Präsident Donald Trump unterzeichnete in der Nacht vom 16. auf den 17. Oktober eine Durchführungsverordnung, mit der Sanktionen und Zölle gegen Russland ausgesetzt werden, die der Kongress im Rahmen des Lindsey Graham Sanctioning Russia and Iran Act angeordnet hatte, der am 18. September in Kraft gesetzt wurde [7][26]. Die Verordnung nimmt Russland für einen Zeitraum von 60 Tagen von den Bestimmungen des Gesetzes aus — darunter Zölle von bis zu 500 Prozent auf US-Importe russischer Energie und sekundäre Zölle von 100 Prozent auf die fünf größten Abnehmer russischen Rohöls [7][20]. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, Russland habe ukrainische Energie- sowie Öl- und Gasanlagen 76 Mal angegriffen, seit Trump am 11. Oktober eine "energy truce" [Energie-Waffenruhe] angekündigt habe [10][17][21].

Außenminister Marco Rubio sagte, der Präsident beabsichtige, das 60-Tage-Fenster zu nutzen, um die Auswirkungen sowohl der Sanktionen als auch der Zölle auf die Weltwirtschaft und die US-Wirtschaft zu analysieren [1][6][8]. Rubio erklärte, dass sich überschneidende Konflikte — darunter der Konflikt der USA mit dem Iran und Huthi-Angriffe auf Saudi-Arabien — die Energiepreise beeinflussen [6][12]. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Taylor Rogers, sagte, die Durchsetzung der Sanktionen würde jetzt die laufenden US-Bemühungen behindern, ein dauerhaftes Friedensabkommen zwischen der Ukraine und Russland zu erreichen [2][15]. Trump nannte das Einfrieren eine "excellent decision" [ausgezeichnete Entscheidung], die positiv für das Land und die Welt sei [22], während er Reportern sagte, er habe noch keine endgültige Entscheidung über die Ausnahmeregelung verkündet [9][13]. Das Weiße Haus erklärte, es arbeite mit der Ukraine und europäischen Partnern an einem umfassenden Friedensvorschlag, der wirtschaftliche Anreize sowohl für Russland als auch für die Ukraine umfasse [28].

Selenskyj nannte die Aussetzung einen "American sanctions blackout" [amerikanischen Sanktions-Blackout], der den Druck auf den Aggressor verringere und Wladimir Putin finanzielle Belohnungen biete [5][16][19]. Er sagte, Putin "feels joy" [empfinde Freude] über solche Unterstützung und dass das Dieselgeschäft, das der Ausnahmeregelung vorausging, "only the first step" [nur der erste Schritt] bei der weiteren Lockerung gewesen sei [23][29]. Selenskyj erklärte, Russland versuche, vor dem Winter einen Blackout in der Ukraine zu verursachen, und dass Moskau als Reaktion auf die Sanktionserleichterungen keine Zugeständnisse mache [10][21]. Nächtliche Angriffe trafen Umspannwerke in den Regionen Winnyzja, Schytomyr, Chmelnyzkyj und Odessa und töteten mindestens zwei Menschen und verletzten zwölf, darunter zwei Kinder [17][21]. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, seine Streitkräfte hätten Infrastruktur angegriffen, darunter ein Umspannwerk in Schytomyr und Stahlwerke in Krywyj Rih und Saporischschja, die den militärisch-industriellen Komplex der Ukraine versorgen [5][19].

US-Gesetzgeber beider Parteien kritisierten die Ausnahmeregelung. Der republikanische Senator Thom Tillis nannte sie "beyond irresponsible" [mehr als unverantwortlich] und sagte, Trump könne die Energiepreise senken, indem er den Iran-Konflikt löse, statt "doing a solid for Vladimir Putin" [Wladimir Putin einen Gefallen zu tun] [4][6][8]. Der republikanische Senator Ted Cruz nannte den Schritt "a mistake" [einen Fehler] [4][6], und die demokratische Senatorin Elizabeth Warren sagte, Trump widersetze sich dem Mandat des Kongresses, den Druck auf den Kreml zu erhöhen [7]. Der demokratische Abgeordnete Gregory Meeks brachte einen Gesetzentwurf ein, um das Dieselgeschäft zu blockieren, indem die Lizenz des Finanzministeriums widerrufen wird, mit 16 Demokraten und einem Republikaner als Mitunterzeichner [30]. Die republikanische Senatorin Darline Graham sagte, sie werde den Druck auf Russland aufrechterhalten, weil sie Putin nicht vertraue [13].

Der russische Präsidentenbeauftragte Kirill Dmitrijew nannte die Aussetzung "an important and truly historic moment" [einen wichtigen und wahrhaft historischen Moment] und sagte, die Sanktionen hätten der US-Wirtschaft und den globalen Märkten schweren Schaden zugefügt [4][5][18]. Dmitrijew sagte, die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Russland und den Vereinigten Staaten komme beiden Nationen zugute, und erklärte, dass «крига скресла» [das Eis ist gebrochen] [7][28]. Putin erklärte, Russland werde die groß angelegten Angriffe auf militärische, industrielle und logistische Ziele der Ukraine fortsetzen [7].

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sagte, die Aussetzung der Sanktionen gegen russischen Diesel verschaffe Moskau mehr Einnahmen für die Kriegsführung, und Europa werde den Druck nicht lockern [36]. Die Europäische Kommission forderte eine Waffenruhe zum Schutz der Energieinfrastruktur und erklärte, Europa wolle Russlands Krieg nicht befeuern [36]. Bundeskanzler Friedrich Merz kritisierte Trumps Aufhebung der Sanktionen gegen russischen Diesel als Untergrabung der wirtschaftlichen Druckkampagne des Westens [28]. Der polnische Außenminister Radosław Sikorski reagierte auf Dmitrijews Lob mit Sarkasmus und räumte ein, dass der Moment "historic" [historisch] sei [35]. Ein Sprecher der Bundesregierung sagte, Berlin nehme die US-Entscheidung zur Kenntnis und bekräftige die Unterstützung für die Ukraine [36].

Analysten und Wissenschaftler lesen die Entscheidung durch die Brille der US-Innenpolitik. Brent-Rohöl nahe 110 Dollar und Dieselpreise, die seit Januar von 3,50 auf 6,30 Dollar pro Gallone gestiegen sind, erzeugten Druck vor den Zwischenwahlen im November [11][20]. Der Forscher der Freien Universität Brüssel, Serge Jaumain, argumentierte, Selenskyj sei ein Kollateralopfer der US-Zwischenwahlpolitik, wobei Trump ihn als Sündenbock für die Energiepreise benutze [16]. Der Kölner Universitätsprofessor Klemens Fischer nannte die Aussetzung «der dunkelste Moment für die Ukrainer in diesem Krieg bisher» und sagte, Trump handle mit Blick auf die Zwischenwahlen [27]. Analysten berichteten, dass die vereinbarten russischen Dieselmengen zu klein seien, um die globalen Kraftstoffmärkte zu bewegen [43][44]. Der frühere Leiter der Ölabteilung der IEA, Neil Atkinson, sagte, die Herkunft der Mengen sei "a mystery" [ein Rätsel] [44].

Die Ausnahmeregelung ist Teil eines breiteren Bündels von US-Maßnahmen, die die Ukraine betreffen. Trump kündigte am 11. Oktober eine Waffenruhe für die Energieinfrastruktur an und sagte, beide Seiten hätten ihr zugestimmt, obwohl Selenskyj erklärte, Kiew sei nicht konsultiert worden [10][17][25]. Selenskyj sagte, Starlink-Terminals in der Ukraine trennten sich bei Geschwindigkeiten über etwa 161 km/h, wodurch Abfangdrohnen gestört würden, und nannte die Beschränkungen eine «спланированной операцией» [geplante Operation] [3][14][29]. Elon Musk erklärte, Geschwindigkeits- oder Nutzungsbeschränkungen würden vom US-Militär und letztlich vom Präsidenten festgelegt [18]. Rubio bestritt, dass das Weiße Haus Starlink-Beschränkungen angeordnet habe [29]. Die Regierung hat gedroht, den Austausch von Geheimdienstinformationen und die Waffenunterstützung für die Ukraine zu kürzen [10][23].

UN-Menschenrechtsbeobachter dokumentierten ein Muster von Angriffen auf Strom-, Heizungs- und zivile Einrichtungen, während der Winter näher rückt. Die UN-Beobachtungsmission für Menschenrechte in der Ukraine berichtete, dass die ersten zwei Oktoberwochen zu den tödlichsten Zeiträumen für Zivilisten seit Jahren gehörten [32]. Nonviolent Peaceforce verwies auf mehr als 15.000 getötete oder verletzte Zivilisten in der Ukraine in den ersten acht Monaten des Jahres 2026 und forderte verstärkten politischen und wirtschaftlichen Druck auf Russland [33]. Lokale Behörden meldeten Opfer und massive Stromausfälle in neun Regionen, wobei mehr als eine Million Menschen ohne Strom waren [19].

Für die großen Importeure russischer Energie ändert die Ausnahmeregelung in der Praxis wenig. Indische Raffinerien hatten ihre Käufe russischen Rohöls bereits seit den Juli-Höchstständen um ein Drittel gekürzt und werden voraussichtlich weiterhin russisches Rohöl abnehmen [38][39]. Die Türkei, die etwa 60 Prozent ihrer Rohölimporte aus Russland bezieht, kann ihre Abhängigkeit von russischem Rohöl und Gas realistisch nicht beenden [40]. Brasilianische Importeure sahen sich umgeleiteten Ladungen gegenüber und warnten vor höheren Zapfsäulenpreisen, nachdem die US-Lockerung Dieselströme umgeleitet hatte [45].

Das Finanzministerium hat eine allgemeine Lizenz erteilt, die russische Diesellieferungen bis zum 7. April 2027 von den US-Sanktionen ausnimmt [30]. Die Regierung erwägt außerdem, die russischen Gaslieferungen nach Europa als Teil eines Friedenspakets wiederherzustellen, wobei die Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner die Idee gegenüber ukrainischen und europäischen Beamten zur Sprache brachten [11][28]. Selenskyj deutete an, dass das nächste Abkommen Gas betreffen könnte [28]. Europäische Beamte bereiten ein neues Sanktionspaket mit etwa 1.600 Einträgen vor [36].