Die Türkei bezeichnete Israels E1-Siedlungsplan im Westjordanland als eine neue Phase des „räumlichen Genozids“ [18] und beantragte Interpol-Rotbullen gegen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wegen Völkermords, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Folter im Zusammenhang mit der Abfangaktion gegen die Global-Sumud-Flottille im Mai [1][4][11]. Der türkische Justizminister Akin Gurlek kündigte den Antrag an und gelobte, alle verfügbaren rechtlichen Mechanismen zu nutzen, um Israel zur Rechenschaft zu ziehen [1][20][32]. Netanjahu wies den Haftbefehl als „Erdogan's pathetic attempt to intimidate the leaders and soldiers of Israel“ [Erdogans erbärmlichen Versuch, die Führung und die Soldaten Israels einzuschüchtern] zurück [1] und nannte den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan „an antisemitic dictator who massacred Kurds, supports the massacre of the Hamas terrorist organisation, and oppresses his own people“ [einen antisemitischen Diktator, der Kurden massakriert hat, das Massaker der Terrororganisation Hamas unterstützt und sein eigenes Volk unterdrückt] [2][4]. Netanjahu warnte separat, Israel werde „keine türkische Militärpräsenz dulden, die sich auf ihrem Weg nach Süden“ in Syrien etabliere [8].

Der Syrien-Streit dreht sich um Israels Angriff auf den Luftwaffenstützpunkt Abu al-Duhur. Netanjahu erklärte, Israel habe Syrien davor gewarnt, eine türkische Präsenz zuzulassen, und sagte: „Our message was very clear. Don't. I guess they didn't quite understand the message“ [Unsere Botschaft war sehr klar. Nicht tun. Ich schätze, sie haben die Botschaft nicht ganz verstanden] [3]. Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz warnte, Erdogan „ziehe die Türkei in gefährliche Abenteuer in Syrien hinein“ [3][30]. Israelische Beamte definierten rote Linien, darunter keine türkischen Radaranlagen, Präzisionsraketen oder Angriffsdrohnen in Syrien [24], und Botschafter Yechiel Leiter sagte, Israel habe Geheimdienstinformationen erhalten, wonach die Türkei beabsichtige, ihre militärische Präsenz auszuweiten [25]. Ein Meinungsartikel in Israel Hayom argumentierte, dass Artikel 5 der NATO türkische Streitkräfte auf syrischem Boden nicht schützen würde [15].

Türkische und syrische Beamte bestritten jegliche türkische Militärstationierung. Der syrische Außenminister Asaad al-Shaibani erklärte, es gebe „keine Absicht, dort einen türkischen Stützpunkt zu errichten oder eine dauerhafte türkische Militärpräsenz aufzubauen“, und sagte, türkische Offiziere seien zu Ausbildungszwecken zu Besuch gewesen [3][22]. Der Sprecher des türkischen Verteidigungsministeriums, Zeki Akturk, bestritt, dass vor oder während der Angriffe eine türkische Militärdelegation anwesend gewesen sei [22]. Das türkische Verteidigungsministerium nannte die israelischen Angriffe „inakzeptabel und rücksichtslos“ [3], und Erdogan bestritt jegliche militärische Präsenz auf dem Stützpunkt [2].

Die Türkei warf Israel vor, die Konfrontation aus innenpolitischem Vorteil zu inszenieren. Die Kommunikationsdirektion des türkischen Präsidialamts bezeichnete Netanjahus Darstellung der Türkei als neue Bedrohung als kleinliches politisches Manövrieren, das auf die Sicherung eines Wahlvorteils abziele [9]. Burhanettin Duran, Kommunikationschef des türkischen Präsidialamts, nannte die Feindseligkeit gegenüber der Türkei „eine politische Rettungsleine vor den israelischen Wahlen“ [25]. Ein türkischer Zeitungskolumnist stellte Israel als von „einer arroganten Bande“ regiert dar, die die Staatsräson verloren habe, während er die Türkei als von Jahrhunderten rationaler Staatskunst geleitet zeichnete [7].

Israel veröffentlichte eine öffentliche Ausschreibung für über 1.200 Wohneinheiten im E1-Gebiet zwischen Ostjerusalem und Ma'ale Adumim [10][13], wobei eine israelische Quelle berichtete, die Regierung habe 3.401 Einheiten für den Plan genehmigt [26]. Frankreich, Deutschland, das Vereinigte Königreich, Italien und Kanada gaben eine gemeinsame Erklärung ab, in der sie den Plan als schweren Verstoß gegen das Völkerrecht bezeichneten und Unternehmen vor Geboten warnten [13][16]. Bundeskanzler Friedrich Merz äußerte große Besorgnis; der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille erklärte, es dürfe keine weiteren Annexionsschritte im Westjordanland geben [10][16]. Der britische Außenminister Ed Miliband nannte die Ausschreibung „einen inakzeptablen und destruktiven Akt“ und kündigte bevorstehende Sanktionen an [21][31]. Der französische Außenminister Jean-Noël Barrot kündigte Sanktionen gegen den israelischen Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, an und erklärte, was im Westjordanland geschehe, sei „utterly disgraceful and should fill us all with revulsion“ [zutiefst schändlich und sollte uns alle mit Abscheu erfüllen] [6].

UN-Generalsekretär António Guterres äußerte tiefe Besorgnis über die E1-Ausschreibung; sein Sprecher Stéphane Dujarric erklärte, sie würde Ostjerusalem vom Westjordanland abtrennen und eine existenzielle Bedrohung für die Zweistaatenlösung darstellen [34]. Die Außenminister der Türkei, Ägyptens, Saudi-Arabiens, der VAE und anderer nahöstlicher Staaten lehnten den Plan gemeinsam als gefährlichen Vormarsch von Siedlungsausbau und Annexion ab [19]. Das UN-Menschenrechtsbüro verurteilte Ben-Gvirs Äußerungen als zu Gewalt aufstachelnd und als Verbrechen gegen die Menschlichkeit gleichkommend [34].

Der Sprecher der AK-Partei, Omer Celik, wies die Begriffe „Siedlung“ und „Siedler“ als Euphemismen zurück und bezeichnete das E1-Projekt als „räumlichen Genozid“, der darauf abziele, das Westjordanland zu zerschneiden [18]. Celik erklärte: „Netanyahu şebekesinin Batı Şeria'yı 'Gazzeleştirme'ye dönük soykırım politikası devam ediyor“ [Die Politik des „Gazafizierens“ des Westjordanlands durch Genozid durch Netanjahus Netzwerk geht weiter] [18].

Der israelische Finanzminister Bezalel Smotrich wies die europäischen Sanktionsdrohungen zurück und erklärte: „Ich möchte ihm unmissverständlich sagen: Das britische Mandat im Land Israel ist beendet“ [Ich möchte ihm unmissverständlich sagen: Das britische Mandat im Land Israel ist beendet] [10]. Smotrich erklärte, die Idee eines palästinensischen Staates werde durch das E1-Projekt ausgelöscht [21], und er und Ben-Gvir haben von Ambitionen gesprochen, die Gebietseinteilungen aus der Oslo-Ära abzuschaffen [6]. Yesh Din berichtete, dass die Siedlergewalt in den Gebieten A und B sich nahezu verdoppelt habe, und beschrieb ein koordiniertes Vorhaben zur Annexion von Territorium [6]. Die Hilltop Foundation beschrieb „die große Siedlungsrevolution, die in den Oslo-Gebieten im Gange ist“ [6].

Peace Now warf der Regierung vor, die Zweistaatenlösung begraben zu wollen und eine ausdrückliche staatliche Zusage zu verletzen, und berichtete, die Ausschreibung sei am 18. August vor der Wahl am 27. Oktober veröffentlicht worden [13][27][33]. Der palästinensische UN-Botschafter Riyad Mansour nannte die Entscheidung „extrem gefährlich, unverantwortlich und bedrohlich“ [31]. Der palästinensische Aktivist Jamal Juma warnte, das Projekt werde Beduinengemeinschaften zerstören, und nannte es „eine Katastrophe“ [21][29]. Der israelische Anwalt Daniel Seidemann argumentierte, E1 werde das Westjordanland in zwei Kantone zerschneiden, einen palästinensischen Staat unmöglich machen, und drängte auf europäische Sanktionen [10].

Der US-Sondergesandte für Syrien, Tom Barrack, nannte den israelischen Angriff eine unnötige Eskalation und bestätigte, dass die Türkei nicht gewarnt worden sei; er erklärte, die USA arbeiteten „aktiv an“ einem Deconfliction-Mechanismus, der Israel, Syrien und die Türkei einbeziehe [15][22]. Der Nahost-Analyst Mehmet Akif Koç warnte, falls die Türkei ihren Einfluss in Syrien weiter ausbaue, „il sera inévitable qu'elle entre en guerre avec Israël, qu'un affrontement armé éclate entre les deux pays“ [werde es unvermeidlich sein, dass sie in einen Krieg mit Israel eintritt, dass eine bewaffnete Konfrontation zwischen den beiden Ländern ausbricht] [9].

Die Türkei und zehn weitere Nationen verurteilten den Luftangriff als „son derece tehlikeli bir tırmanışı ve Suriye Arap Cumhuriyeti'nin egemenliğinin, toprak bütünlüğünün ve siyasi birliğinin açık bir ihlalini teşkil etmektedir“ [eine gefährliche Eskalation und eine klare Verletzung der Souveränität, territorialen Integrität und politischen Einheit der Arabischen Republik Syrien] und forderten den Rückzug Israels gemäß dem Entflechtungsabkommen von 1974 [14]. Das syrische Außenministerium forderte Israel auf, seine Angriffe einzustellen, und erklärte, die Angriffe hätten keine sicherheitsbezogene Rechtfertigung [28][12]. Der syrische Landwirt Ahmad Hassan al-Din beschrieb, wie israelische Soldaten seinem 17-jährigen Sohn Handschellen anlegten, obwohl die Familie eine gültige UN-Genehmigung besaß [12]. Der Bewohner von Quneitra, Mousa Khalil, berichtete, sein Haus sei von israelischen Truppen vollständig zerstört worden [12].

Elizabeth Tsurkov vom New Lines Institute argumentierte, Israels Syrien-Ansatz werde von „the collective trauma of October 7th“ [dem kollektiven Trauma des 7. Oktober] und der Annahme getrieben, die neue syrische Regierung sei feindselig und der Türkei untergeordnet [12]. H.A. Hellyer vom Royal United Services Institute beschrieb Israels Vorgehen als „Israeli paramountcy“ [israelische Vorherrschaft], bei der „they have the ability to do what they want“ [sie die Fähigkeit haben, zu tun, was sie wollen] und „laws and rules are out the window“ [Gesetze und Regeln außer Kraft gesetzt sind] [12]. Der Militärexperte Brigadegeneral Hassan Jouni argumentierte, der Angriff spiegele einen Wandel von Abschreckung zu Prävention wider [23].

Die USA arbeiten daran, einen trilateralen Deconfliction-Mechanismus zu etablieren, der Israel, die Türkei und Syrien verbindet [9][15]. Europäische Regierungen haben mit Sanktionen gedroht, falls der E1-Bau voranschreitet [13][16][21], während die israelische Wahl am 27. Oktober näher rückt und Siedlungsausbau sowie der Syrien-Streit zentrale innenpolitische Themen sind [13][25].