In der Nacht zum 28. Juli feuerte die Ukraine nach Angaben des Moskauer Bürgermeisters Sergey Sobyanin und Meldungen der AFP fast 400 Drohnen auf Moskau und die umliegende Region ab [1][3][5]. Die Angriffe erfolgten, während Rumänien einen Angehörigen der russischen Botschaft wegen wiederholter Drohneneinflüge in den NATO-Luftraum auswies, ein diplomatischer Schritt, der über frühere Reaktionen auf ähnliche Vorfälle hinausgeht [8][6]. Die Angriffe fanden kurz vor einem geplanten Treffen zwischen dem ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky und US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus statt, bei dem Zelensky um Patriot-Raketenabwehrsysteme bitten wollte [26][29].

Sobyanin erklärte, mehr als 390 Drohnen seien auf die Region Moskau zugesteuert, die große Mehrheit sei in einiger Entfernung abgeschossen und 81 beim Anflug auf die Hauptstadt zerstört worden [3][23]. Das Russische Verteidigungsministerium meldete, in der Nacht 356 ukrainische Drohnen über russischen Regionen, der besetzten Krim und dem Asowschen Meer abgefangen zu haben [3][5], und gab gesondert die Zerstörung von 112 Drohnen innerhalb von zwölf Stunden über Regionen wie Belgorod, Brjansk, Kaluga, Kursk und Leningrad bekannt [2]. Der Regionalgouverneur Andrei Vorobiov bestätigte, dass eine Drohne ein Wohnhaus in Tschechow getroffen und zwei Wohneinheiten beschädigt habe, ohne dass es Verletzte gab, und berichtete von Luftabwehraktivitäten über Podolsk, Domodedowo und Kolomna [5][17]. Ukrainische Drohnen trafen zudem ein Industriegebäude in Tschechow und verursachten einen Stromausfall im besetzten Feodossija auf der Krim, nachdem eine Drohne ein Umspannwerk getroffen hatte [18]. Die russische Föderale Luftverkehrsagentur stellte den Betrieb auf den Flughäfen Wnukowo, Domodedowo und Schukowski ein [10]. Ein weiterer ukrainischer Drohnenangriff in der Region Belgorod verletzte 19 Businsassen in Schebekino; die Angaben zur Zahl der Todesopfer gingen auseinander: Die Moscow Times berichtete zunächst von einem Toten, spätere Meldungen sprachen von drei Toten [5][13].

Zelensky hat zuvor ukrainische Angriffe auf Ziele in der Region Moskau bestätigt und erklärt, die Ukraine reagiere angemessen auf jeden russischen Schlag und der Krieg müsse durch zunehmenden Druck auf Russland beendet werden [30]. Ukrainische Militärs und Analysten beschreiben die Drohnenkampagne als gezielten Versuch, die russische Kriegswirtschaft zu stören und diplomatischen Druck aufzubauen. Denys Shtilerman, Mitbegründer des Drohnenherstellers Fire Point, sagte, die Ukraine habe "completely changed the mindset of this war" [die Denkweise dieses Krieges vollständig verändert], indem sie gezeigt habe, dass Russland nicht unbesiegbar sei [22]. Ein als Schultz bezeichneter Kommandeur eines UAV-Bataillons vertrat die Ansicht, die Angriffe müssten unerbittlich fortgesetzt werden, damit die Russen spürten, dass der Krieg nahe sei – dies sei der wichtigste diplomatische Hebel der Ukraine zur Beilegung des Konflikts [22]. Der wissenschaftliche Mitarbeiter Mykola Bielieskov am Nationalen Institut für strategische Studien der Ukraine erklärte, die Ukraine habe die Weite Russlands gegen das Land selbst genutzt, da Russland nicht über genügend Boden-Luft-Raketen und Radaranlagen verfüge, um den eigenen Luftraum zu überwachen [22].

Die Angriffe zielten auf Logistikinfrastruktur, darunter Lager von Wildberries, und waren Teil einer nach ukrainischen Angaben anhaltenden Kampagne gegen die russische E-Commerce-Plattform, weil diese Dual-Use-Güter wie kugelsichere Westen und Glasfaserkabel für Drohnen verkauft [15][19]. In Koledino wurde ein Brand in einem Lager eines 3PL-Logistikunternehmens in der Nähe einer Wildberries-Anlage gemeldet, wobei Wildberries bestritt, dass die eigene Anlage direkt getroffen wurde [3][5]. Ein weiterer Angriff galt einem Wildberries-Lager und der Ölraffinerie Rjasan, einer der größten Russlands, die rund fünf Prozent der gesamten Verarbeitungskapazität des Landes ausmacht; Gouverneur Pavel Malkov meldete sechs ins Krankenhaus eingelieferte Personen [15]. Zelensky erklärte, Angriffe auf Wildberries seien gerechtfertigt, weil Moskau die Plattform nutze, um sanktionierte Drohnen- und Navigationsteile ins Land zu bringen [19]. Professor Ruben Eniklopov von der Universität Pompeu Fabra bezeichnete die Angriffe als einen weiteren Schlag für russische Kleinunternehmen, die bereits unter Inflation, einem Haushaltsdefizit und sinkenden Öl- und Gaseinnahmen litten [27].

Der amtierende Gouverneur von Belgorod, Alexander Shuvayev, bezeichnete die Drohnenangriffe als "chaotic" [chaotische] Angriffe auf zivile Ziele und erklärte, "there's no military logic in these strikes at all" [diese Angriffe entbehren jeder militärischen Logik] und das Ziel sei, "to sow panic, create tension and hinder the work of emergency and public utilities services" [Panik zu säen, Spannungen zu erzeugen und die Arbeit der Rettungs- und Versorgungsdienste zu behindern] [13]. Shuvayev gab an, mehr als die Hälfte der 20.800 im Jahr 2026 abgefangenen ukrainischen Drohnenangriffe habe sich in den vergangenen zwei Monaten ereignet [13]. Kremlsprecher Dmitri Peskov warf der Ukraine vor, den geografischen Umfang ihrer Terroranschläge auszuweiten [26]. Russische staatsnahe Analysen stellen die ukrainischen Angriffe als vom Westen unterstützte Terroroperationen dar, deren Ziel eher politischer als militärischer Natur sei [24].

In derselben Nacht starteten russische Streitkräfte 131 Drohnen über der Ukraine, von denen die ukrainischen Luftstreitkräfte nach eigenen Angaben 107 abschossen [4]. Russische Angriffe töteten mindestens neun Menschen und verletzten fast 70 in mehreren Oblasten; die Regionalgouverneure meldeten Opfer in Donezk, Cherson, Charkiw, Dnipropetrowsk, Saporischschja und Sumy [4]. Der ukrainische Militärgeheimdienst HUR identifizierte die Kampfgruppe 3 der russischen GROM-Brigade „Cascade" als verantwortlich für einen Drohnenangriff auf einen Supermarkt in Tschernihiw, bei dem zwei Menschen, darunter ein neunjähriges Mädchen, getötet wurden; er bezeichnete den Angriff als Kriegsverbrechen und erklärte, die Drohne sei mit einer Videokamera ausgestattet gewesen, was auf eine gezielte Auswahl des Ziels hindeute [12]. Die UN-Menschenrechtsüberwachungsmission berichtete, der Juni sei der tödlichste Monat für Zivilisten in der Ukraine seit April 2022 gewesen, mit mindestens 293 Toten und 1.990 Verletzten [4]. Der UN-Sicherheitsrat trat auf Ersuchen der Ukraine nach großangelegten russischen Angriffen auf Kyjiw und andere Städte zusammen [9].

Rumänien wies ein Mitglied der russischen Botschaft aus, nachdem es Botschafter Lipaev einbestellt und Drohnentrümmer von Eindringlingen in den rumänischen Luftraum vorgelegt hatte, und forderte den Diplomaten auf, das Land innerhalb von fünf Tagen zu verlassen [8]. Das rumänische Außenministerium erklärte, Russland trage die alleinige Verantwortung für die Vorfälle und die Verschlechterung der regionalen Sicherheit, und berief den rumänischen Botschafter in Russland zu Konsultationen zurück [6]. Die rumänische Generalstaatsanwaltschaft gab an, die erste am Freitag abgeschossene Drohne sei ein von der russischen Armee eingesetztes Modell vom Typ Shahed gewesen [8]. EU-Sprecher Anouar El Anouni kündigte an, die EU habe den russischen Geschäftsträger einbestellt und die Verletzung des rumänischen Luftraums als rücksichtslosen Akt bezeichnet, der eine ernsthafte Eskalation signalisiere [14]. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas schlug eine Ausweitung der Sanktionsliste gegen Russland vor [14]. Die Vorfälle folgen auf einen früheren Drohnenangriff am 29. Mai, der ein Wohnhaus in Galati, Rumänien, traf, woraufhin NATO-Generalsekretär Mark Rutte erklärte, die NATO sei bereit, jeden Zentimeter des Bündnisgebiets zu verteidigen, die rumänische Außenministerin Oana Toiu diesen früheren Absturz als inakzeptable und eklatante Verletzung des rumänischen Luftraums bezeichnete und sagte, Rumänien werde die NATO bitten, die Lieferung von Militärausrüstung zu beschleunigen, und ein hochrangiger ukrainischer Militärvertreter gegenüber Politico erklärte, der Absturz im Mai sei eine bewusste Provokation Moskaus gewesen, wobei er argumentierte, die Drohne habe noch genügend Treibstoff gehabt, was darauf hindeute, dass sie nicht einfach vom Kurs abgekommen sei [20][21].

Das russische Außenministerium wies die Anschuldigungen kategorisch als unbegründete Propaganda zurück, bestritt, dass Beweise für eine russische Herkunft vorgelegt worden seien, und erklärte, die Ausweisung werde nicht unbeantwortet bleiben [8]. Nach dem Vorfall im Mai erklärte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Zakharova, Moskau werde rasch auf die Entscheidung Bukarests reagieren, das russische Konsulat in Constanta zu schließen [20]. Der stellvertretende Vorsitzende des Sicherheitsrates, Dmitry Medvedev, warnte die europäischen Staats- und Regierungschefs, dass weiterhin Drohnen in ihre Länder abdriften würden [20][21].

Das Russische Verteidigungsministerium gab bekannt, dass russische Streitkräfte einen Massengutfrachter im Schwarzen Meer und ein Kranschiff im Hafen von Mykolaiv angegriffen hätten, die beide mit den ukrainischen Streitkräften in Verbindung stünden [11]. Peskov erklärte, die russischen Streitkräfte "atacan y seguirán atacando buques que transporten municiones, armas y demás para el régimen de Kiev" [greifen Schiffe, die Munition, Waffen und anderes für das Kiewer Regime transportieren, an und werden dies auch weiterhin tun] [11]. Bei den Angriffen wurden vier indische Seeleute getötet, wobei Russland erklärte, es kläre seine Position mit den indischen Behörden [11].

Chinas UN-Vertreter Sun Lei forderte alle Parteien auf, den Kontakt aufrechtzuerhalten, so bald wie möglich das Feuer einzustellen und eine umfassende, dauerhafte und verbindliche Friedensvereinbarung durch Dialog und Verhandlungen anzustreben [28]. Unabhängig davon ereignete sich im selben Zeitraum ein Drohnenangriff auf das Gasfeld Khor Mor in Irakisch-Kurdistan, der iranischen Drohnen zugeschrieben wurde, wobei Trump erklärte, die Gespräche mit dem Iran seien im Gange, und Berichte über Waffenknappheit dementierte [7].

Der ukrainische Generalstab meldete über 80 russische Angriffe entlang der Frontlinie, wobei der Abschnitt Pokrowsk das aktivste Kampfgebiet blieb [16]. Zelensky hat erklärt, seine oberste Priorität sei die Bereitstellung von Raketenabwehrsystemen zum Schutz der ukrainischen Städte [26].