Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte, dass der russische Präsident Wladimir Putin eine neue Mobilisierungswelle von 300.000 bis 500.000 Reservisten vorbereite, und berief sich dabei auf Geheimdienstinformationen, wonach die russischen Verluste von 225.500 Soldaten im Jahr 2026 die Rekrutierung von 221.000 überstiegen hätten [10][23]. Die Warnung erfolgte, als Selenskyj im Vereinigten Königreich eintraf, um als erster ausländischer Staatschef vom neu ernannten Premierminister Andy Burnham empfangen zu werden, der zusagte, jede Verpflichtung, die das Vereinigte Königreich gegenüber der Ukraine eingegangen sei, zu erfüllen, und den Transfer des geistigen Eigentums am System zur elektronischen Kriegsführung „Stone Cloak“ für die ukrainische Eigenproduktion ankündigte [1][5][17]. Burnham erklärte: „We are with Ukraine 100 percent, I am personally with you 100 percent, and I will honor every commitment this country has made to Ukraine in full“ [Wir stehen zu 100 Prozent zur Ukraine, ich persönlich stehe zu 100 Prozent zu Ihnen, und ich werde jede Verpflichtung, die dieses Land gegenüber der Ukraine eingegangen ist, vollständig erfüllen] [5][6].

Auf Russland fokussierte unabhängige Analysten widersprachen der Mobilisierungseinschätzung. Der Militäranalyst Dmitry Kuznets argumentierte, dass Russland keine neue Mobilisierung benötige, um den Krieg im derzeitigen Tempo fortzuführen, und dass zusätzliche Truppen die Kampfkraft ohne angemessene Kommandostrukturen und Ausrüstung nicht verbessern würden [21]. Der Menschenrechtsaktivist Ivan Chuvilyaev erklärte, die Behörden hätten die Armee seit September 2022 kontinuierlich aufgefüllt, ohne eine neue öffentliche Mobilisierungsankündigung [22]. Sergei Krivenko, Leiter der Menschenrechtsgruppe Bürger. Armee. Recht., wies darauf hin, dass der Mobilisierungserlass von 2022 rechtlich weiterhin aktiv sei und Einberufungen ohne einen neuen öffentlichen Erlass erlaube [21][22]. Selenskyj erklärte zudem, Russland bereite sich darauf vor, weitere 30.000 nordkoreanische Soldaten in der Region Woronesch in Empfang zu nehmen [10][27].

Selenskyj sagte Burnham, dass die Ukraine nicht über genügend Raketen verfüge, um sich gegen russische ballistische Raketen zu verteidigen, und strebte ein „Drohnenabkommen“ mit dem Vereinigten Königreich an [1][5]. Eine Koalition aus neun Nationen hat sich gebildet, um das ukrainische Raketenabwehrsystem Project Freyja als Alternative zu den knappen Patriot-Abfangraketen zu unterstützen; der französische Präsident Emmanuel Macron erklärte, das Projekt zeige, dass Europa für seine eigene Sicherheit sorgen könne [35]. Selenskyj bezeichnete die Neutralisierung der russischen Bedrohung durch ballistische Raketen als „Russlands letzten großen Vorteil“ und bewarb das Freya-System als Grundlage eines integrierten europäischen Luftverteidigungsnetzwerks [11]. Eine auf Zurückhaltung bedachte Analyse argumentierte, dass Freya die Bedrohung durch ballistische Raketen nicht schnell neutralisieren werde, mit technischen, exportkontrollrechtlichen und finanziellen Hindernissen konfrontiert sei und dass die Darstellung als paneuropäisches System eher ein Bemühen um eine faktische Sicherheitsgarantie als um echte Souveränität sei [11].

Im selben Zeitraum wurden Drohnen- und Raketenangriffe in mehreren Front- und rückwärtigen Gebieten gemeldet. Selenskyj verurteilte russische Drohnen- und gelenkte Fliegerbombenangriffe auf einen Supermarkt in Tschernihiw und auf Saporischschja als vorsätzlichen Terror ohne militärische Rechtfertigung und berichtete von Opfern, darunter ein Kind [13]. Der UN-Sicherheitsrat trat auf Ersuchen der Ukraine nach großangelegten russischen Angriffen auf Kiew zusammen; die ukrainischen Behörden bezeichneten den nächtlichen Angriff als einen der größten und heftigsten seit Beginn der Invasion [12]. Eine russische Iskander-M-Rakete traf eine Drohnenausstellung in der Nähe von Kiew, bevor die Luftschutzsirenen aktiviert werden konnten; der Präsidentenberater Serhii Beskrestnov erklärte, dass Störungen bei der Informationsübermittlung zu Verzögerungen bei Warnungen vor ballistischen Raketen führen können [14]. Russische Behörden meldeten ukrainische Drohnenangriffe, bei denen Zivilisten in Belgorod und Rostow am Don getötet und verletzt wurden; der Belgoroder Bürgermeister Valentin Demidov bestätigte 12 verletzte Zivilisten, darunter zwei Kinder, und der Gouverneur der Oblast Rostow, Juri Sljusar, berichtete von einem getöteten Ehepaar und fünf weiteren Verletzten [9]. Russische Behörden meldeten zudem fünf Todesopfer durch ukrainische Angriffe in der Region Rostow [8].

Selenskyj kündigte neue ukrainische Langstreckenangriffe auf russische Energieanlagen bis zu 1.300 Kilometer von der Grenze entfernt an, darunter ein Exportterminal in Rostow sowie Ölanlagen in Jaroslawl und Udmurtien, und stellte die Angriffe als Rückverlagerung des Krieges nach Russland dar, um eine Gelegenheit für einen würdevollen Frieden zu schaffen [8]. Eine Analyse chinesischer Staatsmedien stellte die gegenseitigen Angriffe in die Tiefe des Raums als unwahrscheinlich dar, den Verlauf des Konflikts grundlegend zu verändern; Chen Yu, stellvertretender Direktor des Instituts für Eurasienstudien an den China Institutes of Contemporary International Relations, argumentierte, dass beide Seiten wahrscheinlich nicht aus dem derzeitigen Konfrontationsmodell ausbrechen würden [30].

Ein ukrainischer Angriff auf zwei Frachtschiffe im Kaspischen Meer führte zu konkurrierenden Anschuldigungen. Der ukrainische Sicherheitsdienst (SBU) erklärte, die Schiffe seien Teil eines Korridors, über den iranische Drohnen und Raketen nach Russland transportiert würden [16], und der ukrainische Botschafter in Israel, Yevgen Korniychuk, sagte, der angegriffene Tanker habe Drohnen und Militärkomponenten vom Iran nach Russland transportiert [15]. Der ukrainische Außenminister Andrii Sybiha erklärte, dass „der Iran nicht so tun könne, als sei er ein Opfer“, und nannte die Berufung des Iran auf die UN-Charta absurd [6]. Der iranische Außenminister Abbas Araghchi verurteilte den Angriff als „eklatanten Verstoß gegen die UN-Charta, der auf Betreiben Israels erfolgte“, und erklärte, er könne nicht unbeantwortet bleiben [6][16]. Das iranische Außenministerium bezeichnete den Angriff als „un acto hostil y criminal“ [einen feindseligen und kriminellen Akt] und behielt sich das Recht vor, notwendige Maßnahmen zu ergreifen [16]. Kremlsprecher Dmitri Peskow bezeichnete das Vorgehen der Ukraine gegenüber dem Iran als aggressiv und verwies auf den Angriff im Kaspischen Meer und den früheren Vorfall an der Nord-Stream-Pipeline [2]. Ein Sprecher der iranischen Regierung verurteilte den Angriff als aggressiven Akt, der gegen die UN-Charta verstoße, und warnte, er könne zu einer Ausweitung des Russland-Ukraine-Krieges führen [32]. Selenskyj beschuldigte Russland zudem, dem Iran Satellitenbilder zur Verfügung gestellt zu haben, um Angriffe auf US-Militäreinrichtungen im Nahen Osten zu unterstützen [31].

Rumänien schoss innerhalb von drei Tagen eine dritte russische Drohne ab, was Präsident Nicușor Dan zu der Aussage veranlasste, dass anhaltende Verletzungen des rumänischen und des NATO-Luftraums "inadmissible and intolerable" [unzulässig und unerträglich] seien [10][26]. Der NATO-Militärsprecher Martin O'Donnell erklärte, dass anhaltende russische Luftraumverletzungen inakzeptabel seien und dass die NATO, Rumänien und andere Nationen aktiv bodengestützte Abfangsysteme beschafften [26].

Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Konflikts reichten über das Schlachtfeld hinaus. Ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien führten dazu, dass Russland die Diesellieferungen aussetzte, was Brasilien als wichtigen Importeur direkt betraf [33]. Indische Analysten argumentierten, dass neue US-Sanktionen gegen Käufer russischen Öls Indien vor ernsthafte Schwierigkeiten stellen würden; die Rohstoffanalystin Natalia Katona erklärte, Indien könne nicht schnell eine Alternative zu russischem Öl finden, da der Großteil seiner Rohölimporte nun aus Russland stamme [34].

Die Entlassung von Verteidigungsminister Mykhailo Fedorov hat laut Politikanalysten Selenskyjs innenpolitische Stellung beeinträchtigt. Der Politikwissenschaftsprofessor Oleksiy Haran erklärte: "Zelensky gave Fedorov a boost with his own actions and drove up his ratings" [Selenskyj hat Fedorov mit seinen eigenen Handlungen Aufwind gegeben und seine Zustimmungswerte in die Höhe getrieben], während der Analyst Volodymyr Fesenko Fedorov als vierten potenziellen Präsidentschaftskandidaten identifizierte [19]. Der Politikberater Oleksiy Kovzhun argumentierte: "for us to have any elections at all, the country first has to survive" [damit wir überhaupt Wahlen haben können, muss das Land zuerst überleben] [19].

Selenskyj wird US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus treffen, während der US-Senat über ein Russland-Sanktionsgesetz abstimmt, das Trump um Iran-Sanktionen erweitern will [15]. Der Besuch fällt mit der Beerdigung von Senator Lindsey Graham zusammen, der Einfluss auf sowohl den Ukraine- als auch den Iran-Konflikt hatte [4].