Spanien errichtete eine 500 Meter lange schwimmende Sperre vor dem Wellenbrecher von Ceuta, und die EU-Innenminister wurden für Dienstag zu einer Dringlichkeitssitzung einberufen, nachdem eine Massenüberquerung Zehntausender Migranten aus Marokko in die nordafrikanische Enklave mindestens 67 Menschen das Leben gekostet hatte [2][7][35]. Italien setzte die Schengen-Freizügigkeitsregelungen mit Spanien einseitig für einen Monat aus, verlangte Pässe bei Einreisen auf dem Luft- und Seeweg und berief sich auf die nationale Sicherheit [24][35]. Der spanische Seerettungsdienst, das Rote Kreuz und die Guardia Civil retteten Hunderte aus dem Wasser, während marokkanische Patrouillenboote viele weitere bei der versuchten Überfahrt abfingen [6][32].

Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez bezeichnete die Massenüberquerung als „eine Verletzung der territorialen Souveränität Spaniens" und führte sie auf Menschenhandelsnetzwerke zurück, die eine Fehlinterpretation eines Urteils des Obersten Gerichtshofs verbreitet hätten, das sofortige Zurückweisungen von auf dem Seeweg ankommenden Migranten untersagt [2][14][10]. Der Präsident der Stadtregierung von Ceuta, Juan Jesus Vivas, erklärte, dass etwa 60.000 Menschen in die Stadt gelangt seien – das entspricht 70 Prozent ihrer Bevölkerung – und nannte den Druck unmöglich zu bewältigen [3][10]. Sánchez kündigte die Entsendung zusätzlicher Einheiten der Nationalpolizei, der Guardia Civil und des Militärs an und versprach, die Identifizierung und Rückführungen zu beschleunigen [34].

Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni kündigte die Schengen-Aussetzung als „eine außerordentliche Maßnahme" an, um „die nationale Sicherheit zu wahren und mögliche Auswirkungen auf unsere Nation zu verhindern", und erklärte: „Die Verteidigung der Außengrenzen der Union ist nicht das Interesse einer einzelnen Nation. Es ist eine gemeinsame Verantwortung Europas" [2][9][35]. Finnlands Innenministerin Mari Rantanen erklärte, dass „Spanien die Außengrenze des Schengen-Raums völlig unzureichend vor Infiltration geschützt hat" und rief alle EU-Länder auf, den Vorschlag Italiens zu unterstützen [10][14]. Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen forderte die EU auf, „alle Optionen zu prüfen, einschließlich einer Aussetzung der Schengen-Zusammenarbeit" [7]. Polens Ministerpräsident Donald Tusk sagte, Spanien müsse dem polnischen Beispiel massiver Grenzinvestitionen folgen, damit Schengen überlebe [15]. Zweiundzwanzig EU-Mitgliedstaaten unterzeichneten einen von Meloni und Frederiksen initiierten gemeinsamen Brief, der eine koordinierte Reaktion und gestärkte Außengrenzen forderte [7][9][23].

Sánchez reagierte mit einem Schreiben an die EU-Institutionen, in dem er ernste Besorgnis über die Reaktion einiger europäischer Regierungen zum Ausdruck brachte und die Aussetzung Italiens als „egoistisch, polarisierend und rechtswidrig" bezeichnete [1][35]. Er verwies auf Frontex-Daten, wonach Italien zwischen 2021 und 2026 478.600 irreguläre Einreisen verzeichnete, verglichen mit 234.760 in Spanien, und erklärte: „Solidarität und Empathie sind optional, aber der Respekt vor den europäischen Verträgen und den Fakten ist es nicht" [24]. Der ehemalige EU-Außenbeauftragte Josep Borrell sagte: „`La solidaridad europea ha brillado por su ausencia`" [Die europäische Solidarität hat durch Abwesenheit geglänzt] [12]. Italiens Außenminister Antonio Tajani machte das spanische Regularisierungsprogramm für undokumentierte Migranten verantwortlich, nannte es „zutiefst falsch" und erklärte, es habe Anreize für Menschenhandel geschaffen [14][17].

Die Europäische Kommission und der Rat wiesen die Rechtmäßigkeit einer Aussetzung Spaniens aus dem Schengen-Raum zurück. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nannte die Bilder aus Ceuta „inakzeptabel", erklärte jedoch: „Die Bekämpfung der illegalen Migration erfordert Solidarität und eine geeinte europäische Antwort" [7][35]. Migrationskommissar Magnus Brunner bestätigte, dass „der Schengener Grenzkodex Sonderregelungen für Ceuta und Melilla vorsieht" und dass Grenzkontrollen für Personen, die aus den Enklaven ausreisen, weiterhin in Kraft sind [14]. Der Präsident des Europäischen Rates, António Costa, bekundete Solidarität mit Spanien und erklärte, die Integrität des Schengen-Raums sei „absolut garantiert" [14][26]. Der EU-Rechtsprofessor Francesco Luigi Gatta von der Universität Palermo stellte infrage, ob die rechtlichen Voraussetzungen für eine „schwerwiegende, echte und gegenwärtige Bedrohung" angesichts der geografischen Entfernung Ceutas und der Sonderregelung erfüllt seien [49].

Frankreich verstärkte die Grenzkontrollen zu Spanien und wies Forderungen nach einer Schengen-Aussetzung Spaniens ausdrücklich zurück, während das Vereinigte Königreich Besorgnis äußerte und Hilfe anbot. Der französische Innenminister Laurent Nunez kündigte die sofortige Verstärkung der Kontrollen an der spanischen Grenze und die Aktivierung der schnellen Eingreiftruppe für Grenzen an, erklärte jedoch: „Spanien muss die Schengen-Zone nicht verlassen. Das steht absolut nicht zur Debatte" [10][35]. Die stellvertretende britische Premierministerin Louise Haigh bezeichnete die Ereignisse als äußerst besorgniserregend, und Premierminister Andy Burnham sagte, das Vereinigte Königreich leiste die Hilfe, die es könne [7][15]. Bundeskanzler Friedrich Merz forderte, dass Marokko irreguläre Migranten unverzüglich zurücknimmt, und bezeichnete den Schutz der EU-Außengrenze als die entscheidende gemeinsame Pflicht, wobei er die Position Deutschlands von der Forderung Italiens nach einer Aussetzung Spaniens abgrenzte [7][27][35].

Die spanischen Behörden erklärten die Krise innerhalb von 48 Stunden für nahezu gelöst. Innenminister Fernando Grande-Marlaska erklärte, dass "`In meno di 48 ore, si sta raggiungendo la normalità a Ceuta`" [In weniger als 48 Stunden kehrt in Ceuta Normalität ein] und dass fast alle der etwa 50.000 eingereisten Migranten nach Marokko zurückgekehrt seien [29]. Außenminister Jose Manuel Albares erklärte, dass "praktisch alle, die nach Ceuta eingereist sind, inzwischen nach Marokko zurückgekehrt sind" [2]. Grande-Marlaska verteidigte Marokko als "einen verlässlichen Partner" und sagte, die Zusammenarbeit mit Rabat habe es Spanien ermöglicht, die Situation innerhalb von 24 Stunden umzukehren [11][38][39]. Die Europäische Kommission bestätigte, dass während des Zustroms kein Migrant das spanische Festland oder den Rest der EU erreichte [9][4].

Marokkos Botschafterin in Spanien, Karima Benyaich, wies jeden Hinweis auf eine absichtliche Erleichterung zurück und erklärte, dass "wir stets legale, geordnete und sichere Migration für alle priorisiert haben" und dass die Grenzübertritte gegen den Willen Rabats erfolgt seien [14][20]. Lorenzo Gabrielli von der Universität Pompeu Fabra erklärte, dass "es unmöglich ist, dass fast 50.000 Menschen an einem einzigen Tag die Grenze zwischen Marokko und Spanien überqueren, ohne dass Marokko seine Hand im Spiel hat" [20]. Der Migrationsforscher Matteo Villa vermutete, dass Marokko die Grenzkontrollen gelockert haben könnte, um nach Sánchez' Besuch in Algerien Druckmittel zu demonstrieren [25]. Der marokkanische Rechtswissenschaftler Tajeddine El Housseini verwies auf ein Sicherheitsvakuum, das durch die Verlegung von Kräften während der Feierlichkeiten zum Throntag entstanden sei [41]. Die Oxford-Forscherin Miriam Cherti hob virale Social-Media-Beiträge hervor, die falsche Versprechungen eines leichten Zugangs verbreiteten, einschließlich praktischer Informationen zur Überquerung [39][33].

Migranten und ihre Familien schilderten Hunger, Gewalt und Verzweiflung während der Überfahrt, der Ingewahrsamnahme und der Rückkehr. Ein 20-jähriger Migrant namens Ayman berichtete, er sei fünf Stunden geschwommen, habe in Ceuta kein Essen gefunden und sei "von der (spanischen) Armee übel hinausgeworfen" worden [17]. Migranten in Ceuta sagten dem Spiegel: "`Sie haben uns geschlagen, damit wir weiter nach Spanien gehen`" [Sie haben uns geschlagen, damit wir weiter nach Spanien gehen] [36]. Eine zurückkehrende Migrantin namens Kaoutar beschrieb drei Tage ohne Essen und dass sie im Wald geschlafen habe [43]. Eine andere Migrantin, Wisal, sagte, sie reise mit ihrer dreijährigen asthmatischen Tochter ab, weil die Geschäfte geschlossen seien und die Leute "uns Messer zeigten und Steine warfen" [44]. Rachid Aouchari äußerte Bedauern: "Ich will einfach nur meine Kinder wiedersehen. Ich bereue es, den ganzen Weg hierher gekommen zu sein" [35].

Marokkanische Menschenrechtsorganisationen forderten unabhängige Untersuchungen. Die Marokkanische Organisation für Menschenrechte forderte eine dringende Untersuchung des Schicksals vermisster Personen und einen gemeinsamen marokkanisch-spanischen Mechanismus zur Identifizierung von Leichen [40]. Die Marokkanische Vereinigung für Menschenrechte sprach von "fast 130 Opfern" und kritisierte das "besorgniserregende Schweigen" der marokkanischen Behörden, wobei sie den marokkanischen Staat für voll verantwortlich erklärte [42]. UNICEF Spanien und Save the Children drängten darauf, dass die Rechte unbegleiteter minderjähriger Migranten garantiert werden und Rückführungen niemals kollektiv erfolgen dürfen [47].

Spanische Oppositionsparteien warfen der Regierung vor, eine vorhersehbare Krise nicht verhindert zu haben. Der Vorsitzende der Volkspartei, Alberto Núñez Feijóo, sprach von einem "überfallenen Spanien" und einer "vorsätzlichen Besetzung" und forderte Erklärungen für Geheimdienstversagen [12][14]. Vox' Samuel Vázquez forderte die Bürger auf, ihre Familien mit allem zu verteidigen, was sie zur Hand hätten [12]. Spanische Rechtskommentare führten die Krise auf eine zweijährige gesetzgeberische Verzögerung nach einem Urteil des Obersten Gerichtshofs zurück, das "heiße Rückführungen" für auf dem Seeweg Ankommende untersagte [45][46].

Die Trump-Administration nutzte die Aufnahmen aus Ceuta für innenpolitische Botschaften. Präsident Donald Trump nannte die Grenzübertritte eine "invasion" [Invasion] und warnte, dass "if we're not in office our country will be invaded at levels that will make Spain look small time" [wenn wir nicht im Amt sind, wird unser Land in einem Ausmaß überfallen werden, das Spanien wie eine Kleinigkeit aussehen lässt] [17][20]. Der stellvertretende Stabschef des Weißen Hauses, Stephen Miller, teilte ein Video der Ereignisse in Ceuta und schrieb, die Demokraten würden zusehen, wie Häuser von Eindringlingen niedergetrampelt und geplündert würden, und sich darüber freuen [27]. Spanische Kommentatoren behaupteten eine Beteiligung Israels und der Vereinigten Staaten an der Provokation der Krise als Vergeltung für Spaniens Haltung zu Gaza und Iran, wobei Verkehrsminister Oscar Puente andeutete, die Lage werde "ziemlich klar" [20]. Israels UN-Botschafter Danny Danon wies die Unterstellung zurück und warf Spanien seinerseits vor, "koloniale Enklaven in Afrika" zu unterhalten [20].

Irland bestätigte als Inhaber der EU-Ratspräsidentschaft die Video-Dringlichkeitssitzung der EU-Innenminister für Dienstag [35][37]. Die EU bekundete ihre Bereitschaft, Spanien zu unterstützen, auch durch Frontex [27]. Spanien setzte die Installation der 500 Meter langen pneumatischen Sperre fort, die 30 bis 70 Zentimeter über das Wasser ragt und einen Meter in die Tiefe reicht, mit Patrouillenkorridoren [28]. Die Vereinigten Staaten stuften ihre Reisewarnung für Ceuta auf Stufe 3 herauf [16].