Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte, dass Russland sich darauf vorbereite, nach seinen Parlamentswahlen im September etwa 300.000 zusätzliche Soldaten zu mobilisieren, und bezeichnete die geplante Einberufung als eine „periphere Mobilisierung“, die auf entlegene Regionen abziele, um innenpolitische Gegenreaktionen zu minimieren [5][9][24]. Japans Sankei Shimbun berichtete, Selenskyj habe eine Spanne von 300.000 bis 500.000 Soldaten genannt [37]. Selenskyj sagte, die Truppen würden darauf ausgerichtet, den Rest von Donezk einzunehmen, und Russland könne 2027 Hunderttausende weitere mobilisieren [5][12]. Die Warnung kam, als europäische Staats- und Regierungschefs in Kiew zu einem Gipfel der Koalition der Willigen am 35. Unabhängigkeitstag der Ukraine zusammenkamen, bei dem die Verbündeten neue militärische und finanzielle Unterstützung zusagten [2][7][11].

Selenskyj sagte, er glaube, die Mobilisierung werde die großen Städte meiden. „Creemos que no tendrá lugar en las ciudades principales, porque no creo que puedan ocultarlo muy bien“ [Wir glauben, dass sie nicht in den großen Städten stattfinden wird, weil ich nicht glaube, dass sie es sehr gut verbergen können], sagte er El País [5]. Er erklärte, Russland habe seit Jahresbeginn 267.000 Soldaten verloren [25].

Verteidigungsanalysten äußerten Skepsis hinsichtlich der Glaubwürdigkeit und des strategischen Motivs der Warnung. Das in der EU ansässige Medium Defence Matters merkte an, dass die Behauptung unbestätigt bleibe und dass selbst eine Mobilisierung von 300.000 Personen die Kampfkraft möglicherweise nicht erweitere, weil neue Rekruten weitgehend bestehende Verluste ersetzen würden [26]. Sayed Ghanem, Militärexperte und Gastprofessor an der NATO und der Königlichen Militärakademie in Brüssel, argumentierte, die wiederholten Warnungen dienten dazu, europäische Verbündete unter Druck zu setzen, Waffen zu liefern, und die strengere Wehrpflicht der Ukraine zu rechtfertigen [38]. Japans Sankei Shimbun berichtete, dass selbst bei einer russischen Mobilisierung die Gewinne durch gesellschaftliche Verluste aufgewogen werden könnten [37].

Unabhängige russischsprachige Medien berichteten, dass eine erzwungene Mobilisierung bereits im Gange sei. The Moscow Times dokumentierte Beschwerden aus 17 russischen Regionen über Festnahmen und erzwungene Vertragsunterzeichnungen, die sich oft gegen Männer mit Alkohol-, Drogen- oder psychischen Problemen oder mit rechtlichen Schwierigkeiten richteten [34]. Radio Free Europe/Radio Liberty beschrieb ein wachsendes elektronisches Einberufungsregister, wobei Daria Berg von der zivilgesellschaftlichen Gruppe Idite Lesom anmerkte, der Prozess sei „less like a single wave and more like a net that catches people in different ways“ [weniger wie eine einzelne Welle und mehr wie ein Netz, das Menschen auf unterschiedliche Weise fängt] [35]. Artyom Klyga, Anwalt bei der Bewegung der Kriegsdienstverweigerer, sagte, das elektronische Register funktioniere besser als vor einem Jahr und „the risk is no longer theoretical“ [das Risiko ist nicht länger theoretisch] [35].

Die Ukraine bereitet gleichzeitig Anpassungen ihrer eigenen Einberufungspolitik vor. Roman Kostenko, Sekretär des parlamentarischen Verteidigungsausschusses, sagte, Änderungen am Einberufungsalter würden diskutiert, weil finanzielle Anreize für freiwillige Verträge die Rekrutierung nicht wesentlich gesteigert hätten [9].

Ukrainische Militärkommandeure berichteten von Drohnenangriffen auf russische Wirtschaftsinfrastruktur, darunter Ölraffinerien, Ozon-E-Commerce-Lager in Orenburg und Samara sowie militärische Anlagen in der Region Krasnodar [2][9][21]. Robert „Magyar“ Brovdi, Kommandeur der Kräfte für unbemannte Systeme, berichtete von Angriffen auf zwei russische Kampfflugzeuge — eine Su-33 und eine MiG-29 — sowie auf Luftabwehrsysteme und Radare in der Region Krasnodar, im Gebiet Rostow und auf der besetzten Krim [22]. Der frühere Verteidigungsminister Mijailo Fedorov kündigte ein neues KI-gesteuertes Langstrecken-Drohnenprogramm an, das nach dem Prinzip „fire and forget“ ohne GPS oder Internet arbeitet, und erklärte: „Savaşta teknoloji üstünlüğü bizde“ [Im Krieg liegt die technologische Überlegenheit bei uns], sagte jedoch, Selenskyj habe seinen Einsatz noch nicht genehmigt [6].

Der russische Präsident Wladimir Putin wies die Angriffe als "maceracı bir reklam kampanyasının ötesine geçemedi" [konnte nicht über eine abenteuerliche PR-Kampagne hinausgehen] zurück, die begrenzten wirtschaftlichen Schaden verursacht hätten, und warnte zugleich, die Ukraine habe "abierto la caja de Pandora" [die Büchse der Pandora geöffnet] und werde mit einer Reaktion gegen ihre empfindlichsten Wirtschaftssektoren rechnen müssen [5][6]. Kremlsprecher Dmitri Peskow warf dem Vereinigten Königreich vor, "jette de l'huile sur le feu de façon méthodique et régulière" [methodisch und regelmäßig Öl ins Feuer zu gießen], indem es die Produktion von SCALP-Langstreckenraketen ermögliche [11].

Unabhängige Analysten gaben eine gemischte Einschätzung der wirtschaftlichen Auswirkungen der Angriffe ab. Das OSW-Zentrum für Oststudien in Warschau dokumentierte Schäden an russischen Ölraffinerien und der Logistikinfrastruktur [27]. Die Kyiv Post berichtete, Russland sei gezwungen gewesen, Treibstoff zu importieren, mit Warteschlangen und Rationierung in Moskau [28]. Meduza stellte anhand thermischer Satellitendaten fest, dass einige gemeldete Raffinerieschäden übertrieben dargestellt worden seien, während andere nicht gemeldete Schäden erheblich gewesen seien [29]. BBC News Russian berichtete von einem Rückgang des Aktienkurses von Ozon um 20 Prozent [36]. Der Investmentanalyst Artjom Nikolajew argumentierte, das Geschäft von Ozon sei gut diversifiziert und eine Insolvenz unwahrscheinlich, auch wenn das Unternehmen mit erheblichen finanziellen und reputativen Verlusten rechnen müsse [36].

Der Präsident des Europäischen Rates, Antonio Costa, erklärte in Kiew "il sostegno incondizionato dell'Ue" [die bedingungslose Unterstützung der EU] und sagte: "La sua lotta è anche la nostra lotta" [Ihr Kampf ist auch unser Kampf] [1]. Die Europäische Kommission gab 6,1 Milliarden Euro an Militärhilfe für Luftabwehr, Raketen und Radar frei [14][20]. Der britische Premierminister Andy Burnham kündigte die Genehmigung für MBDA an, Verschlusssachen freizugeben, die eine lokale Produktion von SCALP-Raketen ermöglichen, und erklärte: "Rusia no debe tener ninguna duda sobre nuestra determinación" [Russland darf keinen Zweifel an unserer Entschlossenheit haben] [7]. Norwegen sagte 9 Milliarden Dollar für 2027 zu [11], und Finnland unterzeichnete mit der Ukraine Abkommen der Verteidigungsindustrie über Drohnen- und unbemannte Marinesysteme [18].

Selenskyj gab bekannt, dass die Lieferungen von Patriot-Abfangraketen von 675 im Jahr 2023 auf voraussichtlich 264 im Jahr 2026 gesunken seien, und forderte ein Paket von mindestens 300 Abfangraketen für den kommenden Winter [2][5][7]. Trotz der Ankündigung von Präsident Donald Trump, der Ukraine eine Produktionslizenz für Patriot-Systeme zu erteilen — "We're going to give a license to you to make Patriots. That's pretty cool" [Wir werden Ihnen eine Lizenz erteilen, Patriots herzustellen. Das ist ziemlich cool] — beschrieben Pentagon-Vertreter und Raytheon den Prozess als gerade erst beginnend und verwiesen auf Hürden bei der Zertifizierung der Lieferkette [32][33]. Selenskyj erklärte, eine Vereinbarung sei bereits getroffen worden [33].

Der französische Präsident Emmanuel Macron warnte, "la Russie tentera une escalade contre les pays européens afin de les dissuader d'aider l'Ukraine" [Russland werde eine Eskalation gegen europäische Länder versuchen, um sie davon abzubringen, der Ukraine zu helfen], und forderte die Verbündeten auf, standhaft zu bleiben [11]. Macron sagte außerdem zusätzliche Abfangraketen zu und schlug vor, die Anstrengungen gegen die russische Schattenflotte zu verstärken [5][20].

Der Gouverneur der Region Krasnodar, Weniamin Kondratjew, berichtete, dass Trümmerteile von Drohnen in einer Kinderbetreuungseinrichtung in Krasnodar zwei Kinder getötet und neun weitere verletzt hätten [2][11]. Juan Pedro Schaerer vom IKRK beschrieb die jüngste Serie von Angriffen als "the worst I've seen" [das Schlimmste, was ich gesehen habe] in einem Jahr Arbeit in der Ukraine [30]. Die Beobachtungsmission der Vereinten Nationen für Menschenrechte dokumentierte einen Anstieg ziviler Opfer um 44 Prozent im Jahresvergleich sowie einen Doppelschlag auf ein Einkaufszentrum in Krywyj Rih [31].

Selenskyj lehnte die Abhaltung von Wahlen in Kriegszeiten ab und nannte sie "ein Tsunami für den Staat, der die Ukraine spalten würde" [12][16]. Der frühere Verteidigungsminister Fedorow forderte öffentlich die Organisation einer Abstimmung trotz des anhaltenden Konflikts [5][16]. Selenskyj bestritt außerdem eine Beteiligung des ukrainischen Staates an der Sabotage der Nord-Stream-Pipeline und erklärte: "Ukraine has never officially taken part in any operation related to the blowing up of Nord Stream" [Die Ukraine hat nie offiziell an einer Operation im Zusammenhang mit der Sprengung von Nord Stream teilgenommen] [4]. Deutsche Staatsanwälte behaupten, der Angriff sei vom ukrainischen Staat angeordnet worden, und haben einen zweiten ukrainischen Staatsangehörigen festgenommen [4].

Der außenpolitische Berater des Kremls, Juri Uschakow, signalisierte, dass Putin am APEC-Gipfel in China teilnehmen werde, wenn Trump teilnehme, was Moskaus Präferenz für direkte Verhandlungen mit Washington gegenüber Kiew oder europäischen Verbündeten verdeutliche [6]. Selenskyj forderte, den nächsten Gipfel der Koalition der Willigen im September abzuhalten [20].