Dutzende maskierte israelische Siedler griffen am 29. August das palästinensische Dorf Qusra im besetzten Westjordanland an, warfen Steine auf Anwohner und verbarrikadierten sich in einem Haus, in dem sich eine palästinensische Familie befand [3][13]. Ein gesonderter Angriff im nahe gelegenen Dorf Jalud richtete sich gegen ein NBC-News-Team und eine palästinensische Frau, die es interviewte [5][12]. Israelische Kräfte erschossen und verletzten mindestens zwei Palästinenser während eines Siedlerangriffs nahe dem Dorf al-Mughayyir; der Palästinensische Rote Halbmond behandelte vier durch scharfe Schüsse Verwundete; Haaretz berichtete, die Schüsse seien von Siedlern abgegeben worden [15]. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu gab eine öffentliche Verurteilung ab und nannte die Ereignisse "criminal acts of violence" [kriminelle Gewalttaten], begangen "by a handful of rioters" [von einer Handvoll Randalierer], die "harm Israel's standing in the world" [Israels Ansehen in der Welt schaden] [3][10][11].

Die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte erklärten, Sicherheitskräfte seien eingetroffen, um Randalierer aus dem Haus zu entfernen und die Gruppen zu trennen, "in order to protect the residents inside the house" [um die Bewohner im Haus zu schützen], und dass Fahrzeuge der Siedler beschlagnahmt worden seien [3][5][13]. Palästinensische Augenzeugen beschreiben einen anderen Ablauf. Luay Bayruti, der Eigentümer des belagerten Hauses, sagte Ynet: "היינו נצורים שעה וחצי. צה\"ל ירה עלינו גז מדמיע... אזקו והכו אותנו, והם לא נעצרו" [Wir waren anderthalb Stunden belagert. Die IDF feuerte Tränengas auf uns... sie legten uns Handschellen an und schlugen uns, und sie wurden nicht festgenommen] [24]. Sanitäter Saddam Oday sagte, das Militär habe Tränengas in das Haus gefeuert und die Siedler ungestört abziehen lassen [8][19].

Der Qusra-Bewohner Yussef Abdul Kareem Hassan beschrieb, wie eine kleine Gruppe von Siedlern Verstärkung rief, mit Dutzenden weiteren zurückkehrte und die Palästinenser im Inneren umzingelte, bevor sie Steine warfen [13]. Bürgermeister Abdel Azim Wadi sagte, die israelische Armee habe einen Krankenwagen festgehalten und Tränengas auf Anwohner gefeuert, statt gegen die Siedler einzuschreiten [23]. Amin Abu Aliya, Vorsitzender des Dorfrats von al-Mughayyir, erklärte, israelische Kräfte hätten die Angriffe ermöglicht, indem sie den Zugang nur Siedlern gestatteten [15]. Der Palästinensische Rote Halbmond berichtete, Siedler hätten auch einen Krankenwagen angegriffen, der versuchte, belagerte Familien in Qusra zu erreichen [31].

Netanjahus Erklärung stellte die Gewalt als das Werk eines Randphänomens dar, das "grave injustice to the law-abiding Jewish community" [schweres Unrecht an der gesetzestreuen jüdischen Gemeinschaft] verursache [3][13]. Präsident Isaac Herzog nannte die Ereignisse "a stain on Israel's face" [einen Makel auf Israels Gesicht] und forderte "firm and decisive action" [entschlossenes und entschiedenes Handeln] [9]. Das israelische Außenministerium erklärte, die Gewalt stehe in "complete contradiction to the values of Israel" [vollständigem Widerspruch zu den Werten Israels] [1]. Analyst Ehab Jabareen argumentierte, Netanjahu verfolge einen "political surgical isolation process" [politischen chirurgischen Isolationsprozess] — er konstruiere eine Gleichung aus "500,000 legitimate settlers" [500.000 legitimen Siedlern] neben einigen wenigen "deviants or anomalies" [Abweichlern oder Anomalien], um das gesamte Siedlungsunternehmen vor internationaler Überprüfung abzuschirmen [1]. Peace Now berichtete, aufeinanderfolgende Regierungen hätten die Siedlungen seit den Oslo-Abkommen von 1993 ausgeweitet [1].

Israelische Oppositionsführer führten die Gewalt auf Schwäche der Regierung zurück und nicht auf eine bewusste Siedlungsstrategie. Yair Lapid nannte die Ausschreitungen einen "moral stain" [moralischen Makel] und das Versäumnis der Regierung, ihnen entgegenzutreten, eine "national disgrace" [nationale Schande] [1][7]. Gadi Eisenkot beschrieb den Vorfall als eine "shame in terms of security, leadership, policy, and values" [Schande in Bezug auf Sicherheit, Führung, Politik und Werte], die aus der Aufgabe des nationalen Interesses durch die Regierung resultiere [7][24]. Yair Golan erklärte, "Jewish terrorism in the West Bank endangers Israel's security" [jüdischer Terrorismus im Westjordanland gefährdet Israels Sicherheit], und warf Netanjahu vor, "anarchy" [Anarchie] weiter zuzulassen [7]. Naftali Bennett sagte, Netanjahus Verurteilungen zeigten seine "incapacity" [Unfähigkeit] gegenüber dem Minister für nationale Sicherheit Itamar Ben-Gvir [7][24].

Die Human-Rights-Watch-Forscherin Sarah Sanbar erklärte, "the Israeli government and the settlers share the same goal of maximum land and minimum Palestinians" [die israelische Regierung und die Siedler teilten dasselbe Ziel von maximalem Land und minimalen Palästinensern], wobei die Behörden "not only failing to stop settler violence, but actively enabling it" [die Siedlergewalt nicht nur nicht stoppten, sondern aktiv ermöglichten], indem sie Waffen, rechtliche Deckung und Budget bereitstellten [20]. Eine UN-Untersuchung stellte im Juni fest, dass israelische Behörden direkt an Siedlerangriffen beteiligt sind, die Palästinenser im besetzten Westjordanland getötet, verletzt und vertrieben haben [8]. Das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten verzeichnete in diesem Jahr über 1.540 Siedlerangriffe mit palästinensischen Opfern oder Sachschäden, mit einem Monatsdurchschnitt, der höher liegt als in jedem anderen Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen [1]. Finanzminister Bezalel Smotrich erklärte eine "revolution in settlement" [Revolution im Siedlungsbau] und verknüpfte den Ausbau mit der Verhinderung palästinensischer Staatlichkeit [1][22]. Der Generalstabschef der IDF, Eyal Zamir, warnte Netanjahu, das Westjordanland könne aufgrund nationalistischer Kriminalität außer Kontrolle geraten [22][27], und Generalmajor Avi Bluth warnte in nichtöffentlichen Lagebeurteilungen, "nationalistic crime" [nationalistische Kriminalität] könne eine massive palästinensische Reaktion auslösen [1].

US-Botschafter Mike Huckabee verurteilte die Siedler als "Israeli terrorists" [israelische Terroristen] und warnte, dass die Verantwortlichen hinter der Belagerung von Qusra mit US-Sanktionen rechnen müssten [3][22]. Die Senatoren Adam Schiff, Chuck Schumer und Cory Booker verfassten gemeinsam einen Brief, in dem sie Netanjahu aufforderten, "take measures to prevent and intercede in this violence" [Maßnahmen zu ergreifen, um diese Gewalt zu verhindern und einzugreifen] und "a credible mechanism to investigate violations of law" [einen glaubwürdigen Mechanismus zur Untersuchung von Rechtsverstößen] einzurichten [22]. Das US-Außenministerium erklärte, es stehe in regelmäßigem Dialog über die Stabilität im Westjordanland und verurteile kriminelle Gewalt durch jede Partei [22].

Die Foreign Press Association in Israel verurteilte den Angriff auf das NBC-News-Team und die palästinensische Frau als Teil eines wiederkehrenden Musters von Siedlergewalt gegen die Presse und palästinensische Zivilisten [14][17]. NBC-Journalist Matt Bradley beschrieb den Übergriff, und die palästinensische Frau musste ins Krankenhaus eingeliefert werden [14]. Sozialarbeiter Bashar al-Karyoti sagte, die Angreifer hätten das Fahrzeug der Journalisten beschädigt und Besatzungsmitglieder angegriffen [28]. Im Zusammenhang mit dem Angriff wurden keine Festnahmen vorgenommen [17].

Der Minister für nationale Sicherheit Itamar Ben-Gvir veröffentlichte Aufnahmen von sich selbst, wie er palästinensische weibliche Gefangene konfrontiert, und erklärte, er sei "directly responsible" [direkt verantwortlich] für harte Bedingungen einschließlich der Verweigerung von Duschen und medizinischer Behandlung [16]. Die Kommission für Angelegenheiten der Gefangenen und ehemaligen Gefangenen verurteilte die Aufnahmen als politisches Spektakel, das darauf abziele, Gefangene einzuschüchtern [16]. Die Palästinensische Gefangenen-Gesellschaft beschrieb die Aufnahmen als "an assault on their human dignity" [einen Angriff auf ihre Menschenwürde] [16]. AKP-Sprecher Omer Celik erklärte, dass "Netanyahu soykırım örgütü" [Netanjahus Regierung ist eine Völkermord-Organisation] und eine "lie machine" [Lügenmaschine] sei, die auf Präsident Erdogan abziele [6].

Die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte erklärten, sie hätten eine Untersuchung des Vorfalls in Qusra eingeleitet, bestätigten jedoch keine Festnahmen [13][21]. Netanjahu erklärte, er erwarte von den Strafverfolgungsbehörden, "arrest the rioters and bring them to justice" [die Randalierer festzunehmen und vor Gericht zu bringen] [1]. Palästinensische Augenzeugen sagen, am Tatort seien keine Siedler festgenommen worden [8][29].