Die Ukraine startete in der Nacht vom 5. auf den 6. Oktober nach Angaben russischer Behörden einen der größten Drohnenangriffe auf die Region Moskau seit zwei Jahren; Moskaus Bürgermeister Sergei Sobyanin meldete 650 auf die Hauptstadt gerichtete Drohnen, und das russische Verteidigungsministerium erklärte, 868 ukrainische Starrflügeldrohnen seien über elf Regionen, der annektierten Krim und dem Asowschen Meer abgefangen worden [2][7][10]. Der Gouverneur der Region Moskau, Andrei Vorobyov, sagte, zwei Männer im Alter von 20 und 71 Jahren seien getötet und neun verletzt worden; 47 Häuser und vier Mehrfamilienhäuser seien in sieben Gemeinden beschädigt worden [10][12][15]. Der Betrieb an den vier Moskauer Flughäfen wurde beeinträchtigt [12][15]. Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte am Wochenende an, russische Energieinfrastruktur ins Visier zu nehmen, als Reaktion auf Moskaus Luftkampagne gegen ukrainische Städte [10][12].
Russische Behörden betonten den Abwehrerfolg; Sobyanin erklärte, die meisten Drohnen seien auf große Entfernung zerstört worden, 105 im Anflug auf die Stadt [13][16]. Das unabhängige Medium Astra und ukrainische Überwachungskanäle meldeten einen Brand im Transneft gehörenden Treibstofflager Wolodarskaja, das die Moskauer Flughäfen versorgt, obwohl russische Behörden keinen Treffer auf Infrastruktur bestätigten [10][11][30][32]. Ein Anwohner beschrieb, er habe ein Dröhnen gehört, gefolgt von einem lauten Knall, zitternden Fenstern und aufsteigendem Rauch [33]. Das ukrainische Medium Chas.News identifizierte den Brand per OSINT-Geolokalisierung als das Öldepot LPDS Wolodarska, das größte der Region [30].
Die ukrainische Kampagne mit weitreichenden Schlägen gegen die russische Ölinfrastruktur hat nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministers Yevhenii Khmara mehr als die Hälfte der russischen Raffineriekapazität außer Gefecht gesetzt; die Schläge seien "a significant blow to the enemy's economy, to its ability to carry out aggression and supply its troop groupings" [ein schwerer Schlag gegen die Wirtschaft des Feindes, gegen seine Fähigkeit, Aggression zu führen und seine Truppenverbände zu versorgen] [26]. Der russische Präsident Wladimir Putin räumte ein, dass ukrainische Schläge auf Raffinerien Russland rund 1 Prozent seines BIP gekostet haben [25]. Branchenquellen sagten Reuters, die Lukoil-Raffinerie in Wolgograd habe die Rohölverarbeitung am 2. Oktober nach Drohnenschäden vollständig eingestellt [28]. Das griechische Medium ProtoThema berichtete, seit 2022 seien mindestens 40 große Raffinerien beschädigt worden, die russische Raffinerieleistung sei um 30 Prozent gesunken und die Diesel-Crackspreads seien auf über 100 Dollar pro Barrel gestiegen [27].
Von Russland eingesetzte Behörden stellten ukrainische Drohnenangriffe als gezielten Terrorismus gegen Zivilisten dar. Evgeny Balitsky, Leiter der von Russland eingesetzten Verwaltung in Saporischschja, sagte, eine ukrainische Drohne habe einen Kleinbus im Dorf Basan getroffen und drei Menschen getötet und drei verletzt [1][2]. In einer Rede vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen im Juli bezeichnete Russlands stellvertretende ständige Vertreterin A.M. Efstigneeva ukrainische Drohnenangriffe auf Zivilisten als Terrorismus und warf Kiew vor, die NATO in eine direkte Konfrontation mit Russland hineinziehen zu wollen [37].
Ukrainische Behörden präsentierten ein spiegelbildliches Bild der russischen Angriffe. Charkiws Bürgermeister Ihor Terekhov sagte, russische Gleitbomben hätten im Stadtteil Slobidskyj mindestens fünf Menschen getötet und 53 verletzt [8][31], obwohl andere Berichte die Zahl der Toten mit drei und die der Verletzten mit 39 angaben; der Gouverneur der Region Charkiw, Oleh Syniehubov, sagte, die Bomben hätten ein fünfstöckiges Wohngebäude getroffen [18][26]. Anwohner beschrieben, sie hätten Nachbarn voller Blut gefunden, Sanitäter und Freiwillige hätten die Verletzten aus dem Gebäude getragen, unter den Verwundeten seien Kinder [31][18]. Ukrainische Behörden meldeten außerdem russische Drohnenangriffe auf Wohnhochhäuser in Saporischschja und fast 50 Angriffe auf die Region Dnipropetrowsk [14][20][24]. Die Vereinten Nationen warnten vor einem deutlichen Anstieg ziviler Todesopfer [2].
Im Schwarzen Meer sagte Selenskyj, zwei russische Drohnen hätten ein türkisches ziviles Schiff mit Getreide an Bord getroffen und den Kapitän getötet [3][8][19]. Das rumänische Innenministerium erklärte, das Schiff habe sich in der ausschließlichen Wirtschaftszone Rumäniens befunden, etwa 30 Seemeilen südlich von Sfantu Gheorghe; zwei Menschen seien getötet und elf Besatzungsmitglieder gerettet worden [3][19]. Der bulgarische Ministerpräsident Rumen Radev sagte, zwei Frachtschiffe seien in Bulgariens ausschließlicher Wirtschaftszone von Drohnen angegriffen worden, ein unter togolesischer Flagge fahrendes Schiff sei gesunken, und nannte die Angriffe eine grobe Verletzung des Völkerrechts [4][5]. Radev warnte, wenn der Krieg nicht beendet werde, werde er sich geografisch ausweiten und das Risiko eines globalen Konflikts erhöhen [4]. Der Gouverneur von Odessa, Oleh Kiper, sagte, eine russische Drohne habe auf einem unter der Flagge der Marshallinseln fahrenden Schiff mit Rapsöl an Bord einen Menschen getötet und sieben verletzt [5][23]. Die türkische Handelskammer berichtete, seit Kriegsbeginn seien 226 zivile und kommerzielle Schiffe im Schwarzen Meer angegriffen worden [4].
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte, die Lage im Schwarzen Meer werde zunehmend besorgniserregend, da Handelsschiffe und unschuldige Besatzungen ins Visier genommen würden [35]. Europäische Staaten reagierten mit Verteidigungsmaßnahmen: Polen kündigte Patriot-Stationierungen in Lublin und ein ziviles Verteidigungsprogramm über 102,4 Milliarden Zloty (26,4 Milliarden Dollar) für 2027–2031 an [23][25], Schweden stellte Polen Patriot-Systeme zur Verfügung [25], und Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz sagte der Ukraine neue IRIS-T-Systeme und Abfangraketen zu [22]. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte, NATO-Militärinfrastruktur und Atomwaffen, die näher an Russlands Grenzen rückten, könnten die Spannungen nur erhöhen [25]. Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk warnte, Moskau plane hybride Angriffe mit Drohnen oder Raketen auf europäische Länder, die die Ukraine unterstützen [25].
Die Störungen im Schwarzen Meer treiben die Getreide- und Kraftstoffpreise in importabhängigen Volkswirtschaften in die Höhe. Das ägyptische Medium Banker berichtete von einem Rückgang der ägyptischen Weizenimporte um rund 65 Prozent im Quartalsvergleich, wobei ein Händler einen Preisanstieg von 34 Prozent auf 315 Dollar pro Tonne anführte [36]. Bangladesch nahm erstmals seit 2022 wieder Weizenkäufe aus Indien auf [29]. Das vietnamesische Medium Doanh Nghiệp Hội Nhập berichtete, dass die russischen und ukrainischen Weizenexporte im September im Vergleich zum saisonalen Durchschnitt um bis zu 80 Prozent zurückgingen [38]. Kasachstan bereitete einen Verordnungsentwurf vor, um Weizenimporte für sechs Monate zu verbieten, mit der Begründung, dass blockierte russische Exportrouten die zentralasiatischen Märkte überschwemmen würden [34]. Die Kpler-Analystin Madeleine Overgaard sagte, die Angriffe erweiterten die Hochrisikozone, sodass Schiffe größeren Risiken ausgesetzt seien, sobald sie ins Schwarze Meer einführen [5].
Selenskyj sagte, die Ukraine habe Geheimdienstinformationen erhalten, dass Russland einen massiven Schlag gegen das ukrainische Hinterland vorbereite, und dass Gegenmaßnahmen im Gange seien [22][25]. Der Sprecher der ukrainischen Luftwaffe, Jurij Ihnat, sagte, KI-gestützte Geschütztürme hätten ihre ersten russischen Strahldrohnen abgeschossen, darunter Geran-5 [8][26]. Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko versprach 40 bis 50 mobile Schutzräume innerhalb eines Monats, obwohl Beamte der Stadt Kiew gegenüber Medien erklärten, dass bis Jahresende nur 14 eintreffen würden und die Stadt mindestens 620 mobile und 7.894 konventionelle Schutzräume benötige [23]. Eine Umfrage des Kiewer Internationalen Instituts für Soziologie zeigte, dass 62 Prozent der Ukrainer bereit sind, den Krieg zu ertragen [23]. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, es habe Vergeltungsschläge auf Hafeninfrastruktur in Tschornomorsk und Ismajil sowie auf Rechenzentren in ukrainischen Städten durchgeführt [10].