Russische Drohnenangriffe trafen am 21. August ein Einkaufszentrum in Krywyj Rih und töteten mindestens 15 Menschen; über 130 wurden verletzt, wobei eine zweite Drohne etwa 30 Minuten nach dem ersten Einschlag die Einsatzkräfte traf [2][3][5]. Der Angriff folgte auf einen nächtlichen Beschuss Kiews am 20. August, bei dem mindestens 16 Menschen durch Kinschal- und Zirkon-Hyperschallraketen sowie rund 170 Drohnen getötet wurden [7][8][17]. Der Regionalgouverneur Oleksandr Ganzha berichtete, dass sich 29 Menschen in ernstem Zustand befänden, darunter fünf Kinder, und dass neun Menschen, darunter zwei Kinder, weiterhin vermisst würden, während die Rettungsarbeiten andauerten [3][5][34].
Präsident Wolodymyr Selenskyj verurteilte den Angriff auf Krywyj Rih als "an absolutely cynical and despicable strike" [einen absolut zynischen und verabscheuungswürdigen Angriff] und bezeichnete die Angriffe als "nothing less than terrorist acts" [nichts weniger als terroristische Akte]; er erklärte, die zweite Drohne habe gezielt die Rettungsdienste angegriffen [2][4][25]. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas bezeichnete den Angriff als "terror by design" [Terror mit Absicht] und kündigte an, die weitreichendsten Sanktionslisten gegen Russland seit Kriegsbeginn vorzulegen [21]. Der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe in der Ukraine, Matthias Schmale, verurteilte den Angriff und erklärte, das humanitäre Völkerrecht verbiete unterschiedslose Angriffe auf Zivilisten und zivile Objekte [15]. Der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinets erklärte: "the Russian army once again proves that civilians are a deliberate target for it in this war against Ukraine" [die russische Armee beweist erneut, dass Zivilisten für sie in diesem Krieg gegen die Ukraine ein vorsätzliches Ziel sind] [25].
Das russische Verteidigungsministerium erklärte, seine Angriffe hätten militärischen Einrichtungen gegolten, darunter einem Hüttenwerk in Krywyj Rih, das Stahl für Rüstungsgüter produziere, sowie Einrichtungen in Kiew, die Drohnenkomponenten herstellten, einem Militärdepot und einem Logistikzentrum [20][24][43]. Russische Beamte haben sich zu dem Angriff auf das Einkaufszentrum nicht konkret geäußert [18][38]. Der russische Einzelhändler Wildberries, dessen Lager von ukrainischen Drohnen getroffen wurden, bestritt, dass seine Einrichtungen militärische Komponenten lagerten, und warf der Ukraine vor, zivile Infrastruktur anzugreifen [18].
Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte, die westlichen Staaten würden der Unterstützung der Ukraine zunehmend überdrüssig, und deutete an, dass Akteure innerhalb der Ukraine die Instabilität ausnutzten; er sagte, "someone is trying to fish in troubled waters" [jemand versucht, im Trüben zu fischen] innerhalb der Ukraine [8].
Selenskyj erklärte, der Mangel an Ersatz für Patriot-Abfangraketen koste Menschenleben, und Russland werde Frieden nicht ernsthaft in Betracht ziehen, solange die Ukraine über keine Antiraketen verfüge [20][24]. Die Ukraine fange etwa 90 Prozent der russischen Marschflugkörper ab, sei aber gegen ballistische Raketen weit weniger wirksam, so Selenskyj [14]. Ein CSIS-Bericht schätzte, dass die US-Bestände an Patriot PAC-3 MSE von über 2.300 auf etwa 800 gesunken seien, was weitere Lieferungen an die Ukraine erschwere [44]. Deutschland, Polen, die Niederlande und Schweden haben alle angegeben, keine weiteren Abfangraketen liefern zu können [44]. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte, die Bereitstellung von Antiraketenfähigkeiten für die Ukraine sei die dringlichste Priorität [24].
Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko erklärte, kritische Infrastruktur sei zum ersten Mal seit Monaten gezielt angegriffen worden, warnte vor möglichen Ausfällen der Warmwasserversorgung und sagte, die Ukraine benötige mehr Munition und Raketenabwehrsysteme von ihren Partnern [20]. Klitschko berichtete außerdem, dass seit Beginn der groß angelegten Invasion etwa 4.000 der 12.000 Wohngebäude Kiews durch russische Angriffe beschädigt worden seien, wobei jeder Angriff den Stadthaushalt etwa 500 Millionen Hrywnja koste [32].
Die Koalition der Willigen soll am Unabhängigkeitstag der Ukraine in Kiew zusammentreten, unter dem gemeinsamen Vorsitz des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, des deutschen Bundeskanzlers Friedrich Merz und des britischen Premierministers Andy Burnham; die Teilnahme des Präsidenten des Europäischen Rates, Antonio Costa, wird erwartet [18][21][35]. Im Mittelpunkt des Treffens werden Sicherheitsgarantien und Maßnahmen gegen die russische Schattenflotte stehen [35]. Der ukrainische Außenminister Andrii Sybiha forderte die verbündeten Länder auf, Luftabwehrraketen bereitzustellen und zusätzliche Sanktionen gegen die russische Rüstungsindustrie zu verhängen [18][34].
Die Ukraine führte Vergeltungsschläge mit großer Reichweite auf russische Öl- und Militärinfrastruktur aus, darunter einen Drohnenangriff auf eine Lukoil-Raffinerie in Perm und den Militärflugplatz Marinowka [6][31]. Selenskyj bezeichnete diese Schläge als "long-range sanctions" [Sanktionen mit großer Reichweite], um "return the consequences of the war to where it came from" [die Folgen des Krieges dorthin zurückzubringen, woher sie kamen] [31]. Der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte bestätigte Schläge auf die Ölraffinerie Taneco in Tatarstan und erklärte, sie verarbeite jährlich bis zu 16 Millionen Tonnen Rohöl und beliefere die russische Armee [11]. Ein ukrainischer Drohnenangriff auf Tatarstan, bei dem acht usbekische Arbeiter getötet wurden, hat die Neutralität Usbekistans auf die Probe gestellt; Analysten legen nahe, dass die Ukraine verpflichtet sei, sich zu entschuldigen, und dass sich die öffentliche Meinung in Usbekistan infolgedessen verschieben könnte [48].
Anwohner und Beschäftigte des Einkaufszentrums beschrieben die Angriffe in persönlichen Worten. Galina Morozova, eine Anwohnerin des Kiewer Stadtteils Solomjanskyj, berichtete, sie habe "two explosions at the same time, like nothing I'd ever heard before" [zwei Explosionen gleichzeitig gehört, wie nichts, was ich je zuvor gehört hatte] und sei mit Glassplittern und Trümmern bedeckt worden [11]. Anastasiia Kovtun, eine Grundschullehrerin in Kiew, sagte: "it's so frightening to realise it's your house, you never think you're going to be next" [es ist so beängstigend zu begreifen, dass es dein Haus ist; man denkt nie, dass man der Nächste sein könnte] [20]. Eine Beschäftigte des Einkaufszentrums in Krywyj Rih beschrieb die Szene: "`В комплексе было много людей. Все кричали, все бежали, много кто был ранен` (There were many people in the complex. Everyone was screaming, everyone was running, many were wounded)" [Im Komplex waren viele Menschen. Alle schrien, alle rannten, viele waren verletzt] [38]. Eine andere Beschäftigte sagte, sie habe Angst gehabt, dass es einen weiteren Angriff geben könnte [34].
Der von Moskau eingesetzte Donezker Beamte Denis Puschilin berichtete, ukrainische Angriffe hätten im russisch besetzten Donbas mindestens fünf Menschen getötet und 13 verletzt, und bot damit eine Gegendarstellung ziviler Opfer, die den ukrainischen Streitkräften zugeschrieben werden [16]. Der FSB gab die Festnahme von acht Personen bekannt, die verdächtigt werden, einen Drohnenangriff auf einen Rüstungsbetrieb in der Oblast Moskau vorbereitet zu haben, angeblich organisiert vom ukrainischen Rapper Kievstoner, der eine Beteiligung bestritt [26].
Rumänische Beamte berichteten, dass russische Drohneneindringlinge in den NATO-Luftraum zugenommen haben, mit 23 Verletzungen im Jahr 2026 im Vergleich zu 18 in den Jahren 2022 bis 2025, und legten nahe, dass eine "hybrid intention" [hybride Absicht] aufseiten Moskaus nicht ausgeschlossen werden könne [36]. Der Sprecher des rumänischen Außenministeriums, Andrei Tarnea, erklärte, Spekulationen darüber, ob die Eindringlinge absichtlich erfolgten, dienten Moskaus Ziel, die Verantwortung zu verwässern [36]. Während der Angriffe stürzten auch Drohnen in Moldau ab [24].
Die Angst vor einer neuen militärischen Mobilmachung in Russland treibt eine zunehmende Auswanderung an; die Umzugsunterstützungsseite Relokatz erhält etwa 120 Informationsanfragen pro Tag, gegenüber zuvor 10 bis 20 [27]. Chefredakteurin Alexandra Nazarova führte den Anstieg auf "a more generalized feeling: it is impossible to live in Russia, you have to leave" [ein allgemeineres Gefühl: Es ist unmöglich, in Russland zu leben, man muss gehen] und die Angst vor der Mobilmachung zurück [27].
Das Treffen der Koalition der Willigen in Kiew wird sich voraussichtlich mit Sicherheitsgarantien und weiteren Unterstützungsmaßnahmen befassen, während Kallas' vorgeschlagenes Sanktionspaket und Gespräche über die Aufstockung der Luftverteidigung noch ausstehen, während die Angriffe in der gesamten Ukraine andauern [21][35].