Schätzungsweise 50.000 bis 60.000 Migranten überquerten innerhalb weniger Tage von Marokko aus die spanische Enklave Ceuta, wobei mindestens 57 Todesfälle gemeldet wurden, was eine innereuropäische diplomatische Konfrontation über Grenzsicherheit und Schengen-Regelungen zur Freizügigkeit auslöste [2][6][12]. Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez besuchte die Enklave und bezeichnete den Massenzustrom als "a violation of Spain's territorial integrity" [eine Verletzung der territorialen Integrität Spaniens], während Italien eine vorübergehende Aussetzung der Schengen-Regelungen mit Spanien ankündigte [7][12][46].

Sánchez und das spanische Innenministerium führten den Anstieg auf Menschenhandelsnetzwerke zurück, die eine eigennützige Fehlinterpretation eines Urteils des spanischen Obersten Gerichtshofs verbreiteten, das summarische Rückführungen von auf See aufgegriffenen Migranten einschränkt [7][28][30]. Die Falschinformation "spread like wildfire over the past few hours through the networks of human trafficking organizations" [verbreitete sich in den letzten Stunden wie ein Lauffeuer über die Netzwerke der Menschenhandelsorganisationen], erklärte Sánchez [32]. Der Minister für Territorialpolitik, Ángel Víctor Torres, räumte ein, dass das Urteil des Obersten Gerichtshofs zu den Faktoren gehört haben könnte, die zu dem Anstieg beigetragen haben [6][15]. Rechtsexperten und Beamte vor Ort argumentierten, die Krise sei auf eine ungelöste rechtliche Lücke zurückzuführen: Das gerichtliche Verbot der "rejection at the border" [Zurückweisung an der Grenze] für schwimmend aufgegriffene Personen ließ die Beamten der Guardia Civil ohne klare Anweisungen [38][44]. Rachid Sbihi, Leiter einer örtlichen Arbeitnehmervereinigung, die Beamte der Guardia Civil vertritt, forderte "legal security for agents" [Rechtssicherheit für die Beamten] und prangerte ein "vacuum" [Vakuum] an offiziellen Anweisungen infolge des Urteils an [38]. Der Polizeiverband AUGC erklärte, es seien zu wenige Beamte eingesetzt gewesen, um den Zaun während des Ansturms zu überwachen [6][15].

Die spanischen Geheimdienste glauben nicht, dass das Fehlen der marokkanischen Grenzkontrollen auf den Throntag-Feiertag zurückzuführen war, und Quellen sagten El País, das anhaltende Fehlen von Gendarmen sei ein "sought-after effect rather than an involuntary error" [beabsichtigter Effekt und kein unbeabsichtigter Fehler] gewesen [11]. Analysten brachten den Zeitpunkt mit Sánchez' kürzlichem Besuch in Algier und einer Kongressentscheidung zur saharauischen Staatsangehörigkeit in Verbindung und deuteten wiederkehrende Ceuta-Krisen als Druckmittel Marokkos [8][11][43]. Haizam Amirah Fernández, geschäftsführender Direktor des Zentrums für zeitgenössische Arabistik, erklärte, die marokkanischen Behörden nutzten Migrationsbewegungen, um Botschaften zu senden, die oft mit unerfüllten Erwartungen marokkanischer Führungspersönlichkeiten verbunden seien [39]. Quellen der marokkanischen Regierung beharrten darauf, der Anstieg sei das Werk "criminal organisations" [krimineller Organisationen] und die Zusammenarbeit Rabats mit Spanien bleibe "exemplary" [vorbildlich] [12]. Die marokkanische Botschafterin in Spanien, Karima Benyaich, erklärte, Marokko habe "has always prioritized legal, orderly and safe migration for all" [stets legale, geordnete und sichere Migration für alle priorisiert] [12]. Achraf Maimouni von der Marokkanischen Vereinigung für Menschenrechte erklärte, der Grenzübergang Tarajal sei "under unusual circumstances" [unter ungewöhnlichen Umständen] geöffnet worden [34].

Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni kündigte die Aussetzung der Schengen-Regelungen mit Spanien an und erklärte, "uncontrolled illegal immigration represents a real threat to the security of European borders" [unkontrollierte illegale Einwanderung stelle eine echte Bedrohung für die Sicherheit der europäischen Grenzen dar] [14][46]. Der italienische Außenminister Antonio Tajani bezeichnete das spanische Regularisierungsprogramm für Migranten ohne Papiere als "profoundly wrong" [zutiefst falsch] und sagte, es habe "encouraged human trafficking" [den Menschenhandel gefördert] [12][15]. Finnlands Innenministerin Mari Rantanen erklärte, "Spain has completely failed to protect the Schengen Area's external border" [Spanien habe die Außengrenze des Schengen-Raums völlig unzureichend geschützt] und forderte alle europäischen Länder auf, den Vorschlag Italiens zu unterstützen [7][32]. Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen sagte, die EU müsse "consider all options, including a suspension of Schengen cooperation" [alle Optionen prüfen, einschließlich einer Aussetzung der Schengen-Zusammenarbeit] [14][32]. Der spanische Außenminister José Manuel Albares bestellte den italienischen Botschafter ein und nannte Tajanis Äußerungen "unbecoming" [unwürdig] eines Partnerlandes, "from which we expect European solidarity and not partisan demagoguery" [von dem wir europäische Solidarität erwarten und keine parteipolitische Demagogie] [12][14]. Sánchez entgegnete, "solidarity and empathy are optional. Respect for European treaties and data is not" [Solidarität und Empathie seien optional. Der Respekt vor europäischen Verträgen und Daten sei es nicht] und veröffentlichte Frontex-Daten, die zeigten, dass Italien zwischen 2021 und 2026 mehr irreguläre Einreisen verzeichnete als Spanien [30][32][46]. Der ehemalige EU-Außenbeauftragte Josep Borrell erklärte, Italien "simply cannot" [könne schlichtweg nicht] einseitig die Schengen-Teilnahme eines anderen Mitgliedstaats aussetzen [46].

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezeichnete die Bilder aus Ceuta als "unacceptable" [inakzeptabel] und forderte, dass "dangerous crossings must stop immediately" [gefährliche Überfahrten sofort gestoppt werden müssen] und "smuggling networks must be dismantled" [Schleusernetzwerke zerschlagen werden müssen] [22][28][30]. EU-Kommissar für Inneres und Migration, Magnus Brunner, bestätigte, dass besondere Schengen-Regeln die Weiterreise aus Ceuta verhindern, und erklärte, dass "border checks on persons departing from Ceuta and Melilla remain in force" [Grenzkontrollen für Personen, die aus Ceuta und Melilla ausreisen, in Kraft bleiben] [12]. EU-Ratspräsident António Costa bekundete "solidarity with Spain" [Solidarität mit Spanien] und begrüßte die entschlossene Reaktion Spaniens, einschließlich beschleunigter Rückführungen und der Zusammenarbeit mit Marokko [12][23]. Frankreich kündigte an, die Polizeipräsenz an der spanischen Grenze zu verfünffachen, und aktivierte die schnelle Eingreiftruppe für Grenzsicherung [6][7][32]. Bundeskanzler Friedrich Merz forderte, Marokko müsse "take back illegal migrants immediately" [illegale Migranten unverzüglich zurücknehmen] [14][30], während Bundesaußenminister Johann Wadephul erklärte, der Schutz der EU-Außengrenzen sei "of paramount importance" [von größter Bedeutung] [25]. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt kündigte an, Deutschland werde die Binnengrenzkontrollen über September hinaus verlängern [32].

Ceutas Regionalpräsident Juan Jesús Vivas rief einen "total humanitarian and social emergency" [vollständigen humanitären und sozialen Notstand] aus und schätzte, dass rund 60.000 Menschen in die Stadt mit 84.000 Einwohnern gelangten [7][9][12][19]. Rachid Sbihi beschrieb Tausende Migranten, darunter unbegleitete Kinder, die auf Gehwegen schliefen [12][28]. Die Notärztin Susana Ascaso beschrieb das Gesundheitssystem als "overwhelmed" [überlastet], mit Menschen, die mit Ertrinkungsunfällen, Unterkühlung, offenen Wunden und Knochenbrüchen ankamen [42]. Der Geschäftsinhaber José Carlos Lara beschrieb die Lage als "apocalyptic" [apokalyptisch], viele Lebensmittelgeschäfte blieben aus Angst vor Plünderungen geschlossen [42]. Oxfam Intermón forderte eine koordinierte humanitäre Reaktion, die Kollektivrückführungen ablehnt und legale und sichere Zugangswege verlangt [24]. Amnesty International Spanien erklärte, "the principle of non-refoulement is absolute and collective expulsions are prohibited in all cases" [der Grundsatz der Nichtzurückweisung sei absolut und Kollektivausweisungen seien in allen Fällen verboten] [48]. UN-Generalsekretär António Guterres betonte die Bedeutung der "respecting the rights and dignity of all people arriving in Ceuta" [Achtung der Rechte und der Würde aller in Ceuta ankommenden Menschen] [14]. UNHCR warnte davor, den Anstieg der Ankünfte einer einzelnen Ursache zuzuschreiben [14].

Migranten, die die Überfahrt geschafft hatten, beschrieben eine Mischung aus Hoffnung und Verzweiflung. Jadid Zacaria, der nach Ceuta schwamm, sagte: "We're really happy to be here" [Wir sind wirklich glücklich, hier zu sein] [17]. Ein junger Marokkaner, der nach Marokko zurückkehrte, sagte: "Honestly, I don't even know why I came, and now I'm going back" [Ehrlich gesagt, ich weiß nicht einmal, warum ich gekommen bin, und jetzt gehe ich zurück] [15]. Ayman, ein anderer Migrant, berichtete: "there was no food inside Ceuta and we were kicked out badly by the (Spanish) army" [es gab kein Essen in Ceuta und wir wurden von der (spanischen) Armee brutal vertrieben] [6][15]. Fatima Mahli, eine Einwohnerin von Tétouan, sagte, sie habe gedacht, sie könne mit ihrer Familie zu Fuß hinübergehen, sei aber gestrandet, nachdem ihr Mann vorausgeschwommen sei [33]. Hadiya sagte, sie sei angekommen, nachdem sie eine Handynachricht gesehen habe, dass Spanien die Grenze für die Einreise ohne Papiere geöffnet habe [10]. Der zwölfjährige Hamsa Sliman erreichte den Strand von Tarajal und rief seinen Vater an, der nichts von der Reise wusste und am Telefon weinte [47].

US-Präsident Donald Trump bezeichnete die Grenzübertritte als "like an invasion" [wie eine Invasion] und warnte: "that's going to be us in three years if the wrong side gets in" [das werden wir in drei Jahren sein, wenn die falsche Seite an die Macht kommt] [15][32]. Das US-Außenministerium machte für den Vorfall "the Spanish Government's deliberate efforts to enable and facilitate mass illegal migration into Europe" [die bewussten Bemühungen der spanischen Regierung, massenhafte illegale Migration nach Europa zu ermöglichen und zu erleichtern] verantwortlich [6][32]. Elon Musk bezeichnete die Überfahrt als "a complete invasion" [eine vollständige Invasion] [26]. Vox-Chef Santiago Abascal nannte Sánchez einen "traitor" [Verräter] [26]. Der Vorsitzende von Reform UK, Nigel Farage, nannte die Situation einen "battle for the future of our civilization" [Kampf um die Zukunft unserer Zivilisation] [32]. AfD-Chefin Alice Weidel kritisierte Bundeskanzler Merz dafür, dass er sich nicht zur Aussetzung des Schengen-Raums geäußert habe [32]. Der tschechische Ministerpräsident Andrej Babiš warf Sánchez vor, Migranten absichtlich einreisen zu lassen, um wiedergewählt zu werden, und verglich ihn mit Angela Merkel im Jahr 2015 [23][30]. Die Europaabgeordnete Dolors Montserrat erklärte, Ceuta "paying the price" [zahle den Preis] für die massenhafte Regularisierung durch die spanische Regierung und deren Versäumnis, die EU-Rückführungsregeln anzuwenden [39]. Der französische Europaabgeordnete François-Xavier Bellamy behauptete, der Regularisierungsplan der spanischen Regierung habe eine "logical consequence" [logische Konsequenz] gehabt, dass Tausende die Grenze stürmten [39]. Der Generalsekretär der französischen Sozialistischen Partei, Olivier Faure, entgegnete, diese Anschuldigungen seien "simply lies" [schlichtweg Lügen] [39].

Bis Freitagabend schätzte das spanische Innenministerium, dass rund 48.300 der etwa 50.000 Eingereisten nach Marokko zurückgekehrt waren [6]. Spanien setzte Streitkräfte ein und kündigte neue Grenzsicherungsmaßnahmen an, darunter schwimmende Barrieren [5][31]. Die Europäische Kommission bot Frontex-Verstärkung an [25][45]. Italien hatte der EU seine Entscheidung zur Aussetzung der Schengen-Regelungen noch nicht förmlich mitgeteilt, und ein Kommissionssprecher erklärte, Italien müsse begründen, inwiefern die Lage in Ceuta eine schwerwiegende Bedrohung der öffentlichen Ordnung oder der nationalen Sicherheit darstelle [1].