Ein nächtlicher russischer Raketen- und Drohnenangriff auf Kiew tötete mindestens 13 Menschen, wobei einige Medien von bis zu 17 Toten berichteten, und verletzte Dutzende [3][7][15]. Der Angriff traf auch die Regionen Odessa und Tschernihiw und beschädigte einen Grenzübergang zu Moldau sowie Gasinfrastruktur [15][34]. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, der Angriff sei "massive" [massiv] und lange vorbereitet gewesen und habe ballistische Raketen, Marschflugkörper und Drohnen kombiniert, um maximalen Schaden an ziviler Infrastruktur zu verursachen [4][7][23]. Das Russische Verteidigungsministerium erklärte, die Angriffe hätten militärisch-industrielle Anlagen zum Ziel gehabt, darunter Produktionsanlagen für Drohnenkomponenten, das Luftfahrtunternehmen Antonow, Munitionsdepots und Logistikzentren [3][13][36].

Ukrainische Beamte, UN-Generalsekretär António Guterres und internationale Medien berichteten, dass der stundenlange Angriff Wohngebäude, ein Kinderkrankenhaus, eine Schule, einen Kindergarten und Lagerhäuser traf, darunter Einrichtungen des Ukrainischen Roten Kreuzes [1][3][7][16][26]. Bürgermeister Vitaliy Klitschko berichtete, dass die oberen Stockwerke eines neunstöckigen Wohngebäudes im Bezirk Solomjanskyj zerstört wurden, und erklärte den 21. August zum Trauertag [1][11][18]. Das Verteidigungsministerium Russlands, unterstützt von russischen Staatsmedien, hielt daran fest, dass alle Ziele militärisch-industrieller Natur gewesen seien, und erklärte, die Operation habe Präzisionswaffen gegen Unternehmen der Militärindustrie, ein Transport- und Logistikzentrum sowie Lagerhäuser eingesetzt [36]. Das Ministerium meldete außerdem den Abschuss von 726 ukrainischen Drohnen in der Nacht [16].

Selenskyj brachte die Opfer direkt mit dem erschöpften Bestand der Ukraine an Patriot-Abfangraketen in Verbindung und erklärte, dass "the interceptors for Patriot systems have not yet been replaced, and they are needed every day" [die Abfangraketen für Patriot-Systeme wurden noch nicht ersetzt, und sie werden jeden Tag gebraucht] und dass "each additional missile saves the lives of our people" [jede zusätzliche Rakete rettet das Leben unserer Menschen] [10][12][27]. Er argumentierte, dass "as long as Ukraine does not have enough anti-ballistics, Russia will not seriously think about peace" [solange die Ukraine nicht genug Antiballistik hat, wird Russland nicht ernsthaft über Frieden nachdenken] [3][15]. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen antwortete, die Bereitstellung antiballistischer Fähigkeiten sei "the most urgent of priorities" [die dringendste aller Prioritäten] [10]. Klitschko erklärte, die kritische Infrastruktur sei zum ersten Mal seit Monaten "purposefully attacked" [gezielt angegriffen] worden [3][32].

Analysten führen den weltweiten Mangel an Patriot-Abfangraketen auf frühere Fehlallokation und den parallelen Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Iran zurück. Der Strategieanalyst Patrick Bolder vom HCSS erklärte, dass Golfstaaten teure Patriot-Raketen gegen billige Drohnen eingesetzt hätten, und nannte dies "natuurlijk waanzin" [natürlich Wahnsinn] [37]. Die BBC berichtete, dass die Vereinigten Staaten ihre eigenen Bestände aufgrund des Krieges mit Iran aufgebraucht hätten [35]. Der Militärexperte Ivan Stupak verglich die Situation mit dem Besitz von "a Lamborghini but have no fuel" [einem Lamborghini, aber ohne Treibstoff] [35].

US-Beamte und Rüstungsunternehmen weisen darauf hin, dass Lizenzproduktion im Ausland, der Schutz proprietärer Technologie und die Aufrechterhaltung der heimischen Einsatzbereitschaft einschränken, wie schnell Patriot-Systeme die Ukraine erreichen können [35][38][43]. Der US-Botschafter bei der NATO, Matthew Whitaker, erklärte, dass "we do not allow anybody but US manufacturers to make those in the United States" [wir erlauben niemandem außer US-Herstellern, diese in den Vereinigten Staaten zu fertigen] und dass langfristige Produktionsvereinbarungen nicht vor dem Winter abgeschlossen würden [43]. Raytheon-Manager Tom Laliberty erklärte, das Unternehmen arbeite mit der Regierung zusammen, um zu bestimmen, was für die Ukraine machbar sei [43]. Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius erklärte, Deutschland leiste Hilfe "so weit, wie wir es mit Blick auf unsere eigene Einsatzbereitschaft vertreten können" [so weit, wie wir es mit Blick auf unsere eigene Einsatzbereitschaft vertreten können] [38]. Die sicherheitspolitische Sprecherin der deutschen Grünen, Sara Nanni, appellierte an die NATO-Partner, mehr Abfangraketen freizugeben, und erklärte, dass "jede Nacht, die die Ukraine quasi ohne Luftverteidigung dasteht, sterben Menschen in immer höheren Zahlen" [jede Nacht, in der die Ukraine quasi ohne Luftverteidigung dasteht, sterben Menschen in immer höheren Zahlen] [38].

Der ukrainische Außenminister Andrii Sybiha warnte, dass das Übergreifen russischer Drohnen und Raketen auf Polen, Rumänien und Moldau Teil einer bewussten und systemischen Strategie sei, und erklärte, "these are not isolated incidents" [dies sind keine Einzelfälle] und dass "the aggressor state is increasingly testing the resolve of Nato" [der Aggressorstaat testet zunehmend die Entschlossenheit der NATO] [24]. Das polnische Militärkommando ließ Kampfjets aufsteigen, und das rumänische Verteidigungsministerium meldete den Absturz einer Drohne im Kreis Tulcea [4][7]. Rumänien zerstörte eine Seedrohne nahe der Offshore-Gasplattform Neptun Deep, wobei Verteidigungsminister Radu Miruță erklärte, die Entscheidung sei getroffen worden, "to protect the lives of the several hundred people working on the platform" [um das Leben der mehreren hundert Menschen zu schützen, die auf der Plattform arbeiten] [24]. Von der Leyen warnte vor "an escalating campaign of threats" [einer eskalierenden Kampagne von Drohungen], die darauf abziele, die EU zu spalten [24]. Das finnische Verteidigungsministerium vermutete, dass ein russisches Flugzeug seinen Luftraum verletzt habe [7].

Anwohner beschrieben die Auswirkungen des Angriffs in direkten Worten. Die Grundschullehrerin Anastasiia Kovtun sagte: "it's so frightening to realise it's your house, you never think you're going to be next" [es ist so beängstigend zu erkennen, dass es dein Haus ist, man denkt nie, dass man der Nächste sein wird] [3]. Die Anwohnerin Galina Morozova beschrieb "two explosions at the same time, like nothing I'd ever heard before" [zwei Explosionen gleichzeitig, wie nichts, was ich je zuvor gehört hatte] [11]. Olena Postoyuk, zuvor aus dem Bezirk Darnytskyi vertrieben, sagte: "all I'm left with is what I'm wearing at the moment" [mir bleibt nur, was ich im Moment trage] und bat um Abfangraketen mit den Worten: "give us something to shoot down these missiles, because nothing gets shot down" [gebt uns etwas, um diese Raketen abzuschießen, denn es wird nichts abgeschossen] [26][32].

Der Generalstab der Ukraine bestätigte Angriffe auf die Ölraffinerie Taneco in Tatarstan, die "can process up to 16 million tons of crude oil per year" [bis zu 16 Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr verarbeiten kann] und die russische Armee beliefert, sowie auf das Terminal Tamanneftegaz in der Region Krasnodar [11]. Der Militärgeheimdienst der Ukraine (HUR) meldete Angriffe auf Drohnenlager und -startplätze sowie Radarsysteme auf Flugplätzen in Primorsko-Achtarsk und im besetzten Donezk [11]. Der Moskauer Bürgermeister Sergei Sobjanin berichtete, dass in der Nacht 250 Drohnen in Richtung der Region Moskau flogen, von denen 28 in der Region zerstört wurden [23][25]. Die Behörden in Tatarstan meldeten Verletzte und beschädigte Häuser durch ukrainische Drohnenangriffe [27][33]. Ein Bericht von ACLED zur Beobachtung der humanitären Lage deutete den Anstieg russischer Angriffe auf zivile Lagerhäuser in der Region Kiew als wahrscheinlich vorübergehende Reaktion auf ukrainische Angriffe auf Lagerhäuser eines russischen Online-Händlers [17].

Chinas UN-Vertreter Fu Cong erklärte, Chinas Position sei "坦坦荡荡、一以贯之" [offen und konsequent], und rief zu einem Waffenstillstand und einer politischen Lösung auf, während er kritisierte, was China als von den Vereinigten Staaten vorangetriebene Blockkonfrontation bezeichnet [40]. Indiens Außenminister S. Jaishankar erklärte gegenüber Sybiha aus der Ukraine, dass "such attacks by any party are absolutely unacceptable" [solche Angriffe durch irgendeine Partei absolut inakzeptabel sind] in Bezug auf Angriffe auf Handelsschiffe und indische Seeleute im Schwarzen Meer [41]. Der usbekische Politikanalyst Shavkat Saidov regte an, die Ukraine solle sich entschuldigen und eine Entschädigung für usbekische Arbeiter in Betracht ziehen, die bei ukrainischen Drohnenangriffen innerhalb Russlands getötet wurden [42].

Der Angriff ereignete sich vor dem Hintergrund innenpolitischer Unruhen in der Ukraine, mit der Bestätigung des neuen Verteidigungsministers Yevhenii Khmara, nachdem sein Vorgänger Mykhailo Fedorov zu Kriegszeiten Wahlen gefordert hatte, was Straßenproteste auslöste [21]. Die Oppositionsabgeordnete Solomiia Bobrovska nannte es "a mistake" [einen Fehler], Khmara aus der Geheimdienstarbeit herauszuziehen [21]. Eine als Emilia identifizierte Demonstrantin erklärte, ohne Wahlen dächten die Machthaber: "I can sit here and do whatever I want" [Ich kann hier sitzen und tun, was ich will] [21].

Die ukrainische Luftwaffe meldete, dass fast 90 Prozent der Drohnen und die meisten Marschflugkörper abgeschossen wurden, machte jedoch keine Angaben zu Abfängen ballistischer Raketen [27][33]. Der ukrainische Rüstungskonzern Fire Point entwickelt das einheimische antiballistische Raketensystem "Freya" [26]. Der Militärgeheimdienst der Ukraine (HUR) schätzt, dass Russland nach einer Produktionspause zur Verbesserung der Zielgenauigkeit noch über etwa 50 Kinschal-Raketen verfügt [11]. Selenskyj erklärte, Kiew habe den Unterhändlern der Vereinigten Staaten Vorschläge für einen Plan zur Beendigung des Krieges übermittelt [25], während die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, erklärte, Moskau habe keine konkreten Vorschläge für neue Treffen erhalten, wäre aber bereit, kurzfristig eines zu organisieren [25].