Die Vereinigten Staaten verhängten Sanktionen gegen die Präsidentin des Internationalen Strafgerichtshofs, Tomoko Akane, und den leitenden Prozessanwalt Abdoulaye Seye, froren deren US-Vermögenswerte ein und schnitten sie vom amerikanischen Finanzsystem ab, mit einer Frist zur Einhaltung bis zum 17. September [15]. Die am 18. August angekündigten Sanktionen ergänzen Maßnahmen, die bereits gegen mindestens 11 weitere IStGH-Beamte verhängt wurden, darunter neun Richter und die Chefanklägerin [13].
US-Außenminister Marco Rubio erklärte, Akane und Seye hätten sich "directly engaged in efforts by the ICC to investigate, arrest, detain, or prosecute officials whose government has not consented to ICC jurisdiction" [direkt an Bemühungen des IStGH beteiligt, Beamte zu untersuchen, zu verhaften, festzuhalten oder strafrechtlich zu verfolgen, deren Regierung der Gerichtsbarkeit des IStGH nicht zugestimmt hat] [4][6]. Rubio bezeichnete den IStGH als "a corrupt and fatally politicized supranational court that has maliciously abused its authority and exceeded its mandate" [einen korrupten und fatal politisierten supranationalen Gerichtshof, der seine Autorität böswillig missbraucht und sein Mandat überschritten hat] und erklärte, die Regierung werde "will not tolerate its assault on state sovereignty" [seinen Angriff auf die staatliche Souveränität nicht tolerieren] [18][20]. Rubio schrieb außerdem, die Regierung sei bereit, den IStGH "systematically dismantle the ICC until it is incapable of threatening American sovereignty" [systematisch zu demontieren, bis er nicht mehr in der Lage ist, die amerikanische Souveränität zu bedrohen] [20], und charakterisierte den Gerichtshof als "a radical organization staffed by unelected globalist officials waging war on the US" [eine radikale Organisation, besetzt mit nicht gewählten globalistischen Beamten, die Krieg gegen die USA führen] — durch Vorschriften und Verträge statt durch Kugeln und Raketen [12]. Ein Beamter des Weißen Hauses sagte, Präsident Trump habe seine Befugnisse nach dem International Emergency Economic Powers Act rechtmäßig ausgeübt [4].
Der IStGH reagierte, dass "measures targeting judges, prosecutors and staff who work towards the fulfillment of the mandate that was conferred to the ICC by states undermine the rule of law" [Maßnahmen, die sich gegen Richter, Staatsanwälte und Mitarbeiter richten, die an der Erfüllung des dem IStGH von Staaten übertragenen Mandats arbeiten, die Rechtsstaatlichkeit untergraben] [4][7]. Der Gerichtshof erklärte, dass "when judicial actors are threatened for applying the law, it is the international legal order itself that is placed at risk" [wenn Justizakteure für die Anwendung des Rechts bedroht werden, die internationale Rechtsordnung selbst gefährdet ist], und erklärte, er bleibe unbeirrt und stehe hinter seinem Personal und den "victims of unimaginable atrocities" [Opfern unvorstellbarer Gräueltaten] [8][9][19].
Balkees Jarrah, Direktorin für den Nahen Osten und Nordafrika bei Human Rights Watch, bezeichnete die Sanktionen als "just the latest example of the Trump administration's utter contempt for international law and a naked attempt to shield American and Israeli officials implicated in serious crimes from justice" [nur das jüngste Beispiel für die völlige Verachtung der Trump-Regierung für das Völkerrecht und einen unverhohlenen Versuch, amerikanische und israelische Beamte, die in schwere Verbrechen verwickelt sind, vor der Justiz zu schützen] [6][11]. Liz Evenson, Direktorin für internationale Justiz bei Human Rights Watch, erklärte, dass "the Trump administration seeks a get-out-of-jail-free card for whomever it chooses" [die Trump-Regierung eine Freikarte aus dem Gefängnis für jeden anstrebt, den sie auswählt] [4][24]. Amnesty International argumentierte, dass die Sanktionen die Gerechtigkeit nicht nur für Palästinenser untergraben, sondern für alle Opfer der schlimmsten Verbrechen der Welt, einschließlich in Afghanistan, der Ukraine und dem Sudan [28].
Vier in den USA ansässige Menschenrechtsgruppen — Human Rights Watch, Open Society Institute, American Friends Service Committee und Center for Constitutional Rights — reichten eine Klage ein, in der sie die Sanktionen als "blatantly illegal" [offenkundig illegal] bezeichneten und erklärten, die Gruppen würden gezwungen, Menschenrechts- und Rechtsarbeit unter Verletzung der Rechte aus dem Ersten und Fünften Verfassungszusatz sowie des Religious Freedom Restoration Act einzuschränken [20]. Drei IStGH-Richter — Kimberly Prost aus Kanada, Solomy Balungi Bossa aus Uganda und Reine Alapini-Gansou aus Benin — verklagten die Trump-Regierung separat vor einem Bundesgericht in New York und argumentierten, die Maßnahmen seien rechtswidrig und darauf angelegt, außergerichtlichen Druck auszuüben, um Richter zu bestrafen und zu nötigen [4].
Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu begrüßte die Sanktionen und nannte den IStGH "a kangaroo court that cloaks its abuse of power in the language of international law" [ein Scheingericht, das seinen Machtmissbrauch in die Sprache des Völkerrechts kleidet] [6][11]. Die Sanktionen stehen im Zusammenhang mit Haftbefehlen des IStGH aus dem Jahr 2024 gegen Netanjahu und den ehemaligen Verteidigungsminister Yoav Gallant sowie mit den Ermittlungen des Gerichtshofs zu mutmaßlichen Verbrechen von US-Personal in Afghanistan [3][7][15].
Der niederländische Außenminister Tom Berendsen erklärte, die Niederlande "disapproves of the latest sanctions against officials and staff of the International Criminal Court" [missbilligen die jüngsten Sanktionen gegen Beamte und Mitarbeiter des Internationalen Strafgerichtshofs] und dass "international courts and tribunals must be able to freely carry out their mandates" [internationale Gerichte und Tribunale in der Lage sein müssen, ihre Mandate frei auszuüben] [14]. Ein Sprecher der EU-Kommission wies die US-Behauptung zurück, der IStGH bedrohe die Souveränität der USA, und erklärte, Angriffe oder Drohungen gegen Vertreter des Gerichtshofs seien "einfach nicht akzeptabel" [einfach nicht akzeptabel] [34]. Der französische IStGH-Richter Nicolas Guillou erklärte, die Sanktionen könnten zu "une menace considérable pour l'Etat de droit dans le monde entier et en Europe" [einer erheblichen Bedrohung für die Rechtsstaatlichkeit weltweit und in Europa] werden [27]. Le Monde berichtete, die EU habe Schwierigkeiten, eine konkrete Antwort zu finden, da Forderungen nach Aktivierung des EU-Blocking-Statuts nicht erhört worden seien, weil die Abhängigkeit der globalen Finanzarchitektur vom US-System europäische Institutionen verwundbar mache [27].
Japan äußerte Besorgnis über die Sanktionen gegen Akane, eine japanische Staatsangehörige. Der japanische Regierungssprecher Minoru Kihara erklärte, Japan verfolge die Ankündigungen der USA "with concern" [mit Besorgnis] und bekräftigte Japans beständige Unterstützung für den IStGH [6]. Ein hoher Beamter des japanischen Außenministeriums äußerte Unmut und erklärte, "ICCにとっていいことであるわけがない" [es kann für den IStGH nicht gut sein], während er betonte, wie wichtig es sei, sicherzustellen, dass die Sanktionen die allgemeinen Beziehungen zwischen den USA und Japan nicht negativ beeinflussen [29].
Die frühere IStGH-Chefanklägerin Fatou Bensouda berichtete, dass der ehemalige Leiter des israelischen Geheimdienstes Mossad sie in einer Reihe von Treffen unter Druck gesetzt habe, ihre Ermittlungen zu mutmaßlichen Kriegsverbrechen im besetzten Palästina einzustellen, und dass unbekannte Männer zu ihr nach Hause gekommen seien und ihr einen Umschlag mit 500 Dollar übergeben hätten, um zu zeigen, dass sie wüssten, wo sie wohne [18][20]. Bensouda erklärte: "They came directly to my house. I got the message that they're sending" [Sie kamen direkt zu mir nach Hause. Ich habe die Botschaft verstanden, die sie senden] [18][20].
Auf Afrika fokussierte Berichterstattung argumentierte, dass Washingtons Kampagne gegen den IStGH afrikanischen Regierungen mit schlechter Menschenrechtsbilanz einen politischen Zufallsgewinn verschafft, die den Druck der USA als Rechtfertigung nutzen, um aus der Gerichtsbarkeit des Gerichtshofs auszutreten [22]. Tschad und Venezuela haben ihren Austritt aus dem IStGH angekündigt [16], und die USA haben afrikanische Mitgliedstaaten, darunter Uganda und Benin, unter Druck gesetzt, mit Konsequenzen gedroht und Desinformation eingesetzt, um Austritte voranzutreiben [30][33].
Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, verurteilte den IStGH als "Это псевдосуд" [ein Pseudogericht] und eine Quasi-Vereinigung und wies darauf hin, dass der Großteil der Weltbevölkerung außerhalb seiner Gerichtsbarkeit lebt und dass er niemals ernsthaft Verbrechen untersucht hat, die von NATO-Staaten begangen wurden [35]. Rechtswissenschaftler von Just Security veröffentlichten eine punktweise Widerlegung von Rubios Gastbeitrag im Wall Street Journal, korrigierten sachliche Behauptungen über die Gerichtsbarkeit des IStGH und hoben Widersprüche in der US-Politik gegenüber dem Gerichtshof hervor [31]. Chinesische Staatsmedien Xinhua und CGTN sowie die türkische staatliche Nachrichtenagentur Anadolu Ajansı berichteten über die Sanktionen weitgehend im Rahmen der Darstellung der US-Regierung, wobei Anadolu Ajansı auf die Nichtmitgliedschaft der USA und Israels im Römischen Statut hinwies [25][26][5].
Die Sanktionen treten mit einer Frist zur Einhaltung bis zum 17. September in Kraft [15], während Klagen, die ihre Rechtmäßigkeit anfechten, vor US-Bundesgerichten anhängig sind [4][20]. Der IStGH hat erklärt, er werde sein Mandat weiterhin unabhängig und unparteiisch im Einklang mit dem Römischen Statut ausüben [10].