Die Todeszahl bei der Flut an der Grenze zwischen Nepal und Tibet hat 600 überschritten, fast 3.000 Menschen werden vermisst, und die Rettungsarbeiten wurden angesichts erneuter Warnungen vor einer zweiten Flut aus einem durch Geröll aufgestauten See vorübergehend ausgesetzt [1][2][5]. Die nepalesische Polizei meldete 669 auf nepalesischer Seite geborgene Leichen [34], während das chinesische Staatsfernsehen 16 Tote und 546 Vermisste in Tibet meldete [24]; eine separate Zählung von 675 nepalesischen Toten bringt die Gesamtzahl auf 691 [24]. Die Opferzahlen haben sich in den Zählungen beider Regierungen wiederholt verschoben und sind weiterhin nicht vollständig abgeglichen; Nepals Nationales Notfalleinsatzzentrum meldete am 28. August 539 bestätigte Tote und 977 Vermisste, bevor spätere Aktualisierungen die Zahl erhöhten [20][36].

Nepals Katastrophenschutzbehörde warnte vor möglichen weiteren Überschwemmungen am Bhotekoshi-Fluss und forderte die Bewohner in Rasuwa, Nuwakot und Dhading auf, Flussgebiete zu meiden, nachdem Geräusche eines erhöhten Wasserabflusses gemeldet worden waren [28]. Die nepalesische Polizei forderte alle Rettungskräfte auf, sich an sichere Orte zu begeben, nachdem sie die Information erhalten hatte, dass auf tibetischer Seite erneut ein Wasserdamm gebrochen sei [35]. Die chinesischen Behörden setzten die Rettungsarbeiten in Gyirong wegen der Gefahr erneuter Überschwemmungen aus, bevor sie später erklärten, die Bedrohung habe nachgelassen [35]. Chinas Ministerium für Wasserressourcen meldete Überwachungsdaten, die zeigten, dass der durch Geröll entstandene See geschrumpft war und der Wasserstand um 10 Meter gegenüber dem Höchststand gesunken war [36]. Der Glaziologe Dr. Argha Banerjee erklärte, es sei anhand von Satellitenbildern nicht möglich zu bestimmen, wie stabil die Barriere sei oder wie wahrscheinlich der See plötzlich abfließen werde [3]. Der Geograph Alton Byers von der University of Colorado Boulder warnte, die Barriere, die den neuen See zurückhalte, bestehe aus lockerem Geröll, und es gebe "not much holding it" [nicht viel, das sie zusammenhält] [25].

Nepal nahm seine ursprüngliche Position zurück, dass es keine ausländischen Such- und Rettungsteams benötige. Der Sprecher des Außenministeriums, Lok Bahadur Chhetri, hatte erklärt, nepalesische Sicherheitsbehörden führten den Einsatz durch und ausländische Hilfe sei nicht erforderlich [30][31]. Außenminister Shisir Khanal erklärte später, Nepal habe von der internationalen Gemeinschaft Anfragen erhalten, Teams einreisen zu lassen, weil Bürger dieser Länder vermisst würden, und Nepal gestatte nun eine begrenzte Zahl von Experten in bestimmten Bereichen [8]. Khanal präzisierte, Nepal benötige spezialisierte Hilfe für Tunnelrettungseinsätze, DNA-Tests, Identifizierung und Konservierung von Leichen und habe vorgefertigte Brücken aus China und Indien angefordert, während das Land keine konventionellen Such- und Rettungsteams benötige [5][9][32]. Der frühere nepalesische UN-Botschafter Dinesh Bhattarai vermutete, die anfängliche Zurückhaltung der Regierung bei der Annahme ausländischer Hilfe könne mit Empfindlichkeiten im Zusammenhang mit dem Distrikt Rasuwa und seiner Grenze zu Tibet zusammenhängen, eine Erklärung, die die Regierung zurückwies [31].

Rund 900 Arbeiter von Wasserkraftwerken werden weiterhin über mehrere Projekte hinweg vermisst und bilden die größte einzelne identifizierbare Gruppe der Vermissten [6][35][41]. Der geschäftsführende Direktor der nepalesischen Elektrizitätsbehörde, Dirgahyu Kumar Shresth, erklärte, die Behörden hätten bei mehreren Projekten den Kontakt zu über 200 Menschen verloren und die Lage einiger Kraftwerkshäuser und Tunnel könne wegen der Überschwemmung nicht bestimmt werden [23][37]. Der Verband unabhängiger Stromerzeuger Nepals meldete 898 vermisste Arbeiter in 11 betroffenen Projekten, 361 seien gerettet worden [42]. Baburaj Maharjan, Geschäftsführer der Chilime Hydropower Company, erklärte, der Tunnel sei mit Schlamm gefüllt, was ein Eindringen unmöglich mache [37]. Innenminister Sudan Gurung gab bekannt, die Rettungskräfte hätten begonnen, durch eine kleine Öffnung Luft in den Tunnel des Wasserkraftprojekts Trishuli 3A zu leiten, und würden mit den Ausschachtungsarbeiten beginnen [4][10][11]. Der Sprecher der nepalesischen Armee, Raja Ram Basnet, erklärte, zwei Hubschrauber seien entsandt worden, aber die Lokalisierung der Tunneleingänge sei schwierig [5][6][27].

UN-Klimachef Simon Steill erklärte, der Gletscherkollaps und die Sturzflut seien eine verheerende Erinnerung daran, wie fragil Gebirgsumgebungen sein können [4]. Außenminister Khanal erklärte, Nepal stoße weniger als 0,01 % der Treibhausgase aus, gehöre aber zu den Hauptopfern des Klimawandels [19]. Die Abgeordnete Khusbu Oli beschrieb, ganze Dörfer und Infrastruktur seien weggespült worden, und forderte ein globales Bewusstsein für den Klimawandel seitens der Länder mit dem höchsten Schadstoffausstoß [19]. Chinesische Behörden und Experten des Chengdu Mountain Research Institute stellten fest, dass Eis und Gestein in etwa 5.200 Metern Höhe am Südhang des Langtang Lirung auf nepalesischem Gebiet abgebrochen seien und den Grenzübergang Gyirong in sechs bis sieben Minuten erreicht hätten [28][44]. Der Geologe Dan Shugar von der University of Calgary erklärte, Satellitenbilder zeigten eine große Fels-Eis-Lawine und nicht nur einen Gletscherkollaps, wobei fallendes Gestein Hitze erzeuge, die Eis schmelze [51]. Ein auf Nepali verfasster Kommentar des Sichuan-Universitätsprofessors Huang Yunsong, der den chinesischen Botschafter in Nepal, Zhang Mao Ming, zitierte, wies Online-Gerüchte zurück, ein chinesischer Damm habe die Flut verursacht, und forderte eine grenzüberschreitende Gletscherüberwachung in Echtzeit sowie einen ständigen gemeinsamen Notfallmechanismus [17].

Der Geowissenschaftler Jens Turowski vom GFZ Helmholtz-Zentrum für Geowissenschaften erklärte, Nepal verfüge nicht über ein ausreichend dichtes Messnetz und keine Kommunikationspläne für Warnungen [49]. Der Klimaforscher Dipesh Chapagain von der Universität der Vereinten Nationen erläuterte, die Katastrophe sei wahrscheinlich durch ein Versagen des Felsuntergrunds unter einem Gletscher verursacht worden, und plädierte für kontinuierliche Überwachung und Frühwarnsysteme [22]. Der außerordentliche Professor Hossein Bonakdari von der University of Ottawa erklärte, die wichtigste Lehre sei, dass das Ausbleiben von Regen nicht bedeute, dass kein Hochwasserrisiko bestehe [12].

Finanzminister Swarnim Wagle schätzte die Kosten für den Wiederaufbau auf 4 bis 5 Milliarden Dollar, bezeichnete dies als eine erste Zahl, die einer umfassenderen Bewertung vorbehalten sei, und wies darauf hin, dass dies nahezu einem Zehntel der Wirtschaft Nepals entspreche [5][26][28][32]. Außenminister Khanal erklärte, er wende sich an die internationale Gemeinschaft, um Unterstützung zu bitten [10][11]. Die Vereinigten Staaten kündigten 3,6 Millionen Dollar an Hilfe an [28][29], Kanada sagte 5 Millionen kanadische Dollar zu [30], die Europäische Kommission sagte 2 Millionen Euro zu [16][30], die Asiatische Entwicklungsbank stellte einen Zuschuss von 5 Millionen Dollar bereit [38], und die UN stellten 2 Millionen Dollar aus ihrem Zentralen Nothilfefonds bereit [47]. Tsomo Dasel, ein Mitglied der nepalesischen Diaspora in New York, kritisierte die anfängliche US-Hilfszusage von 500.000 Dollar angesichts des Ausmaßes der Verluste als "insult" [Beleidigung] [11]. Chinas Präsident Xi Jinping bot die volle Unterstützung Pekings an [6][17], und Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif bot Nothilfe an [6].

Der chinesische Rettungshelfer Zou Mingqi erklärte, es gebe keine Straßen, nur unberührten Wald und steile Klippen, und nichts als Ruinen, so weit das Auge reiche [32]. Ein Chef der Feuerwehr von Lhasa nannte es den schwierigsten Einsatz, dem sie sich je gegenübergesehen hätten [9]. Der Rettungshelfer Kawan Koirala vom Katastrophenhilfsteam der nepalesischen Pfadfinder beschrieb die Suche im dicken Schlamm und das Trauma, für Familien keine Leichen bergen zu können [26][27]. Der Überlebende Buddhi Ram Dangol erklärte, alle Siedlungen in Flussnähe seien weggespült worden, und es sei nichts übrig [4][26][27]. Die Überlebende Sivaranjani Muthunathan beschrieb, sie sei mit 56 anderen in einem Bus gewesen, als Nebel und Rauch sie umschlossen hätten und sie gezwungen gewesen seien, hinauszuklettern und einen Hügel hinaufzueilen [26][27][30]. Die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften schätzte, dass mindestens 93.000 Menschen betroffen sind und große Not leiden [31].

Das indische Außenministerium meldete rund 320 vermisste indische Staatsangehörige [6]; eine spätere Zählung bezifferte die Zahl auf 275 indische Staatsangehörige und 128 Menschen indischer Herkunft, 108 seien gerettet worden [13]. Australiens Außenministerin Penny Wong bestätigte, dass mindestens 34 Australier vermisst werden [46]. Japans Chefkabinettssekretär Kihara bestätigte, dass fünf japanische Staatsangehörige nicht erreichbar seien [50]. Frankreichs Außenministerium bestätigte, dass vier französische Staatsangehörige vermisst werden [30]. Indische Behörden meldeten die Bergung von sieben Leichen aus Flüssen, die aus Nepal fließen [35], und der Generalinspekteur der indischen Nationalen Katastrophenschutztruppe, Narendra Singh Bundela, erklärte, die Truppe beobachte die Auswirkungen auf die indischen Bundesstaaten, wobei eine Reserveeinheit für einen Einsatz bereitstehe [40].

Die Rettungsarbeiten werden fortgesetzt, sofern das Wetter es zulässt; in einigen Gebieten wurden die Hubschrauberflüge nach vorübergehenden Aussetzungen wieder aufgenommen [36]. Nepals Katastrophenschutzbehörde erklärte, die Hochwasserrisiken blieben bestehen, bis die beiden Seen vollständig abgelaufen seien [5].