Der Zivilschutz von Gaza meldete die Bergung von 112 Leichen aus einem zerstörten Wohnblock in Gaza-Stadt, darunter 40 Kinder und 38 Frauen, während die israelischen Luftangriffe im gesamten Gebiet in den Tagen nach der Ankündigung eines Hamas-Entwaffnungsabkommens durch Präsident Donald Trump weitergingen [33][1][17]. Mohammed Abu Dan, Leiter der Bergungsaktion, sagte, die Einsatzkräfte hätten „mit bloßen Händen in Massen von Stahlbeton gegraben" und viele Leichen seien aufgrund der Wucht der Explosionen zerfallen [33]. Israelische Angriffe töteten zwei Tage nach Bekanntgabe des Plans mindestens acht Palästinenser in Gaza, und ein weiterer Luftangriff zerstörte ein Medikamentenlager am Al-Aqsa-Märtyrerkrankenhaus in Deir al-Balah [17][6].

Trump kündigte von Camp David aus an, dass das Board of Peace „ein historisches Abkommen zur vollständigen Entwaffnung der Hamas und aller anderen bewaffneten Gruppen in Gaza" erzielt habe, und erklärte, Israel sei „sehr glücklich" mit dem Abkommen und sei „sehr kooperativ" gewesen [2][20][35]. Außenminister Marco Rubio begrüßte das Abkommen als weiteren Schritt in Richtung Frieden im Nahen Osten [20]. Der Vorstandsvorsitzende des Board of Peace, Nickolay Mladenov, sagte, die Verhandlungen hätten Monate gedauert und „es gab mehrere Punkte, an denen ich nicht glaubte, dass wir es schaffen würden", und fügte hinzu: „Was das Abkommen besagt, ist wichtig, aber was als Nächstes geschieht, ist noch wichtiger" [14][8].

Der Kernstreit des Abkommens ist die Reihenfolge. Hamas-Unterhändler Ghazi Hamad erklärte: „Wir werden keinerlei Maßnahmen zur Entwaffnung vor dem Abzug Israels aus dem Streifen ergreifen" und knüpfte jegliche Waffenübergabe an einen vollständigen Abzug der israelischen Truppen, ein Ende der Angriffe und Attentate, den Wiederaufbau und den Einzug des palästinensischen Verwaltungsausschusses [20][36][10]. Israelische Vertreter vertraten die gegenteilige Position: Es werde keinen Rückzug aus den von Israel gehaltenen Gebieten in Gaza – etwa 60 Prozent des Territoriums – geben, bevor die Hamas entwaffnet und der Streifen entmilitarisiert sei [11][20]. Israels UN-Botschafter Danny Danon sagte: „disarmament means the weapons out of Gaza, they have no control of the weapons, and then we can move forward" [Entwaffnung bedeutet, die Waffen sind aus Gaza, sie haben keine Kontrolle über die Waffen, und dann können wir vorankommen] [20]. Verteidigungsminister Israel Katz erklärte, Israel werde die Gelbe Linie „Ni un milímetro" [Keinen Millimeter] aufgeben [8].

Die israelischen Militäroperationen gingen weiter, während die diplomatische Ankündigung erfolgte. Das israelische Militär erklärte, die Angriffe in der Nähe des Al-Aqsa-Krankenhauses hätten fünf Waffendepots der Hamas zum Ziel gehabt, und warf der Gruppe vor, die Gesundheitsinfrastruktur als menschliche Schutzschilde zu nutzen [15]. Das Militär gab außerdem an, bei Luftangriffen zwei Hamas-Kommandeure getötet zu haben, darunter einen Kommandeur einer Nukhba-Spezialeinheit, der an dem Angriff vom Oktober 2023 beteiligt war [27]. Dr. Khalil al-Daqran vom Al-Aqsa-Märtyrerkrankenhaus bezeichnete die Zerstörung des Lagers als „ein abscheuliches Verbrechen" [6]. Eine vertriebene palästinensische Frau, die in der Nähe des Krankenhauses Schutz gesucht hatte, beschrieb ihre Rückkehr und fand ihr Lager zerstört vor: „Der Angriff begann, dann kehrten wir ins Lager zurück – es gab kein Lager mehr" [6].

Israels rechtsextremer Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, lehnte das Abkommen rundheraus ab und erklärte: „a commitment to stop the assassinations of [Hamas's] murderers is tantamount to agreeing to Hamas organising for the next massacre" [eine Verpflichtung, die Attentate auf die Mörder der Hamas einzustellen, kommt der Zustimmung gleich, dass die Hamas das nächste Massaker organisiert] und bestand darauf, dass „the assassinations in Gaza must continue, the encouragement of emigration must happen, Israel must win" [die Attentate in Gaza müssen weitergehen, die Förderung der Auswanderung muss stattfinden, Israel muss gewinnen] [25][22]. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat sich nicht öffentlich zu dem Abkommen geäußert [2][6]. Die Meinungsforscherin Dahlia Scheindlin erklärte: „Netanyahus Erwägungen haben nichts mit öffentlichem Trauma zu tun, sondern alles mit Politik" [25][22]. Nimrod Goren, Präsident des Israeli Institute for Regional Foreign Policies, sagte, Netanyahu werde „sicherstellen, dass Trump seine Ankündigung, seine Unterzeichnungszeremonie und die ganze Optik bekommt, aber ich sehe ihn nicht aus Gaza abziehen" [25].

Die Bewohner Gazas äußerten Misstrauen in die Erfolgsaussichten des Abkommens. Ghazal Astal, ein Bewohner von Khan Yunis, sagte: „Die Versprechungen, von denen ständig die Rede ist, werden nie eingelöst" [30]. Karim Alian aus Gaza-Stadt forderte einen sichtbaren israelischen Rückzug vor jeglicher Entwaffnungsdiskussion: „Bevor wir über ein Abkommen, die Entwaffnung der Gruppen und der Hamas in Gaza sprechen: Die Israelis sollen sich zurückziehen" [30]. Der Tel Aviver Bewohner Ron Akreman äußerte resignierte Akzeptanz: „Diese Vereinbarung mit der Hamas ist genauso schlecht wie alle Abkommen, die Trump unterzeichnet. Dennoch bin ich der Meinung, dass Israel zustimmen sollte" [30].

Internationale Regierungen begrüßten das Abkommen, knüpften ihre Unterstützung jedoch an die Umsetzung. Saudi-Arabien nannte es „ein historisches Abkommen über die Entmilitarisierung" des Gazastreifens und betonte gleichzeitig die Notwendigkeit eines vollständigen israelischen Rückzugs, einer internationalen Stabilisierungstruppe und eines politischen Prozesses zur palästinensischen Selbstbestimmung [12]. Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif lobte Trumps „mutige Führung" und äußerte die Hoffnung auf konkrete Schritte in Richtung eines unabhängigen Palästinenserstaates [5]. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas nannte den Plan „einen konstruktiven Schritt in Richtung Frieden", warnte jedoch, dass „vieles zusammenkommen muss, damit dies funktioniert" [34]. UN-Generalsekretär António Guterres bezeichnete das Abkommen als „die einzige gute Nachricht der letzten Tage" und sagte, „die Kämpfe müssen an allen Fronten in der Region aufhören" [20][14]. Chinas stellvertretender Ständiger Vertreter bei den Vereinten Nationen, Sun Lei, forderte die vollständige Umsetzung der Waffenruhe und eine Rückkehr zur Zweistaatenlösung [43].

Analysten identifizierten strukturelle Hindernisse für die Umsetzung. Der israelische Sicherheitsexperte Kobi Michael verwies auf „mindestens drei Versionen dieses sogenannten Abkommens" — die bedingte Version der Hamas, Trumps Version von Entwaffnung gefolgt von Rückzug und Mladenovs Version eines Durchbruchs [30]. Andreas Krieg vom King's College London bewertete, dass die Hamas mit der Unterzeichnung „ein taktisches Manöver" vollzogen habe und dass „die Hamas keine konventionelle Armee ist, bei der jemand im Hauptquartier einen Befehl gibt und alle Einheiten sofort gehorchen" [8]. Muhammad Shehada vom European Council on Foreign Relations nannte das Abkommen „lleno de agujeros, lagunas y potenciales minas" [voller Löcher, Lücken und potenzieller Minen] und argumentierte, es sei „políticamente imposible que Israel avance en esta dirección con las elecciones en ciernes" [politisch unmöglich, dass Israel mit den bevorstehenden Wahlen in diese Richtung voranschreitet] [8]. Die vorgeschlagene Internationale Stabilisierungstruppe steht vor unterschiedlichen Erwartungen, wobei Israel Handlungsfreiheit für das Militär anstrebt und truppenstellende Länder eine traditionelle Friedensmission wünschen [39].

Palästinensische rivalisierende Fraktionen fügten eine weitere Dimension der Opposition hinzu. Die Fatah boykottierte die Kairoer Gespräche über die Entwaffnung der Hamas, wobei Fatah-Sprecher Abdel Fattah Dawla erklärte, die Hamas sei „obligated to implement the terms of the ceasefire agreement that it signed unilaterally, which includes disarming" [verpflichtet, die Bedingungen des Waffenruheabkommens umzusetzen, das sie einseitig unterzeichnet hat, was die Entwaffnung einschließt] [32]. Ein hochrangiger PLO-Vertreter warnte vor „an attempt to create an alternative framework to the PLO" [einem Versuch, einen alternativen Rahmen zur PLO zu schaffen] [32]. Omar Murad von der PFLP erklärte, dass „the resistance's weapons have never been a tool of chaos but rather a means of protection for the Palestinian people" [die Waffen des Widerstands niemals ein Werkzeug des Chaos, sondern vielmehr ein Mittel zum Schutz des palästinensischen Volkes waren], und Qais Abu Leila von der DFLP betonte, dass jegliche Regelungen bezüglich der Widerstandswaffen auf einer einheitlichen palästinensischen Position beruhen müssten [46]. Iran International berichtete, dass Kommandeure der IRGC eine Hamas-Delegation drängten, das Abkommen nicht zu überstürzen und stattdessen die Verhandlungen in die Länge zu ziehen [38].

In Washington brachte der Abgeordnete Sean Casten den Ceasefire Compliance Act of 2026 ein, der die Verwendung von Verteidigungsgütern aus US-amerikanischer Herkunft in Gaza und dem Westjordanland verbieten würde, es sei denn, es wird bestätigt, dass Israel die Militäroperationen einstellt und humanitären Zugang gewährleistet [41]. Das Board of Peace schätzte, dass der Entwaffnungsprozess nach Angaben eines Vertreters 200 bis 350 Tage dauern könnte [11], während ein anderer Vertreter 200 bis 320 Tage veranschlagte [13]. Das Nationalkomitee für die Verwaltung Gazas erklärte, es sei bereit, die Verantwortung zu übernehmen, und sagte: „Wir sind bereit — die Menschen in Gaza haben lange genug gewartet" [24].