Zehntausende Demonstranten versammelten sich in Erfurt, Deutschland, um gegen den Bundesparteitag der Alternative für Deutschland (AfD) zu protestieren, auf dem die Co-Vorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla wiedergewählt wurden [3][4][6]. Die Polizei schätzte die Zahl der Demonstranten auf 15.000 bis 31.000, während das Protestbündnis Widersetzen mindestens 50.000 Teilnehmer angab [2][3][7][8][11]. Der Parteitag begann pünktlich, wobei laut einem AfD-Sprecher 540 Delegierte vor 5 Uhr morgens eintrafen [7][11].

Weidel wurde mit rund 81 Prozent der Delegiertenstimmen und Chrupalla mit 70 Prozent wiedergewählt [6][12]. Beide Führungspersonen erklärten die Absicht der Partei zu regieren. "We will govern. First at a regional level, then at the national level" [Wir werden regieren. Zuerst auf regionaler Ebene, dann auf nationaler Ebene], sagte Chrupalla [4][8][10]. Weidel sagte den Delegierten, dass "more and more people in this country want to support us in the fight against Germany's decline, in the fight for our fatherland and for our identity" [immer mehr Menschen in diesem Land wollen uns im Kampf gegen Deutschlands Niedergang unterstützen, im Kampf für unser Vaterland und für unsere Identität] [8]. Sie sagte den Demonstranten zudem: "To the troublemakers out there at the door: you won't bring us down — quite the opposite, we're only getting stronger and bigger" [An die Unruhestifter da draußen vor der Tür: Ihr werdet uns nicht kleinkriegen – ganz im Gegenteil, wir werden nur stärker und größer] [9]. Die Partei liegt derzeit in nationalen Meinungsumfragen vor dem konservativen CDU/CSU-Block von Kanzler Friedrich Merz [8].

Weidel kündigte "rigorous deportations" [rigorose Abschiebungen] von Kriminellen und illegalen Migranten an und erklärte: "For this remains our last chance to save our country" [Denn dies bleibt unsere letzte Chance, unser Land zu retten] [3][4][8]. Eine bayerische AfD-Resolution forderte verpflichtende Rückführungsprogramme, wobei der stellvertretende Landesvorsitzende Rainer Rothfuß erklärte, Deutschland dürfe keine "Hängematte für die ganze Welt" werden [20]. Der scheidende stellvertretende Vorsitzende Kay Gottschalk verknüpfte Niederlagen der deutschen Fußballnationalmannschaft mit offenen Grenzen [12]. Der Entwurf des Wahlprogramms der Partei fordert zudem den Austritt Deutschlands aus der EU, dem Euro und dem Pariser Klimaabkommen [28].

Chrupalla warf den Demonstranten vor, ein Monopol auf die Demokratie zu beanspruchen, und erklärte: "This democracy is just as much our democracy as it is yours" [Diese Demokratie ist genauso unsere Demokratie wie eure] [7]. Er bezeichnete die Demonstranten als "the last line of defence for our political competition" [die letzte Verteidigungslinie unseres politischen Wettbewerbs] und nannte die Abhaltung von Parteitagen ein garantiertes Recht [7]. Die Bundestagsfraktion der AfD veranstaltete einen sogenannten "Democracy Congress" [Demokratiekongress] zu Meinungsfreiheit, Medien und Menschenrechten und positionierte die Partei als Verfechterin der offenen Meinungsäußerung [21].

Yasmin Fahimi, Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), erklärte, dass "Erfurt is not just a site of some party conference, but a place of resistance" [Erfurt ist nicht nur der Ort irgendeines Parteitags, sondern ein Ort des Widerstands] und forderte ein Verbot der AfD [3][6]. Das Bündnis Widersetzen warf der AfD vor, mit ihrer Remigrationsagenda "mass deportations and ethnic cleansing" [Massendeportationen und ethnische Säuberungen] zu verfolgen [14]. Die Demonstrantin Lene Krug bezeichnete die AfD als "an anti-democratic party that spreads hate" [eine antidemokratische Partei, die Hass verbreitet], und eine weitere Demonstrantin namens Ella sagte, demokratische Parteien "must impose a ban" [müssen ein Verbot verhängen] gegen die AfD [7]. Demonstranten trugen Schilder mit Aufschriften wie "Stop AfD Nazis" [Stoppt AfD-Nazis] und "For Diversity, Against Nazis" [Für Vielfalt, gegen Nazis] [15][24], und einige skandierten "siamo tutti antifascisti" [wir sind alle Antifaschisten], während sie die Regierungsparteien aufforderten, sich deutlicher von der AfD zu distanzieren [25].

Die deutschen Inlandsgeheimdienste haben den Thüringer Landesverband der AfD als "proven far-right extremist" [erwiesen rechtsextremistisch] eingestuft, mit der Begründung, dass er Bürger mit Migrationshintergrund nicht als gleichwertig betrachte [2][17][22]. Die Bundespartei wird vom Bundesamt für Verfassungsschutz wegen des Verdachts verfassungsfeindlicher Aktivitäten beobachtet [2].

Thüringens Innenminister Georg Maier erklärte, dass „die meisten Proteste friedlich waren“ und beschrieb die Demonstrationen als „bunt und laut“ [3]. Ein Polizeisprecher sagte der Zeit, die Demonstration sei überwiegend friedlich gewesen, mit knapp 100 registrierten Straftaten, viele davon Sachbeschädigung durch Graffiti [7]. Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte, dass „Deutschlands beste Jahre nicht hinter uns liegen“ und dass die politische Mitte Lösungen finden könne [3]. Umweltminister Carsten Schneider wies die Darstellung der AfD als rein ostdeutsches Phänomen zurück und erklärte, sie „bedroht ganz Deutschland“ [6].

Polsat News berichtete von bis zu 25.000 Teilnehmern bei Demonstrationen und Blockaden, mit örtlichen Zusammenstößen, bei denen die Polizei Pfefferspray einsetzte [16]. Zwei Journalisten wurden durch aus einer Versammlung geworfene Flaschen verletzt, und die Polizei meldete Angriffe insbesondere auf Livestreamer [11].

Die Rechtmäßigkeit der Protestblockaden wurde zu einer umstrittenen Verfassungsfrage. Das Thüringer Landesverwaltungsamt erließ eine Allgemeinverfügung, die Versammlungen auf Zufahrtsstraßen zum Parteitag verbot [11][13]. Das Verwaltungsgericht Weimar hob das Verbot zunächst auf und entschied, dass „die Allgemeinverfügung auf ein Verbot auch von friedlichen Versammlungen gerichtet ist“ [13]. Das Oberverwaltungsgericht bestätigte anschließend die Beschwerde des Landes Thüringen und bestätigte das Demonstrationsverbot auf Zufahrtsstraßen [11][13]. Das Bundesverfassungsgericht hat zuvor entschieden, dass die Versammlungsfreiheit „ein unentbehrliches und grundlegendes Funktionselement eines demokratischen Gemeinwesens“ ist [13]. Das Bündnis Widersetzen kritisierte das Verbot als Angriff auf die Versammlungsfreiheit [19].

Die Nachrichtenagentur Yonhap berichtete, dass der Parteitag mit dem 100. Jahrestag eines Treffens der NSDAP im nahegelegenen Weimar im Jahr 1926 zusammenfiel [18], eine Verbindung, über die auch Al Jazeera berichtete [1]. AfD-Führer Björn Höcke wies den Vergleich als „nonsense“ [Unsinn] zurück und fragte: „Do you know how hard it is for the AfD to secure venues?“ [Wissen Sie, wie schwer es für die AfD ist, Veranstaltungsorte zu bekommen?] [3]. Die Partei bestritt jede absichtliche Verbindung zu dem historischen Datum [18].

Höcke griff an, was er „Kartellparteien“ und die multikulturelle Zivilgesellschaft nannte, und erklärte, sie hätten der AfD durch die Brandmauer-Strategie „la marca de Caín de los parias“ [das Kainsmal der Parias] auferlegt [6]. Er verwies auf den Zustand der deutschen Autobahntoiletten als Beispiel für den nationalen Niedergang und beschrieb ein „großes Deutschland“ als eines, in dem die Menschen abends keine Angst haben müssten, durch einen Stadtpark zu gehen [4][8].

Innerhalb der AfD forderte der neu gewählte stellvertretende Vorsitzende Sven Tritschler die Partei zur Modernisierung auf und erklärte: „Lasst uns gemeinsam besser werden und die Partei modernisieren, wir brauchen endlich Strukturen, die zu einer Volkspartei passen“ [12]. Stefan Möller, ein weiterer neu gewählter stellvertretender Bundessprecher, sagte: „Wir wissen mittlerweile, unser Wähler will gar nicht, dass jeder Migrant das Land verlassen muss“ [12]. Der Parteitag nahm einen Antrag zur Unvereinbarkeitsliste von der Tagesordnung, um Imageprobleme vor den Landtagswahlen im September zu vermeiden [12].

Der ehemalige thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow erklärte, dass Erfurt „für Freiheit steht, diese Stadt steht für Vielfalt, diese Stadt steht für ein gemeinsames, buntes Leben“ [3][6]. Die Klimaaktivistin Luisa Neubauer bezeichnete die Proteste als Erfolg und sagte, der organisierte Widerstand habe dafür gesorgt, dass die rechtsextremen Delegierten „very tired“ [sehr müde] gewesen seien und mitten in der Nacht von der Polizei zu ihrer Versammlung gebracht werden mussten [11]. Dennis Baum, ein Nachfahre der historisch jüdischen Familie Simson, forderte, den Familiennamen aus der Politik herauszuhalten, und erklärte: „Haltet den Namen Simson aus der Politik heraus“, und sagte, der jüdische Glaube seiner Familie „passt niemals zum Programm der AfD“ [11].

Repräsentative Umfragedaten, die im deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunk zitiert werden, zeigen weit verbreitete Angst unter Bewohnern mit Migrationshintergrund vor möglichen Abschiebungen unter dem wachsenden Einfluss der AfD [27]. Die AfD beschreibt ihr Remigrationskonzept offiziell als rechtmäßige Rückführung ausreisepflichtiger Ausländer und distanziert sich von Forderungen nach Abschiebung deutscher Staatsbürger mit Migrationshintergrund [27].

Deutsche akademische Organisationen haben Bedenken gegen AfD-Vorschläge geäußert, die Hochschulbildung umzugestalten und Gender-Studies-Programme abzuschaffen, was ihrer Ansicht nach die akademische Freiheit und institutionelle Autonomie bedroht [23]. Der russischsprachige Dienst von Euronews berichtete, dass sich die Proteste auch gegen die prorussische Haltung der AfD und ihre Ablehnung von Sanktionen gegen Russland richteten [26].

Die AfD steht im September vor Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, wo Spitzenkandidat Ulrich Siegmund erstmals die Chance hat, Regierungsverantwortung zu übernehmen [12]. Chrupalla rief die Anhänger dazu auf, der Partei zu einer absoluten Mehrheit zu verhelfen, und sagte, dies würde "send the right signal to the democracy-haters out there who wanted to prevent our party conference" [das richtige Signal an die Demokratiehasser da draußen senden, die unseren Parteitag verhindern wollten] [7].