Die Ukraine startete in der Nacht zum 16. August einen groß angelegten Drohnenangriff auf Moskau und die umliegenden Regionen, während russische Streitkräfte gleichzeitig Kiew und andere ukrainische Städte mit ballistischen Raketen und Drohnen angriffen und in beiden Ländern mindestens 19 Menschen töteten [2][5][13]. Ein spanischer F-18-Kampfjet im NATO-Luftraumüberwachungseinsatz schoss eine mutmaßliche russische Drohne ab, die nach dem Durchqueren moldauischen Territoriums in den rumänischen Luftraum eingedrungen war – die vierte Drohne, die in den vergangenen Wochen über Rumänien abgeschossen wurde [2][8][19][32].
Russische Beamte bezeichneten den ukrainischen Drohnenangriff als den größten des Jahres. Das Russische Verteidigungsministerium erklärte, die Luftabwehr habe in der Nacht 822 ukrainische Drohnen in 16 Regionen abgefangen und zerstört und damit den bisherigen Rekord von 660 Drohnen am 26. Juni übertroffen [25][35], wobei The Guardian von russischen Angaben von bis zu 1.478 abgefangenen Drohnen berichtete [10]. Moskaus Bürgermeister Sergei Sobyanin sagte, 600 Drohnen seien in Richtung der Region Moskau erfasst worden, 201 seien über der Region zerstört worden und drei Menschen seien verletzt worden [2][34]. Der Gouverneur der Oblast Moskau, Andrei Vorobyov, bezeichnete den Angriff als "one of the most massive drone attacks in recent memory" [einen der massivsten Drohnenangriffe in jüngster Erinnerung] und bestätigte, dass ein 83-jähriger Mann getötet wurde, als eine Drohne ein Privathaus traf [30][36]. Der Gouverneur der Region Rostow, Juri Slusar, berichtete von fünf Toten in einem Wohngebiet [5][13].
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj stellte die russischen Angriffe als gezielte Angriffe auf zivile Infrastruktur dar und erklärte: "wherever the Russians can reach with their ballistic missiles, they strike civilian infrastructure" [wo immer die Russen mit ihren ballistischen Raketen hinkommen, greifen sie zivile Infrastruktur an] [4][22][27]. Selenskyj berichtete, Russland habe in der vergangenen Woche 62 Raketen, mehr als 1.550 Angriffsdrohnen und fast 1.560 Fliegerbomben auf 13 ukrainische Regionen abgefeuert, und appellierte an die Partner um neue Luftverteidigungshilfspakete mit dem Argument, europäische Abfangraketen sollten nicht in Lagerhäusern liegen, während nordkoreanische Raketen Menschen in Europa töteten [23]. Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko berichtete von Bränden in mindestens zwei Bezirken der Hauptstadt [1][15]. Russische Angriffe trafen einen Büchermarkt in Kiew und das Stahlwerk ArcelorMittal in Krywyj Rih, wobei im Werk zwei Menschen getötet und 13 verletzt wurden [5][27][29].
Serhii Kuzan, Vorsitzender des Ukrainischen Zentrums für Sicherheit und Zusammenarbeit, argumentierte, die russischen Behörden würden ihre Zahlen "deliberately inflate their figures" [ihre Zahlen bewusst aufblähen], um die Wirksamkeit der Luftabwehr zu übertreiben, räumte jedoch ein, dass das Ausmaß der ukrainischen Angriffe tatsächlich zunehme [10]. Der Verteidigungsanalyst Pawel Felgenhauer erklärte, die Angriffe auf Hauptstädte deuteten auf eine Eskalation des Krieges hin, und merkte an, die Ukraine habe es geschafft, die dichtesten Luftabwehrsysteme in Russland zu umgehen [2].
Der NATO-Abschuss über Rumänien zog konkurrierende Deutungen nach sich. NATO-Sprecher Martin O'Donnell erklärte, das Bündnis sei "is constantly on watch and prepared to defend itself from any threat" [ständig wachsam und bereit, sich gegen jede Bedrohung zu verteidigen], und die Drohne "appears to be Russian" [scheine russisch zu sein] [2][16][29]. Der rumänische Verteidigungsminister Radu Miruta gratulierte den spanischen Piloten und erklärte: "vigilance, rapid reaction, and allied solidarity are the concrete guarantees of our security" [Wachsamkeit, schnelle Reaktion und Bündnissolidarität sind die konkreten Garantien unserer Sicherheit] [8][40]. Die kommissarische rumänische Außenministerin Oana Țoiu nannte den Vorfall "an unacceptable and blatant violation of our airspace" [eine inakzeptable und eklatante Verletzung unseres Luftraums] und kündigte die Schließung des russischen Konsulats in Constanța an [47]. Die Drohne wurde vom Radar etwa 24 Kilometer nördlich von Galați erfasst, nachdem sie aus Moldau eingedrungen war, wo sie 18 Minuten lang geflogen war [19][39].
Westliche Beamte und Analysten haben solche Vorfälle als Teil eines Musters russischer Luftraumverletzungen gegen NATO-Territorium eingeordnet. Nach früheren Drohnenangriffen auf rumänischem Boden erklärte NATO-Generalsekretär Mark Rutte: "Russia's reckless behavior is a danger to us all" [Russlands rücksichtsloses Verhalten ist eine Gefahr für uns alle] [45]. Als Reaktion auf den jüngsten Vorfall sagte die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen: "Russia's war of aggression has crossed yet another line" [Russlands Angriffskrieg hat eine weitere Grenze überschritten] [47]. Der US-Botschafter bei der NATO, Matthew Whitaker, hatte frühere Angriffe als "reckless incursions" [rücksichtslose Eindringlinge] bezeichnet und das Bekenntnis des Bündnisses bekräftigt, jeden Zentimeter des NATO-Territoriums zu verteidigen [45]. Russische Beamte wiesen die Schuld von sich: Der stellvertretende Vorsitzende des Sicherheitsrats, Dmitri Medwedew, sagte, es sei notwendig festzustellen, wessen Drohne es gewesen sei, und die EU-Länder "need to shut up on this matter" [müssten in dieser Angelegenheit den Mund halten], während die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa, Vergeltungsmaßnahmen wegen der rumänischen Sanktionen androhte [47].
Das ukrainische Verteidigungsministerium bestätigte den Angriff auf ein Wildberries-Lager in Koledino – die größte Anlage des Unternehmens mit 250.000 Quadratmetern – und erklärte, die Ukraine habe sieben der zehn größten Logistikzentren von Wildberries außer Betrieb gesetzt [36]. Der ukrainische Generalstab meldete Angriffe auf Kombinat Kamensky in der Oblast Rostow, ein staatliches Unternehmen, das festen Raketentreibstoff für die Raketenwerfer Uragan, Smertsch und Tornado-S produziert, dessen Produkte "directly used to supply the needs of the Russian Armed Forces" [direkt zur Deckung des Bedarfs der russischen Streitkräfte verwendet werden] [36]. Der Kommandeur der ukrainischen Kräfte für unbemannte Systeme, Robert Brovdi, erklärte, seine Einheiten hätten zwischen dem 1. und 15. August 5.000 russische Soldaten getroffen, durchschnittlich 333 pro Tag [33].
Die Leiterin der UN-Mission zur Überwachung der Menschenrechte, Danielle Bell, erklärte, die zivilen Opferzahlen seien 2026 jeden Monat gestiegen, wobei der Juli die höchste monatliche Zahl seit März 2022 verzeichnet habe [12]. Das unabhängige Conflict Intelligence Team schätzte im Juli 634 zivile Opfer auf beiden Seiten, wobei zwei Drittel ukrainische Staatsbürger seien [28][35]. Vor Ort sagte der Kiewer Buchhändler Dmytro Semenukha, alle vier seiner Stände auf dem Buchmarkt Potschajna seien bis auf die Grundmauern abgebrannt: "There used to be a store. And books, and flags of all the countries, all the countries. Tons of everything. And that's it" [Früher gab es dort einen Laden. Und Bücher, und Flaggen aller Länder, aller Länder. Tonnen von allem. Und das war's] [5][13]. In Moskau beschrieben Anwohner, wie sie sich an Treibstoffschlangen infolge von Drohnenangriffen auf Raffinerien gewöhnten. Ein Anwohner, Oleg, sagte: "Il faut faire la queue 20 minutes et nous comprenons tous pourquoi. Ce serait la même chose dans n'importe quel autre pays qui serait bombardé" [Man muss 20 Minuten anstehen, und wir verstehen alle, warum. In jedem anderen Land, das bombardiert würde, wäre es dasselbe] [31].
Wirtschaftsanalysten beschrieben Russlands Kriegswirtschaft als strukturell angespannt. Alex Kolyandr von der Eurasia Group sagte, Russlands Wirtschaft entwickle sich zu einem zweistufigen System, in dem die Beschäftigten der Rüstungsproduktion abgesichert seien, während andere mit Problemen konfrontiert seien, und warnte, dass sich verschlechternde Bedingungen Putin zu weiterer Eskalation veranlassen könnten [50]. Charles Lichfield vom Atlantic Council erklärte, Russland sei auf Kurs, sein Defizit gegenüber 2025 zu verdoppeln, und die Inflation steige wieder [50]. Eine von Veteranen angeführte Protestbewegung in Kiew trat in ihren zweiten Monat und forderte die Wiedereinsetzung des ehemaligen Verteidigungsministers Mykhailo Fedorov; der Organisator Dmytro Koziatynskyi erklärte, der Präsident müsse die Verantwortung für fragwürdige Personalentscheidungen tragen [49]. Rumänien hat die NATO gebeten, die Lieferung von Luftabwehrsystemen nach dem Drohnenabschuss zu beschleunigen [47].