CNN, MS NOW und Politico reichten am 21. September eine gemeinsame Klage beim US-Bezirksgericht für den District of Columbia gegen Präsident Donald Trump und hochrangige Beamte des Weißen Hauses ein und beantragten die Wiederherstellung des Zugangs sowie eine einstweilige Verfügung, drei Tage nachdem die Regierung die Akkreditierungen der Sender entzogen hatte [5][14][24]. Die drei Sender erklärten, dass die Regierung nicht entscheide, worüber die Presse berichtet, und dass die Akkreditierungen ohne Ankündigung oder Verfahren wegen einer Berichterstattung entzogen worden seien, die dem Weißen Haus missfiel [20][24]. Ein Bundesrichter soll am Mittwoch über die einstweilige Verfügung entscheiden [2][7].
Die Verteidigung der Regierung stützt sich auf zwei ineinandergreifende Argumente. Trump schrieb auf Truth Social, das Weiße Haus sei dabei, "instituting an assault on the FAKE NEWS, something that has grown like Cancer" [einen Angriff auf die FAKE NEWS zu starten, etwas, das wie Krebs gewachsen ist], und er habe die Pflicht, Sender, die er für Fake News hält, nicht zuzulassen; er nannte die ausgeschlossenen Sender "Third Rate Clowns" [drittklassige Clowns], die nur negative Geschichten veröffentlichten und mit falscher und verleumderischer Berichterstattung unter Verwendung anonymer Quellen die nationale Sicherheit verletzten [6][7][24]. Vizepräsident JD Vance erklärte, die Sender könnten weiterhin berichten und die Meinungsfreiheit behalten, würden aber keinen "special access to the White House if you engage in what is effectively far-left propaganda" [besonderen Zugang zum Weißen Haus erhalten, wenn man das betreibt, was faktisch linksextreme Propaganda ist] [2][22][35]. Außenminister Marco Rubio argumentierte, dass "there aren't a bunch of police officers or soldiers kicking down the doors of MSNBC or MS NOW" [es keine Horde von Polizisten oder Soldaten gibt, die die Türen von MSNBC oder MS NOW eintreten], und dass die Sender lediglich daran gehindert würden, aus dem Arbeitsbereich des Weißen Hauses zu arbeiten [2]. Das Weiße Haus verteilte Gesprächspunkte an Republikaner im Kongress, wonach "White House access is a privilege — not a right" [der Zugang zum Weißen Haus ein Privileg ist – kein Recht] und der Erste Verfassungszusatz die Veröffentlichung schütze, aber keinen Sitz im Presseraum garantiere [14][34].
Rechtswissenschaftler und Anwälte für Pressefreiheit halten dagegen, dass die Regierung Journalisten nicht aufgrund des Inhalts ihrer Berichterstattung ausschließen darf, sobald sie der Presse einen Raum geöffnet hat. Jameel Jaffer, geschäftsführender Direktor des Knight First Amendment Institute an der Columbia University, nannte das Verbot "a flagrant violation of the First Amendment" [eine eklatante Verletzung des Ersten Verfassungszusatzes] [14]. Anwalt Conor Fitzpatrick sagte, der Ausschluss verletze den Ersten Verfassungszusatz, und es gelte dieselbe Rechtslage wie im Fall Acosta, als Richter Timothy Kelly – der nun mit diesem Fall befasst ist – während Trumps erster Amtszeit die sofortige Wiedereinsetzung des CNN-Korrespondenten Jim Acosta anordnete [32]. Lucy Dalglish, Journalismusprofessorin an der University of Maryland, erklärte: "non sono tenuti a far entrare nessuno, ma una volta che lo fanno, non possono decidere chi far entrare in base al punto di vista o al contenuto" [sie sind nicht verpflichtet, irgendjemanden hereinzulassen, aber sobald sie es tun, können sie nicht nach Standpunkt oder Inhalt entscheiden, wer hereinkommt] [41]. Der Anwalt für den Ersten Verfassungszusatz Douglas Mirell sagte, es müsse einen nicht willkürlichen und zwingenden Grund für die Zugangsbeschränkung geben, und die Ablehnung einer Meinung sei unter dem Ersten Verfassungszusatz noch nie ein solcher gewesen [41]. Der Cornell-Juraprofessor G.S. Hans sagte, es sei unwahrscheinlich, dass die meisten Richter bei Anfechtungen bundesstaatlicher Maßnahmen gegen die Berichterstattung zugunsten der Regierung entscheiden würden [40].
Der Fernsehpool des Weißen Hauses – eine Rotation aus fünf Sendern mit ABC, CBS, NBC, Fox News und CNN – stellte nach dem Ausschluss von CNN die gemeinsame Berichterstattung über Präsidententermine ein; die vier verbliebenen Sender setzten ihre Pool-Arbeit aus Solidarität mit den ausgeschlossenen Sendern aus, sodass es kein Netzwerk-Filmmaterial von Trumps Besteigen der Air Force One oder seiner Ankunft zur UN-Generalversammlung gab [4][6][8][28]. Bryan Boughton, Büroleiter von Fox News und Vorsitzender des TV-Pools, bestätigte, dass der Pool ausgewiesene Termine nicht abdecken und kein Ersatzpool eingesetzt werde [4][18]. Die New York Times und die Washington Post hielten Standbilder von Trumps Reise am Montag zurück [20][28]. Das Committee to Protect Journalists organisierte eine gemeinsame Erklärung, die von AP, Bloomberg, The New York Times, Reuters, The Wall Street Journal, The Washington Post und El País unterzeichnet wurde; CPJ-Geschäftsführerin Jodie Ginsberg erklärte: "el papel de la prensa libre es exigir cuentas al poder, y los gobiernos nunca deberían dictar quién puede informar sobre ellos" [die Rolle der freien Presse ist es, die Macht zur Rechenschaft zu ziehen, und Regierungen sollten niemals diktieren, wer über sie berichten darf] [10]. Die demokratischen Senatoren Ed Markey und Dick Durbin verurteilten das Verbot; Markey sagte, Pressefreiheit sei lebenswichtig für die Demokratie, und Durbin forderte das Weiße Haus auf, es aufzuheben [12]. Der New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani sagte, er habe Trump mitgeteilt, dass alle Mitglieder der Presse bei einer Veranstaltung in Gracie Mansion willkommen seien, und erklärte: "that is something that I believe in – everyone, no matter the opinion or the critique that we engage" [das ist etwas, woran ich glaube – alle, unabhängig von der Meinung oder der Kritik, die wir üben] [2][24].
Das Weiße Haus startete "Trump TV: The Essentials Station" [Trump-Fernsehen: Der Sender der wesentlichen Inhalte], einen 24-Stunden-YouTube-Livestream mit Ankündigungen, Reden und ausgewählten vergangenen Ereignissen der Regierung – ohne Moderatoren, Reporter oder originären Journalismus [3][7][23]. Der Kanal verspricht Inhalte, die "updated in real time, with top past moments, announcements, and the latest and greatest from the administration all in one place" [in Echtzeit aktualisiert werden, mit den wichtigsten vergangenen Momenten, Ankündigungen und dem Neuesten und Besten aus der Regierung, alles an einem Ort] [7]. Al Jazeera ordnete den Kanal in einen vergleichenden Rahmen gewählter Führer ein, die unvermittelte Kanäle pflegen, und verwies auf Hugo Chávez' Sendungen "Hello, President" [Hallo, Präsident] und die obligatorischen Cadenas in Venezuela, Narendra Modis monatliche Radioansprache über den staatlichen Sender All India Radio, Jair Bolsonaros Facebook-Live-Sitzungen in Brasilien und Nayib Bukeles Ankündigungen auf X in El Salvador [23]. Der Start fiel mit dem Pool-Boykott zusammen, sodass Trumps Banddurchschneiden am Helipad ohne Live-Fernsehberichterstattung blieb und seine Äußerungen in dem vom Weißen Haus bereitgestellten Filmmaterial nicht zu hören waren [11][37].
Trumps erklärte Rechtfertigung stützt sich auf die Behauptung, Politico habe eine acht Millionen Dollar schwere staatliche "payoff" [Abfindung] erhalten, doch FactCheck.org zeigte, dass das Geld aus routinemäßigen Behördenabonnements von Politico Pro bestand, einem professionellen Nachrichtendienst, den auch die erste Trump-Regierung erworben hatte [33]. Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner, dessen Unternehmen Muttergesellschaft von Politico ist, sagte CNN, Politico Pro habe etwa 5.000 Abonnenten, von denen rund 6 % in der Regierung arbeiteten [33]. Steven Kelman, Professor für öffentliche Verwaltung in Harvard, sagte, Nachrichtenabonnements seien Werkzeuge, die Regierungsbeamten helfen, sich über die Regierung zu informieren und ihre Arbeit besser zu machen [33].
Ehemalige Insider und Analysten boten eine andere Lesart der Triebkräfte des Verbots an. Ty Cobb, Anwalt und früherer Rechtsberater Trumps in dessen erster Amtszeit, sagte: "Es ist eine Folge seines übersteigerten Narzissmus. Jede Art von Kritik erzeugt für ihn einen Feind" [32]. Die frühere Pressesprecherin des Weißen Hauses, Stephanie Grisham, sagte, Trump umgebe sich in dieser Amtszeit nur mit Menschen, die ihm sagten, was er hören wolle, und "does what he wants, when he wants" [tut, was er will, wann er will] [32]. Der US-News-Journalist und frühere Präsident der White House Correspondents' Association, Olivier Knox, sagte gegenüber RFI, Trump befinde sich in einem Kontext der Frustration über sinkende Umfragewerte und versuche, seine Basis zu mobilisieren, und dass die Beteiligung von Fox News am Pool-Boykott besonders schädlich sei [31]. Die russische Wirtschaftszeitung Kommersant rahmte die Episode als "large-scale crisis" [groß angelegte Krise] zwischen dem Weißen Haus und der Presse ein und verknüpfte sie mit Trumps rekordtiefen Zustimmungswerten [46].
Kremlsprecher Dmitri Peskow nannte das Verbot eine innere Angelegenheit der Vereinigten Staaten und erklärte: "Мы работаем со всеми журналистами. У нас так не принято. Что касается того, как американцы работают со своими, это их дело, мы в это не вмешиваемся" [Wir arbeiten mit allen Journalisten. Das ist bei uns nicht üblich. Was die Frage betrifft, wie die Amerikaner mit ihren eigenen umgehen, ist das ihre Sache; wir mischen uns nicht ein] [47]. Die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, Mao Ning, hatte in einer Erklärung vom Juni 2026, vor dem Verbot, gesagt, die Vereinigten Staaten seien der Urheber der Medienprobleme zwischen China und den USA und chinesische Journalisten in den USA seien ernsthaften Beschränkungen ausgesetzt, und argumentiert, Washington solle ihre Rechte schützen [39]. Moskau lehnte es ab, sich über die Bezeichnung als innere Angelegenheit hinaus mit dem Verbot zu befassen, während Peking Streitigkeiten über den US-Pressezugang seit langem als bilateralen Gesprächspunkt nutzt; keine der beiden Regierungen ging auf ihre eigene Bilanz bei der Pressefreiheit ein [39][47].
Eine gesonderte Perspektive des brasilianischen Internet Steering Committee (CGI.br) richtete die Bedrohungen für die Demokratie neu auf KI-generierte Deepfakes und minderwertige Informationen aus, die in geschlossene Netzwerke und Videos abwandern, statt auf staatliche Presseverbote. Die CGI.br-Koordinatorin Renata Mielli erklärte: "Hoje, as plataformas digitais ocupam um lugar central na forma como os brasileiros se informam sobre o que acontece no mundo, no país e nas cidades onde vivem" [Heute nehmen digitale Plattformen einen zentralen Platz darin ein, wie sich die Brasilianer darüber informieren, was in der Welt, im Land und in den Städten, in denen sie leben, geschieht], und argumentierte, Plattformen seien private Unternehmen, die von wirtschaftlichen statt von gemeinwohlorientierten Zielen geleitet würden [1].
Melania Trumps Büro genehmigte Presseakkreditierungen für CNN und Politico für eine Nebenveranstaltung der UN-Generalversammlung trotz des Verbots [45]. Trump sagte, er werde die Sender "probably" [wahrscheinlich] wieder zulassen, falls das Gericht gegen ihn entscheide [2]. Der Fall ist Richter Timothy Kelly zugewiesen, der bereits 2018 im Zugangsstreit um Acosta gegen Trump entschieden hatte [14][32].