Russland und die Ukraine meldeten am 2. November jeweils Cyberangriffe auf ihre Notfallwarn-Apps, wobei die Ukraine Russland für gefälschte Atom- und Chemiewarnungen verantwortlich machte und Moskau über falsche Meldungen zu gestarteten Atomsprengköpfen berichtete, ohne einen Verursacher zu benennen [1][3][13]. Die Meldungen kamen, als eine sechstägige lokale Waffenruhe in der Region Cherson auslief und massive Drohnen- und Raketenangriffe auf beiden Seiten der Front weitergingen [21][5].
Die ukrainische Luftwaffe erklärte, die App „Air Alert“ des Landes sei „wahrscheinlich feindlichen Eingriffen ausgesetzt gewesen“ und habe gefälschte Strahlungs-, Chemie- und Straßenkampfwarnungen angezeigt, darunter eine russischsprachige Nachricht mit Bezug auf die Oreschnik-Rakete [4][44]. Das ukrainische Zentrum für strategische Kommunikation, SPRAVDI, schrieb den Hack Russland zu und verwies auf das Muster ungewöhnlicher Warnungen und die russischsprachige Nachricht [18][3]. Die Entwickler der App bestätigten unbefugten Zugriff, deaktivierten Push-Benachrichtigungen und setzten den Dienst vorübergehend aus [13]. Der staatliche Notdienst der Ukraine erklärte, das landesweite Warnsystem funktioniere normal und alle Bedrohungssignale würden an die Regionalverwaltungen übermittelt [13]. Telex berichtete, auch das landesweite Zivilschutz-Sirenensystem sei in der Nacht gehackt worden und habe falsche landesweite Warnungen gesendet; der staatliche Notdienst erklärte, das System sei etwa eine Stunde später wiederhergestellt worden [35].
Stunden später meldete das russische Ministerium für Katastrophenschutz, seine eigene Warn-App sei einem „massiven Cyberangriff“ ausgesetzt gewesen, der es Angreifern ermöglicht habe, falsche Informationen an die Öffentlichkeit zu senden, darunter Meldungen über gestartete Atomsprengköpfe [1][7][13]. Das Ministerium erklärte, die wichtigsten Sirenen-, SMS-, Radio- und Fernsehwarnsysteme seien weiterhin funktionsfähig und Fachleute arbeiteten an der Behebung der Schwachstelle [40][16]. Moskau benannte keinen Verursacher für den Angriff auf sein System [3]. Die ukrainische Partisanengruppe Atesch erklärte auf Telegram, die russische App sei gehackt worden, und veröffentlichte einen nicht verifizierten Screenshot [44].
Die Berichte über Cyberangriffe folgten auf das Auslaufen einer von den USA vermittelten Waffenruhe im russisch besetzten Oleschky in der ukrainischen Region Cherson am 1. November [21][8]. Der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez bestätigte, dass die vom 27. Oktober bis 1. November geltende Waffenruhe beendet sei, und nannte sie einen wichtigen Schritt in den gemeinsamen humanitären Bemühungen [6][10]. Der ukrainische Generalstab erklärte, während der Waffenruhe seien 167 Menschen, darunter 22 Kinder und 21 Menschen mit eingeschränkter Mobilität, aus bedrohten Gebieten evakuiert worden [21][31]. Die Ukraine schlug eine Verlängerung der Waffenruhe vor, aber Russland lehnte das Angebot ab [21][10]. Papst Leo, der an der Vermittlung beteiligt war, sagte, er hoffe, die Pause werde „den Wunsch nach Dialog stärken und zu neuen konkreten Friedensinitiativen führen“ [6][26]. Die US-amerikanische First Lady Melania Trump, die die Waffenruhe vermittelt hatte, nannte die Mission einen Erfolg und äußerte die Hoffnung, Oleschky könne ein Fundament für dauerhaften Frieden werden [45][46], während Präsident Donald Trump sagte: „Let Oleshky become the starting point for lasting peace“ [Möge Oleschky zum Ausgangspunkt für dauerhaften Frieden werden] [26]. Der russische Sonderbotschafter des Außenministeriums, Rodion Miroschnik, warf der Ukraine vor, die Waffenruhe verletzt zu haben, und sagte, eine ukrainische Drohne habe ein ziviles Auto angegriffen und zwei Menschen verletzt [15].
Russische Angriffe trafen die Energieinfrastruktur in vier ukrainischen Regionen — Dnipropetrowsk, Winnyzja, Schytomyr und Chmelnyzkyj — und beschädigten Umspannwerke, Transformatoren und Stromleitungen, wodurch Hunderttausende Haushalte ohne Strom blieben [17][43]. Selenskyj beschrieb die Stromsituation als „schwierig“, mit 200.000 Haushalten ohne Strom in der Oblast Dnipropetrowsk und 80.000 in der Oblast Kiew [14]. Ein russischer Drohnenangriff in Kosjatyn in der Oblast Winnyzja tötete ein 13-jähriges Mädchen und eine Frau und verletzte vier weitere Menschen, darunter zwei fünfjährige Kinder [34][4]; die DW berichtete von mindestens drei Toten bei dem Angriff [26]. Selenskyj sagte, Russland nehme „jeden Tag bewusst zivile Infrastruktur ins Visier“ [14]. Der ukrainische Dienst von Radio Swoboda berichtete, ukrainische Behörden und internationale Organisationen bezeichneten solche Angriffe als Kriegsverbrechen [19]. Die russische Führung bestreitet, dass ihre Armee bewusst zivile Infrastruktur angreift [19][34]. Präsident Wladimir Putin hat erklärt, das Ziel der Ukraine im Wirtschaftskrieg werde an einem widerstandsfähigen Energiesystem scheitern [54].
Die Ukraine führte tiefe Angriffe innerhalb Russlands durch. Der ukrainische Generalstab erklärte, Drohnen und Neptune-Marschflugkörper hätten das Kamenski-Werk in der Oblast Rostow getroffen, eine Anlage zur Herstellung von festem Raketentreibstoff, und dabei vier Produktionseinheiten sowie ein Panzir-S2-System und ein Führungsfahrzeug des S-400-Systems beschädigt [31][28]. Selenskyj schätzte den Schaden auf etwa 70 Millionen Dollar und bezeichnete den Angriff als legitime Verteidigung mit dem Ziel, Russlands Fähigkeit zur Fortsetzung des Krieges einzuschränken [28]. Ukrainische Beamte erklärten, Angriffe auf Anlagen zur Herstellung von festem Raketentreibstoff verringerten die Fähigkeit der russischen Armee, mit Mehrfachraketenwerfern anzugreifen [31].
Ukrainische Drohnen trafen auch russische Ölraffinerien. Gouverneur Gleb Nikitin meldete einen großangelegten nächtlichen Drohnenangriff, der „erheblichen Schaden“ an einem Industriebetrieb im Bezirk Kstowo in der Oblast Nischni Nowgorod verursacht habe, wobei mehr als 100 Drohnen zerstört worden seien [5][11]. Ukrainische Medien identifizierten das Ziel als die Lukoil-Raffinerie NORSI, die viertgrößte Russlands [11]. Die Regionalbehörden schlossen Schulen und Kindergärten, drosselten Heizung und Warmwasser und führten eine Treibstoffrationierung von 40 Litern pro Auto ein, obwohl der Bürgermeister von Nischni Nowgorod meldete, die Stromversorgung sei bis 19:00 Uhr am 1. November vollständig wiederhergestellt und die Heizungs- und Warmwasserparameter seien bis Mitternacht wieder auf Normalniveau gewesen [47]. Der russische Vizeministerpräsident Alexander Nowak bestätigte Angriffe auf drei Raffinerien und einen gaschemischen Komplex und erklärte, der Schaden sei gering und die Luftabwehr habe funktioniert [41]. Das ukrainische Verteidigungsunternehmen Fire Point erklärte, seine FP-1-Drohnen hätten die Raffinerie Nowokuibyschewsk getroffen [41].
Energieanalysten berechneten, dass rund 30 Prozent der russischen Raffineriekapazität außer Betrieb waren [53]. Russland verlängerte sein Exportverbot für Diesel, Schiffskraftstoff und Gasöl durch Direktproduzenten bis zum 31. Januar 2027 [52]. Goldman Sachs berichtete, dass Raffinerien im Nahen Osten und in Russland wegen Drohnen- und Raketenangriffen nur mit 60 Prozent ihrer Kapazität liefen und weltweit fast 10 Millionen Barrel Raffineriekapazität pro Tag außer Betrieb seien [55].
Selenskyj bot einen bedingten Handel an: Die Ukraine würde die Raffinerieangriffe für einen Monat einstellen, wenn Washington einen Monat lang Patriot-Abfangraketen lieferte, oder sie würde aufhören, wenn Russland die Angriffe auf das ukrainische Energiesystem einstellte [7][25]. Das US-Außenministerium genehmigte den Verkauf von 500 Patriot-Raketen an die Ukraine, obwohl Selenskyj warnte, die Lieferungen könnten Jahre dauern [25]. Ukrainische Beamte bestritten, dass Kiew trotz des Drucks der USA jemals einer Pause der Raffinerieangriffe zugestimmt habe; ein hochrangiger Beamter sagte, der US-Gesandte Jared Kushner habe eine 30-tägige Pause vorgeschlagen, aber es sei keine Anordnung ergangen [41]. Die Trump-Regierung drängt beide Kriegsparteien, den Energiekrieg zu beenden, motiviert durch steigende Dieselkosten [6][10][25]. US-Gesandte schlugen vor, russisches Gas über einen US-Zwischenhändler nach Europa zu verkaufen, um europäische Sanktionen zu umgehen [7]. Kreml-Berater Juri Uschakow sagte, Russland wolle erneuerte Friedensgespräche, die auf Russland, die Ukraine und Washington beschränkt seien und Europa ausschlössen [26]. Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni sagte, jede Lockerung der Sanktionen gegen russische Oligarchen wäre „eine sehr riskante Entscheidung“ [27].
In einer separaten Entwicklung warnte die US-Botschaft in Moskau vor einer „real threat“ [realen Bedrohung] eines Terroranschlags mit vielen Todesopfern im Museumsreservat Zarizyno am 31. Oktober [9][33]. Der russische FSB nahm einen Minderjährigen fest, den er über TikTok-Posts und extremistische Abonnements mit dem Plan in Verbindung brachte, und dankte der US-Seite öffentlich für die Informationen [38][33].
Trilaterale Verhandlungen mit US-Vermittlung werden laut Selenskyj in der ersten Novemberhälfte erwartet; er sagte außerdem, er habe mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan vereinbart, am Schwarzmeer-Getreidekorridor zu arbeiten [50][51].