US-Gesandter Jared Kushner traf den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu am 17. August 2026 in Jerusalem zu einem fast vierstündigen Gespräch, nachdem er in Ägypten direkte Gespräche mit dem Leiter des Politbüros der Hamas, Khalil al-Hayya, geführt hatte, und vollendete damit einen diplomatischen Vorstoß auf parallelen Gleisen zu Trumps 15-Punkte-Fahrplan für Gaza [3][9][24]. Kushner wurde von Nickolay Mladenov, dem Generaldirektor des Board of Peace, und dem ehemaligen britischen Premierminister Tony Blair begleitet [19][43]. Die Gespräche endeten ohne Durchbruch, da beide Seiten an gegensätzlichen Forderungen zur Reihenfolge von Hamas-Entwaffnung und israelischem Rückzug festhielten [4][12][21].

Der zentrale Streit dreht sich um die Reihenfolge. Netanjahu besteht darauf, dass die israelischen Streitkräfte sich nicht aus Gaza zurückziehen, bis die Hamas vollständig und überprüfbar entwaffnet ist, einschließlich leichter Waffen und Tunnel, mit Überprüfung durch einen US-General und fortbestehender israelischer Handlungsfreiheit für militärische Aktionen [3][7][16][25]. Eine bei dem Treffen anwesende israelische Quelle erklärte, es werde nichts gewährt, was den Weg für einen palästinensischen Staat ebnen könnte, und die ursprüngliche Idee von "pilot zones" [Pilotzonen] werde nicht mehr erörtert [18]. Hamas-Vertreter argumentieren, sie hätten die Waffenruhe eingehalten, und die Umsetzung der Entwaffnung hänge davon ab, dass Israel zuerst die Militäroperationen einstelle und sich aus den 60 Prozent des Gazastreifens zurückziehe, die es besetzt [4][9][19]. Khalil al-Hayya forderte, dass Israel seine Angriffe einstelle und sich vor Beginn der Umsetzung bis zur gelben Linie zurückziehe [9].

Kushner beschrieb sein Treffen mit der Hamas als "very cordial" [sehr herzlich] und sagte, sie hätten "said the right things" [die richtigen Dinge gesagt], äußerte jedoch tiefes Misstrauen gegenüber "a terrorist organization that committed these terrible atrocities" [einer Terrororganisation, die diese schrecklichen Gräueltaten begangen hat] [1][3]. Er sagte den Hamas-Vertretern, es gebe keinen Verhandlungsspielraum bei der tatsächlichen Entwaffnung, versprach aber US-Druck auf Israel, seine Verpflichtungen zu erfüllen, falls die Hamas konkrete Schritte unternehme [10]. Kushner sagte einen gleichzeitigen israelischen Rückzug mit der Hamas-Entwaffnung zu, lehnte jedoch den Vorschlag der Hamas ab, Waffen innerhalb des Gazastreifens zu lagern, und bestand darauf, dass sie die Enklave verlassen müssten [15][29]. Er sagte Fortschritte bei der Entfernung von Waffen in nur 30 Tagen und bei der Verfüllung von Tunneln in 60 bis 90 Tagen voraus [3][24]. Kushner erklärte zudem, dass die Vereinigten Staaten keinen Plan zur Umsiedlung der Bewohner des Gazastreifens unterstützten [14][32].

Nahost-Analysten werteten das direkte Engagement der USA gegenüber der Hamas als strategische Wende. Mahjoob Zweiri, Dozent am Doha Institute for Graduate Studies, beschrieb das Treffen als "a type of American submission to the fact that Hamas is a political force in Palestinian society that cannot be ignored" [eine Art amerikanische Kapitulation vor der Tatsache, dass die Hamas eine politische Kraft in der palästinensischen Gesellschaft ist, die nicht ignoriert werden kann] [2]. Adel Shadid, Experte für israelische Angelegenheiten, sagte, die Gespräche in Kairo offenbarten "a shift in the American position towards Hamas" [eine Verschiebung der amerikanischen Position gegenüber der Hamas], was darauf hindeute, dass die Hamas nicht länger das Problem, sondern Teil der Lösung sei [2]. Ahmed Atawna, Direktor des in Istanbul ansässigen Vision Center for Political Development, schätzte ein, dass die palästinensischen Fraktionen, unterstützt durch ägyptische, katarische und türkische Vermittlung, aus einer günstigen taktischen Position verhandelten [2].

Offizielle Darstellungen der USA und Israels boten eine optimistischere Einordnung. Ein Vertreter des Board of Peace beschrieb das Treffen mit Netanjahu als "lengthy, in depth, and very productive" [lang, tiefgehend und sehr produktiv] und erklärte, es sei eine Einigung über den weiteren Weg erzielt worden und es liege nun an der Hamas zu zeigen, ob sie wirklich zu entsprechen beabsichtige [4][24]. Netanjahus Büro bezeichnete das Treffen als "deep and constructive" [tiefgehend und konstruktiv] und kündigte die Einigung auf die Einrichtung zweier Arbeitsgruppen an — eine zu Entwaffnung und Entmilitarisierung, die andere zu Sanitärversorgung und öffentlicher Gesundheit [16][23][35]. Der israelische Präsident Isaac Herzog lobte den Plan und sagte, er sei beeindruckt, dass Israels Sicherheitsinteressen "an important and central element" [ein wichtiges und zentrales Element] seien [24]. Trump erklärte, die Hamas sei dabei, "giving up their guns" [ihre Waffen aufzugeben], und deutete an, er könnte bei den bevorstehenden israelischen Wahlen einen Kandidaten unterstützen [17]. Sowohl Palästinenser als auch Israelis bleiben weithin skeptisch, dass die Pendeldiplomatie eine dauerhafte Einigung hervorbringen kann [31][4][12].

Acht arabische und mehrheitlich muslimische Staaten — Ägypten, Katar, die Türkei, Jordanien, Saudi-Arabien, die VAE, Pakistan und Indonesien — gaben eine gemeinsame Erklärung ab, in der sie Israels Ablehnung des Fahrplans als ausdrückliche Weigerung verurteilten, die "directly threatens to derail the broad efforts" [die umfassenden Bemühungen direkt zu entgleisen droht], die von Trump angeführt werden [11][22][25]. In der Erklärung wurde festgestellt, dass Israel "direct and full responsibility" [direkte und volle Verantwortung] für die Behinderung des Friedensprozesses trage, und es wurde eine Zwei-Staaten-Lösung auf der Grundlage der Grenzen von 1967 gefordert [11][14]. Netanjahus Likud-Partei reagierte mit dem Vorwurf, die arabischen Staaten strebten Netanjahus Wahlniederlage an, damit zentristische Rivalen Zugeständnisse machen würden [9][11].

Wissenschaftliche Analysten verknüpften Netanjahus Ablehnung mit innenpolitischen Wahlkalkülen. Hasni Abidi, Direktor des Center for Studies and Research on the Arab and Mediterranean World, erklärte, Netanjahu habe kein wahlpolitisches Interesse an Zugeständnissen, da die Umfragen für ihn ungünstig seien und der Druck seiner rechtsextremen Koalitionspartner zunehme [15]. Khaled Elgindy, Nahost-Spezialist am Quincy Institute, argumentierte, dass « le rejet de la feuille de route par Benyamin Netanyahu est étroitement lié aux élections » [Netanjahus Ablehnung des Fahrplans eng mit den Wahlen verknüpft ist], da jedes Anzeichen von Kompromissbereitschaft von Koalitionsextremisten gegen ihn verwendet würde [29]. Von Infobae zitierte Analysten sagten, Netanjahus Haltung spiegele die hawkische Wende Israels nach dem 7. Oktober 2023 wider sowie sein Bedürfnis, vor den nationalen Wahlen Wähler zu gewinnen [27].

Der israelische Minister für nationale Sicherheit Itamar Ben-Gvir forderte nächtliche gezielte Tötungen von 30 oder 40 Menschen in Gaza und erklärte: "Not just those who pose an immediate threat — there are people there who are not worthy of life. They shouldn't live. They're not even people" [Nicht nur diejenigen, die eine unmittelbare Bedrohung darstellen — es gibt dort Menschen, die des Lebens nicht würdig sind. Sie sollten nicht leben. Sie sind nicht einmal Menschen] [3][5][23]. Der stellvertretende iranische Außenminister Kazem Gharibabadi verurteilte die Äußerungen und erklärte, dass "this Zionist criminal speaks at the same time of expelling Palestinians and of settlement construction across the entire Gaza Strip" [dieser zionistische Verbrecher spreche gleichzeitig von der Vertreibung der Palästinenser und vom Siedlungsbau im gesamten Gazastreifen] und dass die Geständnisse für künftige Prozesse aufbewahrt werden müssten [6]. Israelische Oppositionsführer warnten, dass der rechtsextreme Druck von Ben-Gvir und Smotrich Netanjahu in eine katastrophale Eskalation ziehe; Yair Lapid nannte eine Kabinettsentscheidung zu Gaza eine "disaster that will lead to many additional disasters" [Katastrophe, die zu vielen weiteren Katastrophen führen wird], und Yair Golan beschrieb sie als "death sentence for the hostages" [Todesurteil für die Geiseln] [46].

Präsident Recep Tayyip Erdogan lobte die Hamas dafür, dass sie "genuine co-operation" [echte Kooperation] mit dem Friedensprozess gezeigt habe, und kritisierte Israels aggressive Haltung, womit er die Türkei auf die Seite der Hamas- und Vermittlerdarstellung gegenüber Israels Position der Entwaffnung zuerst stellte [17][49]. Erdogan sagte Trump, dass Israels Angriffe auf Palästinenser in Gaza zugenommen hätten, als die zweite Phase des Friedensplans in Kraft treten sollte [24].

Französische Rechtswissenschaftler stellten die rechtliche Grundlage des Plans infrage. Patrick Zahnd, Leiter von JURDI (Jurists for International Law), nannte die dem Plan zugrunde liegende UN-Resolution ein "legal monstrosity" [rechtliches Monstrum] und beschrieb sie als "illegal protectorate" [illegales Protektorat] über Gaza [50]. Rafaëlle Maison, Professorin für Rechtswissenschaften an der Université Paris-Saclay, argumentierte, dass der Sicherheitsrat Donald Trump "full powers" [umfassende Vollmachten] in Gaza erteilt habe, und beschrieb dies als "a kind of personal power in a colonial situation" [eine Art persönliche Macht in einer kolonialen Situation] [50].

Die beiden Arbeitsgruppen zu Entwaffnung und öffentlicher Gesundheit werden ihre Arbeit voraussichtlich in den kommenden Wochen aufnehmen, wobei Kushner schrittweise Fortschritte innerhalb von 30 Tagen vorhersagte [3][16][24]. Netanjahu hat die IDF angewiesen, für militärische Aktivitäten in Gaza jenseits der Gelben Linie politische Genehmigung einzuholen, angetrieben von Sorgen über mögliche US-Waffenbeschränkungen [10]. Mindestens 1.260 Palästinenser sind in Gaza getötet worden, seit die Waffenruhe von Ende 2025 in Kraft trat, so Al Jazeera [19].