Das russische Außenministerium forderte ausländische Staatsangehörige und Diplomaten auf, Kiew zu verlassen, und warnte, dass diejenigen, die bleiben, sich "knowingly exposing themselves to mortal danger" [wissentlich tödlicher Gefahr aussetzen] und dass die russischen Streitkräfte "massive retaliatory strikes" [massive Vergeltungsschläge] auf die Hauptstadt fortsetzen werden [1][6][22][25][32]. Die Warnung folgte auf Drohnenangriffe auf die Kiewer Piwnitschnyj-Brücke (Nordbrücke) — der zweite große Dnipro-Übergang, der innerhalb von zwei Tagen getroffen wurde —, bei denen zwei Menschen verletzt und der Verkehr zwischen dem linken und rechten Ufer der Stadt blockiert wurden [3][5][21][24]. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, die Brücke "facilitates troop movements and the logistics of military cargo deliveries" [erleichtert Truppenbewegungen und die Logistik militärischer Frachtlieferungen] für die Streitkräfte der Ukraine [8][20][29].
Seit Donnerstag wurden vier Kiewer Brücken getroffen, wodurch Straßen-, Schienen- und Oberleitungsbusverbindungen über den Dnipro für die rund drei Millionen Einwohner der Hauptstadt unterbrochen wurden [7][18][28][29]. Bürgermeister Vitali Klitschko sagte, die Hauptstadt befinde sich in einer "very dramatic situation" [sehr dramatischen Lage] und "the enemy is tearing Kyiv apart" [der Feind reißt Kiew auseinander] [9][12][28]. Infrastrukturminister Mykola Kalaschnyk sagte, die Regierung bereite Pontonbrücken vor und plane einen Tunnel unter dem Flussbett, um zu verhindern, dass die Stadt abgeschnitten wird [7]. Der Luftfahrtexperte Kostjantyn Krywolap sagte, die Zerstörung der Brücken mit 50-Kilogramm-Drohnensprengköpfen sei "practically impossible" [praktisch unmöglich] und die Angriffe wirkten als "mosquito bites" [Mückenstiche], die den Verkehr stoppen und psychologischen Druck ausüben sollten [14][24].
Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte, der ukrainische Geheimdienst habe Dokumente erhalten, die zeigten, dass Putin eine "new doctrine" [neue Doktrin] erlassen habe, die Angriffe auf Straßen, Schulen, Krankenhäuser und Infrastruktur autorisiere, um Menschen zum Verlassen der Städte zu drängen [2][6][15][31]. "They want Ukrainians to leave the capital... and show that if you don't have the capital you don't have the country" [Sie wollen, dass die Ukrainer die Hauptstadt verlassen... und zeigen, dass man ohne die Hauptstadt kein Land hat], sagte Selenskyj [9]. Putin sagte, die russischen Angriffe seien eine direkte Antwort auf ukrainische Angriffe auf russische Ölraffinerien und Schiffe im Schwarzen Meer, und fügte hinzu: "Now from every direction we're receiving calls 'let's stop'. But they started it" [Jetzt erhalten wir von allen Seiten Anrufe 'lasst uns aufhören'. Aber sie haben angefangen] [5][10]. Putin sagte, die ukrainischen Raffinerieangriffe hätten Russland etwa ein Prozent des BIP gekostet [12].
Selenskyj kündigte an, die Angriffe auf russische Ölraffinerien als Reaktion zu verstärken, und sagte: "With their attacks on our energy, we have to respond on their energy. But we will not respond, of course, just like them, on any civilian objects" [Mit ihren Angriffen auf unsere Energie müssen wir auf ihre Energie antworten. Aber wir werden natürlich nicht, genau wie sie, auf zivile Objekte antworten] [2][23][31][47]. Das ukrainische Militär erklärte, seine Drohnen hätten die Lukoil-Raffinerie in Wolgograd und eine weitere Anlage in der Region Samara angegriffen [12]. Der ukrainische Raketenhersteller Fire Point erklärte, seine Rakete FP-9 mit größerer Reichweite könne Moskau erreichen, und die ballistische Rakete FP-7 sei erstmals im Kampf eingesetzt worden [23].
US-Präsident Donald Trump forderte die Ukraine auf, die Angriffe auf russische Dieselraffinerien einzustellen, und sagte, die Angriffe trieben die globalen Kraftstoffpreise in die Höhe [15][17][23][37]. Marktanalysten hielten dagegen, dass der Anstieg der Dieselpreise in erster Linie durch den Krieg zwischen den USA und dem Iran und Störungen am Golf verursacht werde. Chris Beauchamp, Chef-Marktanalyst bei IG Group, sagte, die ukrainischen Angriffe seien "only a small ingredient" [nur eine kleine Zutat] beim Preisanstieg [37]. Andreas Krieg, Dozent am King's College London, sagte, "the Iran war remains the larger systemic shock to global diesel availability" [der Iran-Krieg bleibt der größere systemische Schock für die globale Dieselverfügbarkeit] [37]. Brasiliens Petrobras erklärte, man prüfe Pläne zur Erreichung der Diesel-Selbstversorgung, nachdem der Golfkonflikt die Lieferungen gestört habe [45].
Der Krieg weitete sich über die Grenzen der Ukraine hinaus aus, als Moldau meldete, dass fünf russische Flugkörper — darunter Banderol-Raketen und Drohnen — seinen Luftraum verletzt und auf seinem Boden explodiert seien [6][20][22][48]. Präsidentin Maia Sandu sagte, "its war is dangerously reaching Moldova" [sein Krieg erreicht Moldau auf gefährliche Weise], und Moldau bestellte den russischen Botschafter mit einer Protestnote ein [5][48]. NATO-Generalsekretär Mark Rutte rief zur Ruhe und zu fortgesetzter Unterstützung für die Ukraine auf und sagte, Russland teste die NATO durch Luftraumverletzungen, Sabotage und hybride Angriffe [47]. Der ukrainische Militärgeheimdienst warnte, dass die russischen Geheimdienste beauftragt worden seien, hybride Operationen in EU- und NATO-Staaten zu verstärken [14]. Litauen schloss vorübergehend den Flughafen Vilnius, nachdem ein nicht identifiziertes Flugobjekt entdeckt worden war, wobei NATO-Jets eingesetzt wurden; litauische Beamte sagten, es sei nicht sicher, dass das Objekt eine Drohne gewesen sei [11].
Russische und von Moskau eingesetzte Beamte meldeten ukrainische Angriffe auf russische und besetzte Gebiete. Der Gouverneur von Kaluga, Wladislaw Schapscha, sagte, ukrainische Drohnen hätten Wohngebäude beschädigt und mehrere Menschen verletzt [4][42]. Der Gouverneur der Region Belgorod, Alexander Schuwajew, sagte, ein ukrainischer Drohnenangriff habe sechs Menschen verletzt, darunter drei Kinder [43]. Der von Moskau eingesetzte Chef von Luhansk, Leonid Pasetschnik, meldete zwei Tote bei ukrainischen Drohnenangriffen [8][20], und die von Russland eingesetzten Behörden in Saporischschja meldeten einen Toten und zehn Verletzte [2]. Ein ukrainischer Drohnenangriff auf Tatarstan tötete acht usbekische Wanderarbeiter, was Analysten dazu veranlasste, das Schweigen Usbekistans zu kritisieren und Kiew aufzufordern, sich zu entschuldigen und die Familien zu entschädigen [49].
Einwohner Kiews beschrieben nächtliche Evakuierungen, das Unterkommen in U-Bahn-Stationen und Pendlerchaos. Tetiana Semyhailo sagte, sie sei um 6:18 Uhr morgens von einer Explosion geweckt worden, die ihren Mann verletzte und sie zwang, aus ihrer brennenden Wohnung zu fliehen [7]. Nadia Andrianova sagte, die Nächte in Kiew seien sehr gefährlich geworden, was sie veranlasste, mit ihrer Tochter nach Uschhorod nahe der slowakischen Grenze umzuziehen [7]. Ein 64-jähriger Taxifahrer sagte: "Tout est bloqué" [Alles ist blockiert] und beschrieb die Lähmung nach der Schließung der Südbrücke [28]. Valeriya Tkachenko, eine Anwältin, sagte: "I'm scared to death all day about what could happen to my son" [Ich habe den ganzen Tag Todesangst, was meinem Sohn passieren könnte] [9]. Roman Samtschuk sagte, er und seine Frau würden nicht gehen, und nannte "Una buena puerta española" [Eine gute spanische Tür] als ausreichenden Schutz [7].
Ein russischer Angriff auf ein unter liberianischer Flagge fahrendes Frachtschiff in der Region Odessa tötete einen Seemann und verletzte drei; 13 Besatzungsmitglieder wurden nach Angaben der ukrainischen Behörden evakuiert, Al Jazeera meldete jedoch 12 [2][4][36]. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, das Schiff habe Dual-Use-Güter transportiert [4]. Die ukrainische Seehafenbehörde nannte es "yet another deliberate attack by Russia on civilian shipping" [einen weiteren vorsätzlichen Angriff Russlands auf die zivile Schifffahrt] [36]. Der ukrainische Energieminister Denys Schmyhal informierte europäische Partner über einen abgefangenen russischen Plan, in diesem Winter bis zu 1.000 Raketen, Drohnen und Bomben einzusetzen, um das ukrainische Energiesystem zum Zusammenbruch zu bringen; Ziel seien Umspannwerke, Wasser- und Wärmekraftwerke sowie Umspannwerke, die drei Kernkraftwerke versorgen [9][35]. Der frühere Atomregulierer Hryhorij Platschkow warnte, Angriffe auf Hochspannungsleitungen könnten drei ukrainische Kernkraftwerke vom Netz trennen und das Energiesystem in isolierte "Inseln" aufspalten [46].
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha sagte, Kiew habe vier Waffenstillstandsvorschläge erhalten und bezeichnete den Indiens als den umfassendsten; er signalisierte Bereitschaft zu einem Paketabkommen über Energieinfrastruktur und einen Waffenstillstand im Schwarzen Meer [10][38]. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte, ein Waffenstillstand im Schwarzen Meer sei unmöglich, weil die Ukraine unnachgiebig sei, äußerte jedoch Bereitschaft, mit der Türkei, Indien oder Ägypten über Sicherheit zu sprechen [10]. Chinas UN-Botschafter Fu Cong rief zu Zurückhaltung und zur Achtung des humanitären Völkerrechts auf [40], und das ägyptische Außenministerium würdigte die diplomatischen Bemühungen, direkte Gespräche einzuberufen [41]. Putin lobte die Vermittlung des indischen Premierministers Narendra Modi [38].
Russlands Haushaltsentwurf für 2027 erhöht die Verteidigungsausgaben auf 17,1 Billionen Rubel (205,2 Milliarden Dollar), ein postsowjetischer Rekord, finanziert durch Kürzungen bei Gesundheitswesen, Bildung und Sozialprogrammen sowie ein drittes Jahr in Folge mit Steuererhöhungen [34]. Der Ökonom Boris Grosowski sagte: "everyone will pay for the war, as much as they can" [alle werden für den Krieg zahlen, so viel sie können] [34]. Die Analystin Alexandra Prokopenko warnte, die Regierung könne bald an die Grenzen der Einnahmen stoßen, die sie durch Steuern zur Finanzierung des Krieges erzielen könne [34]. Der Militäranalyst Mykola Bielieskow sagte, die Geländegewinne der Ukraine würden durch die Verwundbarkeit aus der Luft untergraben: "You can be quite successful in the land domain, but if you are vulnerable in the air, especially in the rear, that is the vulnerability your opponent is going to exploit" [Man kann im Landbereich recht erfolgreich sein, aber wenn man in der Luft verwundbar ist, besonders im Hinterland, ist das die Verwundbarkeit, die der Gegner ausnutzen wird] [9]. Selenskyj sagte, die Ukraine wolle bis Ende Oktober bis zu 400 Abfangdrohnen produzieren, und Außenminister Sybiha sagte, die Ukraine benötige mindestens 300 Patriot-Abfangraketen für den Winterschutz [12][14].