen Pfund [1]. Robin Meldrum, Landesdirektor von Ärzte ohne Grenzen in der Ukraine, sagte, medizinisches Personal und Einrichtungen seien weiterhin ungeschützt und stünden am Rande der Ressourcenerschöpfung, nachdem eine Rettungswache beschädigt und sechs Mitarbeiter verletzt worden seien [11].
Eine separate Dimension des Konflikts erhielt in vietnamesischsprachigen Berichten Aufmerksamkeit: Anhaltende ukrainische Drohnenangriffe auf russische Ölraffinerien haben zu einem Rückgang der russischen Benzinproduktion um 25 Prozent, weitverbreiteter Rationierung und langen Warteschlangen geführt, wobei Putin erstmals öffentlich Treibstoffknappheit einräumte [13]. Der russische Energieexperte Stanislav Mitrakhovich warnte, der Krisenverlauf hänge davon ab, ob die Langstrecken-Drohnenfähigkeit der Ukraine oder die russische Luftabwehr die Oberhand behalte [13].
Regierungen des Globalen Südens und multilaterale Gremien riefen zur Deeskalation auf, ohne Russland direkt zu verurteilen. UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte den Angriff und erinnerte daran, dass Angriffe auf Zivilisten gegen das humanitäre Völkerrecht verstoßen [27]. Die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, Mao Ning, bekräftigte, dass Dialog und Verhandlung der einzig gangbare Weg aus der Krise seien [29]. Das indische Außenministerium äußerte sich „zutiefst besorgt" und forderte eine sofortige Einstellung der Feindseligkeiten [30]. Das brasilianische Itamaraty rief die Parteien dazu auf, das Völkerrecht zu achten und eine Verhandlungslösung anzustreben [31].
Polen ließ während des Angriffs vorsorglich Kampfjets aufsteigen, und Finnland verhängte eine Flugbeschränkungszone [9][5]. Selenskyj sagte, er hoffe, US-Präsident Trump am Rande des NATO-Gipfels in Ankara zu treffen, wo das Thema Luftabwehr voraussichtlich ein zentraler Tagesordnungspunkt sein werde [15]. Die EU-Botschafterin in der Ukraine, Katarina Mathernova, sagte, Russland habe „unleashed hell on Kyiv" [die Hölle über Kiew losgelassen] und bestätigte, dass diplomatische Unterkünfte getroffen worden seien, die Diplomaten jedoch unverletzt blieben [7]. Die Rettungsarbeiten dauerten an, wobei Tkachenko warnte, dass die Zahl der Todesopfer wahrscheinlich steigen werde [3].