Der US-Gesandte Jared Kushner führte in Ägypten ein direktes Gespräch mit dem politischen Hamas-Chef Khalil al-Hayya, um auf konkrete Entwaffnungsschritte im Rahmen des von den USA unterstützten 15-Punkte-Fahrplans für Gaza zu drängen, während israelische Luftangriffe im Südlibanon mindestens 11 Menschen töteten – der tödlichste Tag seit dem Waffenstillstandsrahmen vom Juni [6][7][10]. Kushners Treffen mit Hamas-Führern, begleitet von Nickolay Mladenov, dem Hohen Repräsentanten des Friedensrats, und Gesprächen mit dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi, zielte darauf ab, den Entwaffnungsfahrplan vor Kushners geplanten Gesprächen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu voranzubringen [6][8][20][30][32].

Kushner betonte, dass die Hamas die Regierungsgewalt und alle Waffen abgeben müsse, und warnte, dass Israel der Gruppe nicht zutraue, dies umzusetzen, während die Hamas ihre Verpflichtung bekräftigte, zu entwaffnen und die Regierungsführung an eine technokratische Autorität zu übergeben [6][11]. Die Hamas rief die Vermittler und den Friedensrat auf, Israel zur Umsetzung aller Verpflichtungen der ersten Phase zu "compel" [zu zwingen], die Verstöße zu beenden, Tötungen und Einfälle zu stoppen und den Fahrplan für die zweite Phase zu genehmigen [8][24][32]. Kushner lehnte den Vorschlag der Hamas ab, Waffen innerhalb Gazas zu lagern, bestand darauf, dass die Waffen die Enklave verlassen müssten, und schloss eine Beteiligung der Hamas an einer künftigen Regierung Gazas aus [20][30].

Netanyahu lehnte das 15-Punkte-Dokument des Friedensrats formell ab und erklärte: "Israel rejects the Board of Peace's 15-point document on Gaza. The IDF will not carry out any withdrawal until Hamas is genuinely disarmed" [Israel lehnt das 15-Punkte-Dokument des Friedensrats zu Gaza ab. Die IDF wird keinen Rückzug durchführen, bis die Hamas tatsächlich entwaffnet ist] [27][28][42]. Israelische Verteidigungsvertreter erklärten, die Streitkräfte würden ohne Zeitplan für einen Rückzug in "Sicherheitszonen" in Gaza bleiben [11]. Der Analyst Khaled Elgindy vom Quincy Institute erklärte, Netanyahus Ablehnung hänge mit den bevorstehenden Wahlen im Oktober zusammen, da jedes Anzeichen von Kompromissbereitschaft von Extremisten in seiner Koalition gegen ihn verwendet würde [20].

Das israelische Militär stellte die Angriffe im Libanon als gezielte Terrorbekämpfung dar und erklärte, es habe den Kommandeur der Hisbollah-Radwan-Einheit, Ali Samir Al-Haj Hassan, und einen zweiten hochrangigen Kommandeur, Abu Hasan Alaa, getötet, und beschrieb das bombardierte Gebäude in Ansar als militärisches Hauptquartier [7][14][17][34]. Die IDF erklärte, der Angriff sei "specifically directed at Hassan, who was a lawful target under international law, not at his family members who he used as human shields" [speziell gegen Hassan gerichtet, der nach internationalem Recht ein legitimes Ziel war, nicht gegen seine Familienmitglieder, die er als menschliche Schutzschilde benutzte] [7][34]. Netanyahu erklärte, "only later did the IDF learn that Hezbollah deliberately put civilians in that military compound" [erst später habe die IDF erfahren, dass die Hisbollah absichtlich Zivilisten in diesem Militärgelände platziert habe] [14][18].

Libanesische Vertreter wiesen die Charakterisierung als menschliche Schutzschilde zurück. Ministerpräsident Nawaf Salam erklärte: "The seven martyrs of the Israeli airstrike on the town of Ansar are not military infrastructure and the children and women killed were not military targets" [Die sieben Märtyrer des israelischen Luftangriffs auf die Stadt Ansar sind keine militärische Infrastruktur, und die getöteten Kinder und Frauen waren keine militärischen Ziele] [10][14][15]. Parlamentspräsident Nabih Berri verurteilte, was er als "guerre d'extermination" [Vernichtungskrieg] im Südlibanon bezeichnete [36]. Die Hisbollah wies Netanyahus Behauptungen als falsch zurück und erklärte, libanesische Zivilisten seien absichtlich in ihren Häusern angegriffen worden [7]. Das libanesische Gesundheitsministerium meldete sieben Tote in Ansar, darunter drei Kinder und zwei Frauen, sowie vier Tote in Deir al-Zahrani [10][12].

Das iranische Außenministerium nannte die Angriffe "حملاتی جنایتکارانه" [verbrecherische Angriffe], die mit voller Komplizenschaft der USA geplant und ausgeführt worden seien [38]. Der libanesische Präsident Joseph Aoun verurteilte die Angriffe als Verstöße gegen den Waffenstillstandsrahmen und als "clear message" [klare Botschaft], die auf die Verhandlungsschiene und die US-Bemühungen abziele [14][36].

Der israelische Regierungssprecher Doron Spielman erklärte, die Angriffe würden die Verhandlungen "tighten up" [straffen] und sie "more serious and more real" [ernsthafter und realer] machen, indem sie den Grund für den Eintritt in Verhandlungen verdeutlichten [14][18]. Verteidigungsminister Israel Katz drohte mit weiteren Angriffen und erklärte: "No account in any arena will remain open. We will strike with full force at those who harm our soldiers and our citizens" [Keine Rechnung in irgendeinem Schauplatz wird offen bleiben. Wir werden mit voller Kraft gegen diejenigen zuschlagen, die unseren Soldaten und unseren Bürgern schaden] [1][19][36]. Katz erklärte außerdem, Israel werde sich nicht aus den von ihm kontrollierten Gebieten zurückziehen, bis die Hisbollah entwaffnet sei [3][14].

Hisbollah-Chef Naim Qassem warf den libanesischen Behörden vor, die Armee durch die Umsetzung des Abkommens einer "ongoing humiliation" [fortwährenden Demütigung] auszusetzen, und fragte: "How can you accept this ongoing humiliation of the Lebanese army, exposing it to bombardment and Israeli pressures, instead of acting as its protectors?" [Wie können Sie diese fortwährende Demütigung der libanesischen Armee hinnehmen, die sie Bombardierungen und israelischem Druck aussetzt, statt als ihre Beschützer zu handeln?] [15]. Die Hisbollah rief die libanesische Regierung auf, "humiliating direct negotiations" [demütigende direkte Verhandlungen] mit Israel aufzugeben [10][36][43]. Randa Slim, Direktorin des Nahost-Programms am Stimson Center, erklärte, der Libanon habe sich "locked themselves into these negotiations" [in diese Verhandlungen eingeschlossen] und dass "the cost of walking away from these negotiations is going to be much higher for the Lebanese than it is going to be for the Israelis" [die Kosten eines Ausstiegs aus diesen Verhandlungen für die Libanesen viel höher sein werden als für die Israelis] [2].

Ein Beamter des US-Außenministeriums erklärte, eine dauerhafte israelische Militärpräsenz im Südlibanon sei "not consistent with commitments set out in the deal" [nicht mit den in dem Abkommen festgelegten Verpflichtungen vereinbar], während andere US-Stellungnahmen die Verantwortung für die fortgesetzte israelische Präsenz der Hisbollah zuwiesen [14][18][2]. Acht Außenminister aus der Türkei, Ägypten, Indonesien, Jordanien, Pakistan, Katar, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten gaben eine gemeinsame Erklärung ab, in der sie Israels Ablehnung des Fahrplans verurteilten und erklärten, dies "confirms that Israel now bears responsibility for obstructing the efforts to bring peace in Gaza" [bestätige, dass Israel nun die Verantwortung für die Behinderung der Bemühungen um Frieden in Gaza trage] [5][8][29][32]. Die Minister forderten ein anhaltendes Engagement der USA und bekräftigten ihre Unterstützung für eine Zwei-Staaten-Lösung auf der Grundlage der Grenzen von 1967 [5][39].

Netanyahus Likud-Partei wies die arabische Verurteilung zurück und behauptete, die arabischen Staaten wollten Netanyahu stürzen, damit zentristische Herausforderer ihnen alles geben würden, was sie wollten [9][32]. Der rechtsextreme Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, brach mit Netanyahus Ablehnungshaltung und befürwortete nächtliche gezielte Tötungen mit den Worten: "30 to 40 people should be taken down every night" [30 bis 40 Menschen sollten jede Nacht ausgeschaltet werden] [27]. Getrennt davon ordnete Katz einen Plan an, die Strafverfolgungsbefugnis über jüdische Siedler im Westjordanland vom Militär auf die Polizei unter Ben-Gvir zu übertragen, was türkische Berichte als Schritt in Richtung einer faktischen Annexion beschrieben [16].

Human Rights Watch forderte die UN auf, eine internationale Truppe im Libanon als Abschreckung gegen Angriffe auf Zivilisten zu belassen, während das indische Außenministerium seine Besorgnis über zivile Opfer und die Sicherheit seiner 600 UNIFIL-Soldaten zum Ausdruck brachte [15][44]. Italienische und französische Spitzenpolitiker schlugen eine internationale Koalition vor, möglicherweise unter Beteiligung von Golfpartnern, um das Sicherheitsvakuum zu füllen, das nach dem Ende des UNIFIL-Mandats erwartet wird [45]. Palästinensische Menschenrechtsberichte und Zeugenaussagen vertriebener Bewohner beleuchteten die Zustände in den Zeltlagern Gazas; der vertriebene Bewohner Mohammed Abu 'Odah erklärte: "This is no longer a tent, but merely a piece of cloth that barely shelters us" [Das ist kein Zelt mehr, sondern nur noch ein Stück Stoff, das uns kaum Schutz bietet] [46].

Eine weitere Runde von Friedensgesprächen ist für Anfang September in Rom geplant [12]. Kushner sollte nach seinen Gesprächen in Ägypten Netanyahu treffen [29][32].